Demokratische Fahrlässigkeit stoppen
06.05.08 - 10:30 / Autor: Nationalrat Hans Rudolf Gysin
Liestal - Man mag bei uns immer mal wieder lästern über unser oft schwerfälliges demokratisches System. Man mag sich auch darüber mokieren, dass in anderen Staaten alles schneller ginge. Trotzdem muss unser Land Vergleiche mit anderen Ländern nicht scheuen. Unser demokratisches System mit seinen klaren Hierarchien bewährt sich weiterhin bestens: Der Souverän ist das Volk und sind dann die Parlamente. Der Bundesrat und die Kantonsregierungen und erst recht deren Ämter – sind Auftragnehmer – nicht mehr!

Nationalrat Hans Rudolf Gysin, Direktor der Wirtschaftskammer Baselland |  |
Ich stelle in Bundesbern immer wieder mit Verwunderung und auch Besorgnis fest, dass nicht nur die Bundesexekutive und deren Kaderleute in den Ämtern sich immer mehr auch legislative Kompetenzen anmassen und es dabei geschickt verstehen, die nach Verfassung festgelegten Instanzen elegant zu umschiffen. Sie bekommen immer mehr auch Verstärkung durch die Kantonsregierungen, die jede Menge Konferenzen als «Schattenparlamente» führen und so nicht minder geschickt ihre Forderungen am Souverän – sogar am «eigenen» Ständerat – vorbei durchsetzen wollen. Dieser Entwicklung muss Einhalt geboten werden. Das kostet uns nicht nur immer mehr, sondern entmündigt in zunehmendem Mass Volk und Parlamente. Und das ist nicht Sinn und Zweck unserer Demokratie – im Gegenteil. Es liegt allerdings in erster Linie an uns selbst, solche fahrlässig tolerierten Entwicklungen zu stoppen. Noch haben wir – Volk und Räte diese «Macht».
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