Göttis, Gotten und ein Tag der offenen Tür
09.12.11 - 04:21 / Autor: MVo/ch.
Mitte November haben sich der Zentralvorstand und die Geschäftsleitung der Wirtschaftskammer Baselland mit den Präsidentinnen und Präsidenten der angeschlossenen Gewerbe- und Industrievereine (GIV) zu einer Klausurtagung in Pfäffikon SZ getroffen. Rund 35 Teilnehmende diskutierten die Aktivitäten, die im Rahmen der Konferenz der Gewerbe- und Industrievereine umgesetzt wurden, und erarbeiteten die strategischen Ziele für die kommenden Jahre.

In Gruppenarbeiten legten Vertreter von Wirtschaftskammer und Gewerbevereinen (im Bild: Beat Hüsler, GIV Muttenz) die künftige gemeinsame Marschrichtung fest. BILD MVO |  |
Bevor die Teilnehmenden in Workshops die klassischen Stärken, Schwächen, Chancen und Gefahren-Analyse der GIV und deren Dachverband ausarbeiteten, referierte Peter Metzinger, erfolgreicher Strategieberater und Campaigner, zum Thema «Strategie & Taktik». So müsse laut Metzinger zuerst das Hauptziel definiert werden, bevor mittels Zwischenzielen die Strategie heruntergebrochen werden kann.
Kommunikation verbessern Während der Gruppenarbeiten kristallisierte sich rasch ein Hauptanliegen der GIV-Vertreterinnen und -Vertreter heraus. Um künftig weiter schlagkräftig zu bleiben, müsste sich die Kommunikation zwischen den einzelnen Gewerbevereinen und ihrem Dachverband noch weiterentwickeln und verbessern. So wurde beispielsweise bemängelt, dass die Homepage der Wirtschaftskammer nicht mehr den heutigen Ansprüchen entspreche. Die weitere Analyse brachte hervor, dass viele der neuen Vorstandsmitglieder von Gewerbevereinen nicht darüber ausreichend im Bild seien, welche Dienstleistungen der Dachverband überhaupt für sie bereitstellt und wie sie diese abrufen können. Zwar wird die Wirtschaftskammer durchaus als starke Partnerin wahrgenommen, doch fehlt oft die Initiative, sich bei offenen Fragen direkt an die Geschäftsstelle zu wenden. Die Forderung der Workshop-Gruppe lautete deshalb, mehr und besser aufbereitete Informationenen rund um die Dienstleistungspalette des Dachverbandes zu bringen. Auf diese Weise sollte es auch gelingen, die teils aufkommenden Stimmen nach mehr Transparenz zufriedenzustellen. Damit der Informationsfluss in Zukunft besser funktioniert, sprachen sich die Teilnehmenden dafür aus, gemeinsam mit dem Dachverband einen Flyer mit einer Übersicht über das vollständige Dienstleistungsangebot der Wirtschaftskammer – von A wie Aktionsfonds bis Z wie ZPK – zu realisieren und an die Mitglieder zu verteilen. Als weitere Vorschläge zur Verbesserung der Kommunikation zwischen Verband und Basis sollen ein «Tag der offenen Wirtschaftskammer» und ein «Göttisystem» für neue Vereinspräsidenten oder Vorstandsmitglieder angeboten werden. Neugewählte Vereinsfunktionäre erhalten so die Gelegenheit, von Mitarbeitenden im Haus der Wirtschaft über das Funktionieren und die Abläufe des Dachverbands sowie über alle Dienstleistungen ins Bild gesetzt zu werden und – falls erwünscht – Unterstützung in der Ausübung ihres neuen Amtes zu erhalten.
Dachverband mit Schlagkraft Die politische und mediale Schlagkraft der Wirtschaftskammer wurde als grosse Stärke deklariert. Der kantonale Dachverband müsse seine Position als wirtschaftspolitischer Leader im Kanton auch in Zukunft behaupten, hielten die Gewerbevereinsvertreter fest. Für die Zukunft erhoffen sie einen noch stärkeren Einbezug der Gewerbevereine in die Kommunikation, damit die KMU-Wirtschaft in der Öffentlichkeit noch stärker als gemeinsame Kraft wahrgenommen wird. Durchaus selbstkritisch wurde dabei von den Präsidentinnen und Präsidenten der Lokalsektionen auch festgestellt, dass sie selbst noch mehr an Kommunikationsoffensiven teilhaben möchten, indem auch sie bzw. die Vorstandsmitglieder die Positionen der KMU-Wirtschaft in die Öffentlichkeit tragen.
Meinungen machen Der Polit-Experte und Kommunikationsberater Prof. Dr. Iwan Rickenbacher nahm in seinem Referat denn auch Bezug auf die Rolle der Gewerbe- und Industrievereine im politischen Geschehen. Er zeigte den Teilnehmenden unter anderem auf, welchen Nutzen ein politisch aktiver Gewerbeverein hat. Letzte Wahlforschungsergebnisse hätten gezeigt, dass gute Netzwerke mit ihrer Mund-zu-Mund-Propaganda wieder wichtigere Meinungsmacher sind als noch vor ein paar Jahren. Auch sei die Förderung des politischen «Nachwuchses» für einen Gewerbeverein von zentraler Bedeutung. Rickenbacher verwies dabei auf die von den Gewerbevereinen und der Wirtschaftskammer unterzeichnete Polit-Charta, die wichtige Ziele definiert und ein gutes politisches Gerüst darstelle. Ausserdem zeigte Rickenbacher auf, wie sich das mediale und politische Umfeld in den letzten Jahren verändert hat. Laut dem Polit-Experten braucht es künftig neben dem guten Zugang zu Entscheidungsträgern in der Verwaltung vermehrt auch einen guten Zugang zu den Medien, damit die Anliegen eines Gewerbevereins oder -verbands genügend Gewicht finden.
Christoph Buser stellt sich vor Die Klausurtagung der Konferenz der Gewerbe- und Industrievereine wurde schliesslich auch noch als Gelegenheit genutzt, um Christoph Buser, der sich am 12. Dezember 2011 den Delegierten zur Wahl als Nachfolger von Hans Rudolf Gysin als Direktor der Wirtschaftskammer stellt, den Vereinsrepräsentanten näher vorzustellen. Der Landrat äusserte sich dabei über die anstehenden Herausforderungen für die KMU-Wirtschaft und hielt fest, dass deren Bewältigung in einem schwieriger werdenden Umfeld erfolgen muss. So werde der Parlamentsbetrieb immer schneller und lauter und die Positionen der Parteien seien auch in KMU-relevanten Fragen schwieriger einzuschätzen als noch vor ein paar Jahren. Um so wichtiger sei es, dass die Gewerbevereine politisch interessierte KMU-Vertreter, die den Mut hätten, anzuecken, politisch unterstützen. Buser stellte ferner fest, dass die Medien unter dem wirtschaftlichen Druck in letzter Zeit zur Skandalisierung neigten. Dies werde dazu führen, dass auch die Wirtschaftskammer als grosser Dachverband mitsamt ihren Exponenten vermehrt hart angegangen werden dürfte. Am besten begegne die KMU-Wirtschaft dieser Medienlandschaft mit geschlossenen Reihen in ihren Kernanliegen.
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