125 Jahre jung und aktiv
19.06.09 - 13:48 / Autor: MWB.
Im Jahr 1884 schlossen sich 55 Sissacher Handwerker und Gewerbetreibende zu einer gemeinsamen Interessenvertretung zusammen. Damit entstand der drittälteste Gewerbeverein des Baselbiets. Zuvor fanden in Liestal (1875) und in Arlesheim (1880) solche Gründungen statt. Mit einer würdigen Jubiläumsfeier gedachte die heutige Sissacher KMU-Vereinigung ihrer Gründung vor 125 Jahren.

Geburtstagsbatzen: überreicht von Andreas Schneider an Daniela Schneeberger (r.). |  |
Am ersten Juni-Samstag dieses Jahres stand die Mehrzweckhalle Bützenen in Sissach voll und ganz im Zeichen eines nicht alltäglichen Ereignisses: des 125. Geburtstages einer lokalen Gewerbevereinigung. Doch bevor der «Gewerbeverein Sissach und Umgebung» sich und seine Geschichte würdig und zugleich ausgelassen feiern konnte, galt es den Regularien Genüge zu tun.
GV in Rekordzeit Landrätin Daniela Schneeberger, die seit einem Jahr amtierende, erste Präsidentin des Gewerbevereins Sissach, wickelte den geschäftlichen Teil – er umfasste immerhin 11 Traktanden – in nur gerade 25 Minuten souverän und äusserst speditiv ab. Schliesslich mussten noch einige Minuten überbrückt werden bis zum offiziellen Beginn des Apéros! Es war die kürzeste Generalversammlung eines Gewerbevereins, welche der Chronist in seiner nun auch schon einige Jahre währenden Berichterstattungs-Karriere miterlebte. Der Grund für diesen «Rekord» lag aber nicht nur in der freudigen Erwartung des Apéros und der Jubiläumsfeier. Mit einem lebendig gestalteten schriftlichen Jahresbericht, einem erwartungsgemäss ausgefallenen Jahresergebnis und weiteren, den Mitgliedern vorgängig zugestellten Unterlagen war die Grundlage für eine zügig durchführbare Generalversammlung so oder so gelegt.
«mega sissach 2010» Die Projektierung der neuen Gewerbeausstellung «mega Sissach», welche die altbewährte GESI ablösen soll, war – neben den traditionellen Vereinsaktivitäten – wohl die wichtigste und vor allem zukunftsweisende Tätigkeit im vergangenen Vereinsjahr. Im nächsten Jahr – dem 126. der Vereinsgeschichte – wollen die Sissacher KMU-Betriebe neue Akzente setzen. Die 9. Gewerbeausstellung wird vom 28. bis 30. Mai 2010 erstmals im Dorfzentrum Sissach zwischen dem Bahnhof und in der neu erstellten Begegnungszone (Strichcode) zwar zentral, aber in der Gestaltung und Präsentation doch dezentral stattfinden. Diese zweifellos neue Form einer Gewerbeschau stellt sowohl an Organisatoren als auch an die Mitwirkenden eine besondere, aber zugleich äusserst spannende Herausforderung dar.
Interessenvertretung ist nötig Zur offiziellen Jubiläumsfeier konnte Präsidentin Daniela Schneeberger eine illustre Gästeschar begrüssen, die vom höchsten Baselbieter, Landratspräsident Peter Holinger, angeführt wurde. Seitens des kantonalen Dachverbandes erwies Präsident Andreas Schneider den jubilierenden Sissachern die Reverenz. Der Regierungsrat, der zum Zeitpunkt der Feier auf seinem «Schuelreisli» weilte, wurde durch den kantonalen Wirtschaftsdelegierten Simon Schmid vertreten. Mit der von Montesquieu stammenden Maxime «Gemeinnutz geht vor Eigennutz» umschrieb Schneeberger auf sehr treffende Weise den Sinn und Zweck eines Gewerbevereines. Der einzelne Gewerbetreibende könne als Einzelkämpfer nur bedingt bestehen. «Durch Gesetze, Verordnungen und vieles mehr sind wir alle in ein übergeordnetes Ganzes eingebunden. Wir können nicht einfach schalten und walten, wie uns das vielleicht lieb wäre.» Deshalb brauche es eine starke Interessenvertretung, die wirtschaftspolitisch auf lokaler Ebene für bestmögliche Rahmenbedingungen sorge.
Geburtstagsbatzen Wirtschaftskammer-Präsident Andreas Schneider wies darauf hin, dass Themen wie Berufsbildung und öffentliches Beschaffungswesen bereits vor 125 Jahren aktuell waren und zur Gründung von Gewerbevereinen und Berufsverbänden auf lokaler und kantonaler Ebene geführt hat. Das wichtigste Gründungsziel sowohl der örtlichen Vereine als auch des kantonalen Verbandes – er wurde 1887 gegründet –, sei identisch gewesen: «Heranbildung eines tüchtigen gewerblichen Nachwuchses.» Mit einem Check über 1250 Franken überreichte Andreas Schneider einen Geburtstagsbatzen, den die Sissacher zweifellos im Sinne ihrer Gründungsväter gut einsetzen werden – nämlich zur Stärkung des örtlichen Handwerks und Gewerbes.
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