Peinliche Lachnummern
14.10.04 - 08:00 / Autor: Paul Bossert, Oetwil
Oetwil/Liestal - Das CO2-Gesetz, das auch für die Wirtschaft erhebliche Folgen haben wird, sorgt in der Schweiz bei Umweltverbänden, in der Politik und in der Bevölkerung weiterhin für heisse Köpfe. Dabei gehen die Meinungen über Sinn und Nutzen dieses Gesetzes selbst unter Fachleuten weit auseinander. Die nachfolgende sehr prononcierte Meinung eines Energiefachmanns und energischen Kritikers der politischen Energieverbrauchs-Steuerung in Bund und Kantonen zeigt zur CO2-Diskussion, einige interessante Aspekte auf, die allerdings nicht unbedingt dem gängigen «Polit-Mainstream» entsprechen:
Es scheint im Bundesrat und Parlament beschlossene Sache zu sein, dass demnächst in der Schweiz eine CO2-Abgabe oder ein Klimarappen eingeführt wird. Das Ziel: Die CO2-Emissionen bis 2010 unter die Verbrauchswerte vor 1990 zu senken.
Streit um des Kaisers Bart Zur Rechtfertigung gibt es im Wesentlichen zwei Argumente: Klimakollaps verhindern und/oder Ressourcen schonen. Obwohl mittlerweile jeder weiss, dass die eigentlich löblichen Ziele weder mit dem CO2-Gesetz noch mit dem Klimarappen erreicht werden können, streiten Umweltverbände und Politik um des Kaisers Bart. Zudem steht uns ein weltweiter, abstruser und sinnloser Emissionshandel in Sachen CO2 bevor. Ob das Ganze überhaupt Sinn macht, hat man aber bis heute weder von Politikern noch vom WWF, aber auch nicht von der Wissenschaft und den Medien erfahren. Tatsache ist aber, dass CO2 in keinem Zusammenhang mit der gegenwärtigen Erderwärmung steht.
Mit Eiswürfeln Kaffee kochen? Es gibt Klima-Simulierer, welche behaupten, dass die infrarote Wärmeabstrahlung der Erde von so genannten Treibhausgasen wie Methan, Ozon, CO2 und Wasserdampf (Wolken) aufgenommen wird. Dann wird behauptet, dass diese Treibhausgase ihre Wärme mit einem Wert von 324 Watt pro Quadratmeter auf die Erde zurückstrahlen und diese Energie unseren Planeten aufheizen würde. Interessanterweise ist aber diese Strahlungsenergie, welche etwa der ersten Kochstufe einer elektrischen Herdplatte entspricht, in der Realität gar nicht messbar. Der zweite Hauptsatz der Thermodynamik beschreibt die Tatsache, dass es nicht möglich ist, mit etwas, das kälter ist, etwas anderes aufzuheizen, das wärmer ist. Gemäss der Formulierung von Rudolf Clausius gilt dieser Satz auch dann, wenn sich Körper gegenseitig anstrahlen. Einfach ausgedrückt bedeutet dieser Satz, dass man auch mit dem Energie-Inhalt von 10'000 Eiswürfeln keinen Kaffee kochen kann. Wer diese Tatsache leugnet, räumt ein, dass es ein Perpetuum Mobile zweiter Ordnung gibt. Allerdings wäre es sehr schwierig, diese Behauptung in der allgemeinen Physik durchzusetzen.
Nichts würde wärmer Da die Wolken in der Regel kälter sind als die Erdoberfläche (ausser bei Inversionslagen), können sie die Erde niemals aufheizen. Wenn es aber aus noch unerfindlichen Gründen doch möglich wäre, dass sich Treibhausmoleküle von Methan, Ozon und Kohlendioxid infolge Infrarotabstrahlung der Erde erwärmen, würden sie ihre durch Strahlung erhaltene Temperaturerhöhung sofort an die umgebende Luft abgeben - und nichts auf der Erde würde wärmer. Alle, die schon in der Wüste übernachtet haben, wissen es: In der Nacht wird es am Boden «saukalt», weil die tagsüber durch die Sonne eingestrahlte Wärmeenergie sehr schnell via klarer Nachthimmel ins Weltall abgestrahlt wird.
Fazit: Es wäre eine sehr peinliche Lachnummer, wenn das CO2-Gesetz unter den oben aufgezeigten Aspekten weiter behandelt würde.
Die Hälfte der Energie für Heizung und Warmwasser Neben den Klima-Simulierern gibt es auch noch die Energiesparer, welche die Schonung der fossilen Energieträger auf ihre Fahne geschrieben haben. Doch in diesem Bereich sieht es in der Wirklichkeit noch weit schlimmer aus.
Zugegeben: Wenn der Bundesrat will, kann er beispielsweise beschliessen, dass ab 2008 generell nur noch 6-Liter-Autos fahren dürfen. Mit einem Zusatz-Artikel könnte in der Bundesverfassung auch noch festgeschrieben werden, dass diejenigen etwas mehr für den Treibstoff bezahlen müssen, welche Autos mit höherem Kraftstoffverbrauch betreiben. Frage: Warum macht das der Bundesrat nicht? Hat er etwa Angst davor, dass zusätzliches Geld in die Bundeskasse fliesst?
Da jedoch rund 50 Prozent der Energie in der Schweiz für Heizung und Warmwasser verbraucht werden, haben in diesem Bereich die Lachnummern innerhalb kurzer Zeit ein gewaltiges Ausmass angenommen.
Wärmedämmerei am falschen Ort Die erste Lachnummer entfällt auf die Tatsache, dass der Bund ständig vorgibt, Energiepolitik zu betreiben. Dabei weiss in der Schweiz keiner über die Verwendungszwecke der verbrauchten Energien Bescheid. Seit Jahren reklamiere ich beim Bundesamt für Energie und beim Vorsteher des UVEK diesen Mangel.
Die nächste Lachnummer entfällt auf die dümmliche Wärmedämmerei am falschen Ort bei beheizten Gebäuden. Mit dem Minergie-Standard, welcher für Bundesbauten und ihre Sanierungen vorgeschrieben ist, werden in Tat und Wahrheit nur Gelder der öffentlichen Hand vergeudet.
Die grösste Lachnummer aber leistete sich der Bund, der mit der Initiierung von falschen Energiegesetzen die gesteckten Ziele des CO2-Gesetzes hinterher selbst sabotiert! Falls sich je Energieeinsparungen einstellen, würden sie durch die negativen Effekte der falschen Energiegesetze im Vornherein zunichte gemacht. Die Energieabgabe nach CO2-Gesetz wäre ein aufwändiges Nullsummenspiel, das niemandem dient und keine Energie einspart. Und dass behördliche Gängeleien zu keinen Emissions-Minderungen führen werden, dürfte allen Eltern noch von ihren Erziehungsbemühungen bei den eigenen Kindern bekannt sein.
Paul Bossert, Oetwil, Architekt und dipl. Bauingenieur FH
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