Wirtschaftskammer Baselland Wirtschaftskammer Baselland
Neujahrsapéro 2012

Liestal, 5. Januar 2012 – Bereits zum zehnten Mal luden die Wirtschaftskammer Baselland und die Basellandschaftliche Kantonalbank am Donnerstagabend in Liestal zum Neujahrsapéro ein. Rund 500 Persönlichkeiten nahmen am grossen Rendez-vous der regionalen Politik und Wirtschaft teil. Andreas Schneider, Präsident der Wirtschaftskammer Baselland, nahm angesichts der düsteren Wolken am Konjunkturhorizont sowohl die Unternehmer als auch den Kanton in die Pflicht; Co-Gastgeber Beat Oberlin, Präsident der Geschäftsleitung der BLKB, bezeichnete die Zinspolitik der aktuellen Währungspolitik zur Stützung der Exportwirtschaft als «Hochseilakt».

 

Wirtschaftskammer-Präsident Andreas Schneider hielt in seiner Neujahrsansprache im Hotel Engel in Liestal zunächst fest, dass die vorab im Binnenmarkt tätigen Baselbieter KMU im vergangenen Jahr trotz Frankenstärke gut gewirtschaftet hätten. Dieser Umstand dürfe jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass Branchen wie Detailhandel, Strassentransport oder Auto- und Reparaturgewerbe den starken Franken wegen des florierenden Einkaufstourismus deutlich zu spüren bekämen. Im Interesse der betroffenen Branchen und der gesamtschweizerischen Wirtschaft sprach sich der Gewerbepräsident für eine weitere Korrektur des «immer noch zu hoch bewerteten» Schweizer Frankens durch die Nationalbank aus. Gleichzeitig hielt er fest, dass sich das Gewerbe nicht bloss auf Nationalbank und Staat verlassen dürfe, sondern auch selber an der Verbesserung seiner Wettbewerbsfähigkeit arbeiten müsse – mit Kostensenkungen, Effizienzsteigerung und noch grösserer Flexibilität.

 

Auch den Kanton will Schneider in die Pflicht nehmen. Das Baselbiet benötige ein offensives wirtschaftspolitisches Konzept, das auf neue, nachhaltige Investitionen in wertschöpfungsstarke Branchen abziele. Konkret fordert die Wirtschaftskammer 1. die Schaffung investitionsbereiter, strategischer Entwicklungsgebiete, 2. die Schaffung von Investitionsanreizen in der Steuergesetzgebung, 3. die Schaffung eines Kompetenzzentrums für Unternehmensansiedlungen und 4. die Entwicklung einer Immobilien-Strategie für die kantonseigenen Immobilien. Der designierte Direktor der Wirtschaftskammer, Christoph Buser, habe im Landrat vier entsprechende Vorstösse eingereicht. Der Präsident nutzte die Gelegenheit, Buser zu seiner einstimmigen Wahl zu gratulieren und dankte ihm, der Geschäftsleitung mit Hans Rudolf Gysin an der Spitze und dem Mitarbeiterstab im Haus der Wirtschaft für die hervorragende Arbeit.

 

Als nützliches «Bhaltis» präsentierte Schneider den Anwesenden schliesslich eine Parkscheibe für die «Blaue Zone» – dies aus Anlass des Durchbruchs in der Diskussion um eine preisgünstige Gewerbeparkkarte für beide Basel. Die Wirtschaftskammer war massgeblich am Verhandlungserfolg beteiligt.

 

Co-Gastgeber Beat Oberlin zeigte sich in seiner Rede beunruhigt über die Nullzinspolitik der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Denn so lange diese keinen Zins für Anlagen an die Banken bezahle, falle für die Banken ein wichtiger Ertragsposten weg. Wenn gleichzeitig die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA) die Eigenkapitalvorschriften für die Banken verschärfe, könne es für einzelne Banken mit eher knapper Eigenmittel-Ausstattung unangenehm werden, folgerte er. Eine mögliche Konsequenz aus knappem Eigenkapital und schlechteren Ertragsaussichten seien eine restriktivere Kreditvergabe der Banken an Unternehmungen sowie höhere Zinsen. Die aktuelle Währungspolitik von SNB und Währungshütern bezeichnete Oberlin deshalb als einen «Hochseilakt», bei dem nicht nur die Interessen von Exportindustrie mit denen der KMU unter einen Hut gebracht, sondern auch genügend Sorge zu den Universalbanken, dem «Schmiermittel der Unternehmungen», getragen werden müsse.

 

«Wachstum als Selbstläufer scheint Vergangenheit, Konzepte die ausschliesslich auf Wachstum und Normalinflation aufbauen, haben es in naher Zukunft schwer» sagte der BLKB-Chef mit Blick nach vorne. Der Schweiz stehe ein grösserer Umbruch bevor, als Vielen bewusst sei. Trotz dieser schwierigen Ausgangslage gab sich der Bankpräsident optimistisch: Die BLKB sei gut aufgestellt und erlebe im täglichen Geschäft ausgezeichnete Unternehmen und Management-Teams. Auf der anderen Seite garantiere seine Bank mit dem AAA-Rating und einer sehr starken Eigenkapitalbasis auch im 2012 Stabilität: Gute Firmen würden nicht im Stich gelassen, auch wenn sie einmal eine Schwächephase hätten. Basis für gute Partnerschaften seien Respekt, gegenseitige Offenheit und Transparenz.

 


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