Wirtschaftskammer Baselland Wirtschaftskammer Baselland
Erdrückende Mehrheit, aber wenig Rückhalt
14.10.04 - 08:00 / Autor: Edi Borer (ZVg)

St. Gallen/Liestal - Bekanntlich sind die Klein- und Mittelunternehmen (KMU) das Rückgrat einer Volkswirtschaft. Dies gilt auch für die Schweiz. Fast 90 Prozent der hiesigen KMU sind Familienunternehmen. Über die Besonderheiten dieser Firmenform wurde nun eine Studie veröffentlicht.


KMU: das Rückgrat einer Volkswirtschaft.

KMU: das Rückgrat einer Volkswirtschaft.

Besonders in Wahlkampf-Perioden verkünden Landesregierung, Verwaltung, Verbände und politischen Parteien gerne, dass sie sich für die Klein- und Mittelunternehmen (KMU) einsetzen. Dabei sind die Bedürfnisse und Interessen der KMU viel zu verschieden, als dass sich positive oder negative Auswirkungen einzelner Gesetzesvorlagen einfach so bestimmen liessen. Deshalb wirft man in Abstimmungs- und Wahlkämpfen gern mit generellen Aussagen um sich.

Für Medien zu wenig interessant?
Auch die Medien wissen mit den zahlreichen Schweizer KMU nicht besser umzugehen. Ihre Wirtschaftsteile werden in erster Linie durch die Grossunternehmen dominiert, die zum einen im aktuellen Börsenlicht stehen und zum andern über professionelle Pressesprecher verfügen, die keine Gelegenheit zu Medienpräsenz auslassen.

Fazit: die KMU sind im Hintertreffen oder aber, sie werden - insbesondere bei unschönen Auswüchsen in erster Linie bei grossen Unternehmen (u.a. überbordende Managerlöhne usw.) - nicht zuletzt von einzelnen politischen Richtungen unter dem Stichwort «unsere Wirtschaft» einfach in den gleichen unsympathischen Topf geworfen.

Enorme Bedeutung in der Schweiz
Demgegenüber werden in Europa und in den USA Daten gesammelt und Statistiken erstellt, um die Bedeutung der KMU aufzuzeigen. In der Schweiz hat das Institut für Klein- und Mittelunternehmen an der Universität St. Gallen mit seiner Studie zu Familienunternehmen endlich eine Lücke geschlossen.

Laut der Studie sind 88,14 Prozent aller Schweizer Betriebe mit weniger als 250 Mitarbeitenden (KMU) Familienunternehmen. Als solches gilt ein Unternehmen, wenn es durch eine oder mehrere Familien finanziert (Besitz), kontrolliert (Aufsichtsrat) oder geführt (Geschäftsleitung) wird. Im Vergleich zu den Ergebnissen aus anderen Ländern ist der Anteil der Familienunternehmen in der Schweiz übrigens bemerkenswert hoch (Deutschland: 68 Prozent, Spanien: 71 Prozent).

Nach Rückgang jetzt wieder im Trend
Die bis in die 1960er Jahre gegründeten Familienunternehmen sind es laut der Studie heute noch. Die während der 60er Jahre oder später gegründeten Familienunternehmen haben heute meist eine andere Firmenform. Daraus könnte man schliessen, dass die veränderte Rolle der Familie und der Unternehmen in der Gesellschaft Auswirkungen auf die Familienunternehmen hat.

Denn: Seit den späten 60er Jahren werden die traditionelle Familienform und deren Werte hinterfragt. Ausserdem hat sich die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft hin zur Rolle in der Risiko-Gesellschaft gewandelt. Ein weiterer Grund könnten die veränderten -  nämlich familienunabhängigen - Finanzierungsmöglichkeiten sein. Und zu guter Letzt gewinnt ab 1960 der Einbezugg von ausserfamiliärem Wissen und extern akquirierten Fähigkeiten an Bedeutung. Interessanterweise zeigen jedoch die im Jahr 2000 und später gegründete Firmen wieder einen Trend hin zur Familienunternehmung.

Erstaunlich: Weniger Nachfolge-Probleme als angenommen
In der Schweiz gibt es keine gesetzlich vorgeschriebene Aufteilung zwischen dem Führungsorgan (Geschäftsleitung) und dem Aufsichtsorgan (Verwaltungsrat) einer Firma. Dies hat zur Folge, dass nur 40 Prozent der Familienunternehmen über einen Verwaltungsrat verfügen. Generell gilt: Je grösser die Firma ist, umso eher wird sie durch einen Verwaltungsrat kontrolliert. Bei Familienunternehmen mit Verwaltungsrat gehört durchschnittlich nur eine Person nicht der Familie an. Familienunternehmen werden also kaum von aussen überwacht. Erwiesenermassen rentabler sind Firmen, welche die fehlende externe Kontrolle durch interne Überwachung (Monitoring) ausgleichen.

Die Nachfolgeregelung im Sinne eines Besitzerwechsels kommt in Familien- und Nichtfamilienunternehmen etwa gleich häufig vor, nämlich durchschnittlich alle elf Jahre. Überraschenderweise kommt die Studie zum Schluss, dass die Nachfolgeregelung bei Familienunternehmen nicht annähernd so viel Probleme bereitet wie bisher angenommen.

Die vollständige Studie kann kostenlos bei der Uni St. Gallen bezogen werden. Der Forschungsbericht vom KMU-HSG wurde von der Liberalen Aktion mitfinanziert.



weiterführende Links:

www.kmu.unisg.ch





zurück

Weitere Themen:
17.01.07 - 16:00
Grossaufmarsch unterstreicht Bedeutung von Sicherheitsfragen

08.12.06 - 14:00
Medienmitteilung zum KMU-Unternehmerpreis Nordwestschweiz

14.06.06 - 17:00
Harsche Kritik an VCS-Verbandsbeschwerden

15.08.05 - 08:00
Leser-Reise Bali «backstage»

01.05.05 - 08:00
CO2-Abgabe schmiert in erster Linie den Staatsapparat

01.02.05 - 08:00
Paragraphen-Ballast statt Aufschwung

10.12.04 - 08:00
Das ist die letzte Ausgabe des «Standpunkt der Wirtschaft»

14.10.04 - 08:00
Sind wir noch das Volk?

14.10.04 - 08:00
Demokratische Spielregeln im «Säuretest»

14.10.04 - 08:00
Verunsicherung und Fehlentscheide auch in Gemeinden

14.10.04 - 08:00
Erdrückende Mehrheit, aber wenig Rückhalt

14.10.04 - 08:00
Peinliche Lachnummern

22.09.04 - 08:00
Baselland: Änderung der Gebühren im kleinen Baubewilligungsverfahren

07.07.04 - 08:00
Keine neuen Paragraphen

28.01.04 - 08:00
17´000 gute Baselbieter Kunden gezielt und direkt ansprechen

<
Login «mykmu.org»
   Benutzer:
   Passwort:
Berufsschau - 21. - 25. Oktober 2009 in Pratteln
zurück nach oben Seite drucken  Seite empfehlen  
AGB FAQ mykmu.org Sitemap Home