Liestal - Mit Besorgnis, ja Verärgerung, hat die Wirtschaftskammer Baselland zur Kenntnis genommen, dass der VCS beider Basel das Kantonsgerichtsurteil vom letzten Mittwoch zum Mediamarkt-Neubau im Prattler «Grüssen» nicht akzeptieren und diesen Entscheid in aller Sturheit beim Bundesgericht anfechten will. Dieser destruktive VCS-Marsch durch sämtliche Gerichtsinstanzen muss überdies auch für weitere wichtige Projekte in der ganzen Region erwartet werden. Der VCS versucht damit - entgegen dem Willen breiterer Bevölkerungskreise und der Behörden in Pratteln - ein für die regionale KMU-Wirtschaft insgesamt wichtiges Überbauungsprojekt mit unglaublichen Spitzfindigkeiten zu torpedieren. Er gefährdet so nicht nur Arbeitsplätze und Wertschöpfung in der Region, sondern treibt geradezu fahrlässig noch mehr Konsumenten in die grossen Einkaufszentren vor allem in Süddeutschland. Dies belastet unter dem Strich die Umwelt wesentlich mehr, als ein attraktives Parkplatzangebot im Einkaufsgebiet «Grüssen», unmittelbar an der Autobahn A2. Die Wirtschaftskammer begrüsst denn auch die vom Baselbieter Landrat Anfang April mit deutlichem Mehr überwiesene SVP-Motion zur ersatzlosen Streichung des kantonalen Verbandsbeschwerderechts.
Die sture Haltung des VCS ist für die Wirtschaftskammer um so unverständlicher, als die Bauauftraggeber für die neuen Projekte im «Grüssen» grundsätzlich bereit sind, mit erheblichen Investitionen die Erschliessung des Zentrums mit dem öffentlichen Verkehr zu optimieren, obwohl ein solches öV-Angebot alles in allem an den Einkaufsgewohnheiten und -bedürfnissen der Kunden weitgehend vorbei zielt, das heisst: nur vergleichsweise schwach genutzt wird.
Mit Besorgnis registriert die Wirtschaftskammer in diesem Zusammenhang die deutliche Zunahme des Einkaufstourismus von Schweizer Konsumenten insbesondere in die Einkaufszentren in Süddeutschland, der in den vergangenen 15 Jahren um 250 Prozent und allein zwischen 2001 und 2005 um 50 Prozent angestiegen ist, wie der soeben publizierten Coop-Studie «Einkaufstourismus 2005» entnommen werden kann. Mit diesem Einkaufstourismus würden dem Detailhandel mittlerweile pro Jahr gesamtschweizerisch über 2,1 Milliarden Franken an Umsatz verloren gehen. Laut «Basler Zeitung» vom Sommer 2005 fliessen allein aus der Nordwestschweiz aktuell jährlich über 650 Millionen Schweizer Franken in den Detailhandel am Hochrhein. Die mit diesen Ausland-Einkäufen verbundenen Fahrten im Auto erreichen laut Coop-Studie gesamtschweizerisch annähernd 1,5 Milliarden Fahrzeugkilometer pro Jahr. Durchschnittlich lege der Schweizer Konsument pro Einkaufsfahrt ins Ausland rund 60 Kilometer (!) zurück.
Es ist für die Wirtschaftskammer klar, dass der wachsende Einkaufstourismus in erster Linie auf das bestehende bzw. - wie in der Coop-Studie vermerkt - vom Konsumenten vermutete Preisgefälle zurückzuführen ist. Es darf jedoch nicht ausser acht gelassen werden, dass die komfortable Gratis-Parkiersituation in den deutschen Einkaufszentren nicht unerheblich zum Ausland-Einkaufsentscheid beiträgt. Wenn Organisationen wie der VCS diese Preis- und Komfort-Konkurrenz mit dem nahen Ausland unter den Teppich kehrt und sogar - wie mit der unsinnigen Verhinderungsstrategie im Prattler «Grüssen» - alles unternimmt, um diese Konkurrenz zu Ungunsten des regionalen Detailhandels zu verschärfen, dann nehmen diese Organisationen wider jede Vernunft in Kauf, dass nicht nur die einheimische KMU-Wirtschaft, sondern auch die Umwelt zusätzlich belastet werden.
Kontakt:
lic.rer.pol. Christoph Buser Teamleiter KMU-Förderung Wirtschaftskammer Baselland Tel. 061 927 65 22 / Fax 061 927 65 82
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