Erfolgsbilanz von Kanton, Wirtschaft und Gewerkschaft
Liestal, 22. Oktober 2008 Mit 1'958 neuen Lehrverträgen hat der Kanton Baselland im Sommer 2008 den vorläufigen Höchststand an Lehrstellen erreicht, was im Vergleich zum Sommer 1999 einer Zunahme von 15 Prozent entspricht. Diese erfreuliche Bilanz von 10 Jahren engagierter Lehrstellenförderung in Baselland zogen heute an einer gemeinsamen Medienorientierung in Liestal Regierungsrat Urs Wüthrich, Bildungs-, Kultur- und Sportdirektor des Kanton Basellandschaft, Niklaus Gruntz, Leiter des Amtes für Berufsbildung und Berufsberatung, Landrätin Eva Chappuis vom Gewerkschaftsbund Baselland sowie Nationalrat Hans Rudolf Gysin, Direktor der Wirtschaftskammer Baselland.
Die traditionell enge Zusammenarbeit in der Berufsbildung zwischen Kanton, Wirtschaft und Gewerkschaften führte angesichts des wachsenden Lehrstellenmangels vor über zehn Jahren zu einem umfangreichen und - wie sich heute zeigt - erfolgreichen Massnahmenpaket zur Förderung von Lehrstellen. Dieses Paket führte aber auch zur Schaffung eines kantona-len Lehrstellenförderers, der unter dem Dach der Wirtschaftskammer vor allem bei Baselbie-ter KMU tätig wurde.
Regierungsrat Urs Wüthrich-Pelloli schilderte vor den Medien zunächst die Ausgangslage für den Kanton Basel-Landschaft, aber auch für die ganze Schweiz, im Jahre 1999. Der Kanton habe zu jenem Zeitpunkt einen Rückgang im Lehrstellenangebot von insgesamt 8 Prozent registriert, in einzelnen Branchen gar um bis zu 30 Prozent. Gleichzeitig hätten sich ge-burtenstärkere Jahrgänge auf den Lehrstellenmarkt gedrängt. Im Rahmen einer gesamt-schweizerischen Lehrstellenoffensive des Bundes zusammen mit den Kantonen, der ausbildenden Wirtschaft und den Gewerkschaften seien auch in Baselland verschiedene Gegenmassnahmen getroffen worden. "Eine wichtige Voraussetzung war dabei die enge Zusammenarbeit von Wirtschaft und Kanton, denn der Kanton kann keine Lehrstellen befehlen. Er ist auf die Mithilfe und Kooperation der Wirtschaft angewiesen", betonte Urs Wüthrich. Ebenso sei sich insbesondere die Politik bewusst geworden, welchen Stellenwert die Berufsausbildung in zunehmendem Masse einnehme.
Wüthrich zeigte verschiedene Förderungsmassnahmen auf, so unter anderem Berufswahlkonzepte an den Schulen, die Berufsinformations-Zentren BIZ, die neu geschaffenen schulischen Brückenangebote oder auch Projekte zur Stützung von leistungsschwächeren Schulabgängern. Eine wesentliche Massnahme sei jedoch die Schaffung des "Kantonalen Lehrstellenförderers" gewesen, der im Rahmen eines Leistungsauftrags des Kantons an die Wirtschaftskammer Baselland insbesondere bei potenziellen Baselbieter Lehrbetrieben aktiv geworden war.
"Hinter jedem erfolgreichen Konzept stehen starke Partner" unterstrich Nationalrat Hans Rudolf Gysin, Direktor der Wirtschaftskammer Baselland den entscheidenden Erfolgsfaktor der Baselbieter Lehrstellenförderung. Gysin zeigte auf, wie der Lehrstellenförderer Urs Berger vor 10 Jahren mit dem knochenharten Job eines "Klinkenputzens" bei potenziellen Lehrfirmen bereits einen ansehnlichen Teil neuer Lehrstellenanbieter akquirieren konnte. Es habe sich jedoch bald gezeigt, dass vor allem kleine oder spezialisierte KMU gar nicht in der Lage gewesen seien, die anspruchsvollen Ausbildungsprogramme der Berufe zu erfüllen. Die Lösung habe geheissen: Schaffung eines Lehrbetriebsverbundes, in dem mehrere Firmen einen Lehrling im Turnus ausbilden. Die Wirtschaftskammer habe im Jahre 2000 einen solchen Verbund mit 5 KV-Lernenden gegründet. Heute seien es bereits über 150 Lernende in 29 Berufen, die in 121 Lehrbetrieben ihre Ausbildung absolvieren würden - grösserenteils in neu geschaffenen Lehrstellen. "Ich rechne es dem Kanton Baselland hoch an, dass er die Chancen dieser neuen Ausbildungsform erkannt und ideell unterstützt hat", hielt Gysin fest.
Sehr erfreut über das in den letzten zehn Jahren Erreichte zeigte sich auch Landrätin Eva Chappuis vom Gewerkschaftsbund Baselland. Sie unterstrich den Wert des Massnahmenpaketes der Baselbieter Lehrstellenförderung. Es habe auch dazu geführt, dass Lehren nicht häufiger abgebrochen würden und die Berufsausbildung attraktiv bleibe. Nachlassen in den Bemühungen um einen funktionierenden Lehrstellenmarkt sei allerdings nicht angesagt. Die Zahl der zu Beginn eines Ausbildungsjahres offenen Lehrstellen sei in vielen Branchen noch zu gering. Merklich verbessert werden müsste auch die Situation für Jugendliche, die ihr Potenzial noch nicht entdeckt hätten und darauf angewiesen seien, dass ihnen u.a. in Form von Attestausbildungen die Wege in die Berufswelt geebnet würden. "Wir danken für die gute Zusammenarbeit mit der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion und der Wirtschaftskammer, und wir danken vor allem allen ausbildenden Betrieben für ihr grosses Engagement zugunsten der Lernenden", schloss Eva Chappuis ihr Referat.
Niklaus Gruntz, Leiter des Amtes für Berufsbildung und Berufsberatung Baselland, belegte mit Zahlen und Fakten die erfolgreiche Lehrstellenförderung in Baselland. In den vergangenen 10 Jahren habe die Zahl der Schulabgänger in Baselland um rund 12 Prozent stark zu-genommen, die Nachfrage nach Lehrstellen sei also stark gestiegen, was teilweise mit Brückenangeboten habe aufgefangen werden können. Doch dank Lehrstellenförderung sei auch das Angebot an Lehrstellen massgeblich verbessert worden: "Im Vergleich zum Stand vor 10 Jahren haben wir einen Zuwachs von 15 Prozent bzw. von 268 Lehrstellen feststellen können", lautete das Fazit von Gruntz. Dies sei jedoch kein Grund auszuruhen. Es würden sich in näherer Zukunft neue Herausforderungen stellen: etwa der Rückgang von Schulabgängern, die unklare wirtschaftliche Entwicklung, die steigenden Anforderungen der Wirtschaft an die Jugendlichen, aber auch der Bedarf nach Lehrabschlüssen durch Erwachsene, die ja ihren Beruf heute ein- bis zweimal im Leben wechseln würden.
Kontakt:
Hans Rudolf Gysin, Nationalrat Direktor Wirtschaftskammer Baselland Tel. 061 927 65 00 / 079 423 56 63
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