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Neujahrsapéro 2010
Neujahrsapéro 2010 der Wirtschaftskammer Baselland

"Gib jedem Jahr die Chance, das beste deines Lebens zu werden": Mit diesem Wort des amerikanischen Erzählers Mark Twain stiess heute Mittwochabend Andreas Schneider, Präsident der Wirtschaftskammer Baselland, auf das "beste Jahr 2010" an. Über 600 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft des Baselbiets und der Region trafen sich im Hotel Engel in Liestal zum traditionellen Neujahrsapéro des Baselbieter Dachverbandes der KMU-Wirtschaft – verbunden in der Hoffnung, dass die düsteren Wolken der Wirtschaftsentwicklung im neuen Jahr sich weiter lichten mögen. Das turbulente und "widersprüchliche" alte Jahr bildete denn auch das Hauptthema der Neujahrsansprachen von Dr. Beat Oberlin, Präsident der Geschäftsleitung der Basellandschaftlichen Kantonalbank, und von Andreas Schneider.

 

Der traditionelle Neujahrsempfang der Wirtschaftskammer Baselland war für die über 600 Gäste erneut Anlass, um Kollegen, Freunden und Bekannten ein erfolgreiches neues Jahr zu wünschen. Diese Gelegenheit nutzten zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der regionalen Behörden und der Gemeinden, der eidgenössischen, kantonalen und kommunalen Legislativen sowie der Berufs- und Branchenverbände und der KMU-Organisationen der näheren und weiteren Region. Unter den Gästen waren namentlich auszumachen: Landratspräsident Hanspeter Frey, Landrats-Vizepräsidentin Beatrice Fuchs, die Nationalratsmitglieder Kathrin Amacker, Caspar Baader, Hans Rudolf Gysin, Peter Malama, Christian Miesch und Eric Nussbaumer. Die benachbarten Wirtschaftsverbände vertraten Dr. Thomas Staehelin, Präsident Handelskammer beider Basel, und Werner Schmid, Präsident Gewerbeverband Basel-Stadt, sowie Andreas Gasche, Geschäftsführer des Kantonal-Solothurnischen Gewerbeverbandes. Von der Handwerkskammer Karlsruhe war deren Hauptgeschäftsführer Gerd Lutz und Frau Getrud Müller Lutz anwesend. E. Regierungsrat Erich Straumann vertrat quasi die Baselbieter Regierung, die aufgrund ihrer Klausurtagung an der Teilnahme verhindert war.

Das wirtschaftlich turbulente Jahr 2009 nutzten beide Referenten zu einer kritischen Würdigung. Beat Oberlin, CEO der Basellandschaftlichen Kantonalbank, stellte unumwunden fest, dass in den beiden letzten Jahren das Ansehen seiner Branche stark gelitten habe – ungeachtet davon, ob man sich als Bank korrekt oder weniger korrekt verhalten habe. Dennoch fühle er sich als CEO der Kantonalbank gut, weil diese – gemäss den langfristigen Zielsetzungen und Verpflichtungen des Kantons als Eigner – vieles richtig gemacht habe und sich in einem guten Umfeld bewege. Die Kantonalbank verlange von ihren Kunden, dass sie ihre Hausaufgaben machten. Es sei deshalb auch deren gutes Recht, von der Bank mindestens das Gleiche zu fordern.

Für ihn und seine Bank gelte nach wie vor der bürgerliche Freiheitsbegriff, denn man sei als Bank ganz besonders auf ein national und international funktionierendes System angewiesen. Und das heisse nichts anderes, als dass deren Freiheit dort ihre Grenzen habe, wo sie die Handlungsfreiheit anderer verletze. Dennoch: Die Aufgabe der Kantonalbank sei es, nach den Regeln des Marktes sorgfältig mit dem von den Kunden anvertrauten Geld und mit dem eigenen Kapital umzugehen. Im Rückblick auf die Entwicklung der Firmenkunden und der Bank im Jahre 2009 stellte der CEO der Kantonalbank schliesslich fest: «Ich habe das Gefühl, dass Sie und wir unsere Aufgaben sehr gut gemacht haben. Wir werden auch im 2010 alles daran setzen, unseren Teil zu Ihrem Erfolg beizutragen und damit selbst erfolgreich zu sein.»

Wirtschaftskammer-Präsident Andreas Schneider hob in seinen Neujahrsgedanken vor allem die Widersprüchlichkeiten im abgelaufenen Jahr hervor: allem voran die immer dunkleren Wirtschaftsprognosen zu Beginn des letzten Jahres. Heute dürfe man jedoch – mit Ausnahme etwa der Exportbranchen – feststellen, dass sich die schweizerische und regionale Wirtschaft viel besser als erwartet entwickelt habe, trotz immer noch häufig leerer Auftragsbücher und trotz wachsender Arbeitslosigkeit. Dazu hätten vor allem die Konsumenten mit ihrer Kauffreudigkeit beigetragen. Dafür hätte aber insbesondere auch die KMU-Wirtschaft gesorgt, die sich von den düsteren Prognosen nicht beeinflussen liess – im Gegenteil: «Sie hat mutig und erfolgreich gekämpft, neue Ideen in echte Innovationen umgesetzt und auch Investitionen getätigt.» Schneider würdigte dabei auch Bund und Kantone, die mit klugen und massvollen Konjunkturpaketen sinnvolle und nachhaltige Investitionen gefördert hätten.

Ein Widerspruch war für den Wirtschaftskammer-Präsidenten auch die Äusserung eines Universitäts-Dozenten, der die duale Berufsbildung als "Auslaufmodell" abqualifiziert und dabei die deutliche Förderung der akademischen Bildung verlangt hatte. Dabei habe die Schweiz gerade im Jahr 2009 an den Berufsweltmeisterschaften weltweit und innerhalb Europas die Spitzenplätze belegt. Es sei falsch, die akademische und die duale berufliche Ausbildung gegeneinander auszuspielen. Es brauche auf jeden Fall beide Bildungswege.

Als widersprüchlich kritisierte Andreas Schneider schliesslich die Reaktionen auf einzelne Urnengänge im abgelaufenen Jahr: Zum Ja zur Personenfreizügigkeit oder zur IV-Finanzierung habe die "classe politique" die Mündigkeit der Stimmbürger gelobt. Diese Mündigkeit sei jedoch der Stimmbevölkerung Ende November pauschal abgesprochen, und es seien sogar Einschränkungen der demokratischen Instrumente gefordert worden. Es sei bedenklich, die Demokratie nur dann zu loben, wenn sie der gängigen "political correctness" folge. "Ich frage mich mit einer gewissen Sorge, ob denn unsere Demokratie nur im Schönwettermodus genehm ist", gab der Referent zu bedenken.

Der Wirtschaftskammer-Präsident beendete mit einem Zitat von Mark Twain seine Gedanken zum neuen Jahr: «Gib jedem Jahr die Chance, das beste deines Lebens zu werden. Diese Chance wünsche ich uns allen und in diesem Sinne stosse ich mit Ihnen auf das "beste" Jahr 2010 an.»



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