Noch überwiegt die Skepsis
17.06.04 - 08:00 / Autor: Christoph Buser
Die breit angelegte Umfrage der Wirtschaftskammer Baselland im April diesen Jahres bei den regionalen KMU bringt zwei wichtige Erkenntnisse: Einerseits steht die grosse Mehrheit der Unternehmen der EU-Osterweiterung skeptisch bis ablehnend gegenüber. Andererseits ist der Grad der Internationalisierung der nordwestschweizer KMU noch (zu) klein.

lic.rer.pol. Christoph Buser, Projektleiter der Wirtschaftskammer Baselland. |  |
Um den Puls der regionalen KMU-Wirtschaft in der Frage der EU-Osterweiterung zu fühlen, lancierte die Wirtschaftskammer Baselland Anfang April eine entsprechende Meinungsumfrage. Gegen 1000 KMU haben den Fragebogen retourniert - ein beachtlicher Rücklauf.
Das Resultat ist eindeutig: Erst wenige der Antwortenden beabsichtigen, künftig in den neuen Beitrittsländern unternehmerisch tätig zu werden oder Personal aus diesen Ländern zu rekrutieren.
Wenig Interesse am Arbeitsmarkt Zwar erachten 56 Prozent der Antwortenden die Ausdehnung der bestehenden Verträge zwischen der Schweiz und der EU auch auf die neuen Mitgliedstaaten grundsätzlich als Chance. Jedoch: Bei den weiteren Fragen zur konkreten Nutzung der neuen Möglichkeiten dank ausgedehnter Personenfreizügigkeit, grösseren Arbeits- und erweiterten Absatzmärkten ist eine deutliche Zurückhaltung bis Ablehnung feststellbar.
So beabsichtigen 85 Prozent der regionalen Unternehmen nicht oder eher nicht, in den neuen Mitgliedsländern Arbeitskräfte zu rekrutieren. Demgegenüber stehen knapp 6 Prozent, die sich mit der neuen Möglichkeit auseinandersetzen wollen. Aber nur 1 Prozent hat sich fest vorgenommen, von der Vergrösserung des Arbeitsmarktes zu profitieren.
Etwas mehr Lust am Absatzmarkt Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Einschätzung der Absatzmärkte. 70 Prozent der hiesigen KMU erachten den vereinfachten Zugang zu 75 Mio. zusätzlichen Konsumenten für ihr Unternehmen als uninteressant bzw. nicht realisierbar. Immerhin: 23 Prozent der Antwortenden schätzen die neuen Möglichkeiten als eher oder sehr interessant ein.
Auch in Bezug auf eine Prüfung, ob die Rahmenbedingungen in den neuen Beitrittsländern für die eigene unternehmerische Tätigkeit vorteilhaft sind, besteht mit 71 Prozent eine deutliche Ablehnung. 8 Prozent werden sicher eine Verlagerung von Produktionsschritten oder günstigere Beschaffungsmöglichkeiten ausloten. Gut 10 Prozent spielen mit dem Gedanken, die Bedingungen in den Beitrittsländern zu prüfen.
Internationalisierung wichtig Die Umfrageergebnisse geben auch in Bezug auf den Internationalisierungsgrad der regionalen KMU-Wirtschaft ein unterdurchschnittliches Ergebnis. Vor dem Hintergrund der (nicht ganz neuen) Erkenntnis, dass international tätige Unternehmen - auch im Inland - wettbewerbsfähiger sind, sollte hier unbedingt der Hebel angesetzt werden.
Mehrere Studien haben festgestellt, dass die international tätigen Unternehmen mehr Arbeitsplätze kreieren, mehr Gewinn erwirtschaften und produktiver arbeiten als nur national ausgerichtete Unternehmen.
Erste praktische Erfahrungen nötig Alles in allem: Noch überwiegt punkto konkreter Chancen mit der EU-Osterweiterung die Skepsis - sowohl bei kleineren als auch grösseren Unternehmen. Trotz dieses eher etwas enttäuschenden Ergebnisses der Umfrage gilt: Gut Ding will Weile haben. Die Wirtschaftskammer Baselland ist denn auch überzeugt, dass nach einer kurzen Angewöhnungszeit und nach ersten praktischen Erfahrungen in den neuen ausländischen Märkten - gerade in Osteuropa - bald mehr regionale KMU, als die Umfrage erwarten lässt, die neuen Chancen der EU-Osterweiterung nutzen werden.
Kontakt:
lic.rer.pol. Christoph Buser Projektleiter Wirtschaftskammer Baselland Tel. +41 61 927 65 22
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