20 Mio. Euro zur Fachkräfte-Förderung
17.12.08 - 12:14 /
Nicht nur in der Schweiz ist der zunehmende Mangel an Fachkräften ein brennendes Thema. Auch in Süddeutschland werden – mit erheblichen finanziellen Mitteln – grosse Anstrengungen zur Förderung des Berufsnachwuchses unternommen. Dieses Ziel wurde Anfang Dezember in Freiburg i. Br. an einer vom baden-württembergischen Wirtschaftsministerium organisierten Regionalkonferenz unterstrichen. Dabei kamen auch grenzüberschreitende Aspekte zur Diskussion, die auch von Wirtschaftskammer-Direktor Hans Rudolf Gysin beleuchtet wurden.

Grenzüberschreitende Podiumsdiskussion in Freiburg (v. l.): Andreas Kempff, Hauptgeschäftsführer IHK Südlicher Oberrhein; Gérard Fellmann, Président de la Chambre de Commerce et d’Industrie, Colmar; Bärbel Höltzen-Schoh, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Freiburg und Offenburg; Moderator Heinz Siebold, Badische Zeitung; Nationalrat Hans Rudolf Gysin; Ernst Pfister, Wirtschaftsminister des Landes Baden-Württemberg; Martin Lamm, Präsident Handwerkskammer Freiburg. |  |
«Beschäftigte und Betriebe zu noch mehr Aus- und Weiterbildung zu motivieren, ist Ziel der dreijährigen Qualifizierungskampagne des baden-württembergischen Wirtschaftsministeriums», erklärte Wirtschaftsminister Ernst Pfister anlässlich der Regionalkonferenz «Zukunft durch Qualifizierung», die Anfang Dezember in der Gewerbeakademie Freiburg durchgeführt wurde. Für diese Offensive stehen 20 Millionen Euro aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds zur Verfügung. Im Rahmen der Regionalkonferenz, die das Wirtschaftsministerium, die Industrie- und Handelskammer (IHK) Südlicher Oberrhein und die Handwerkskammer (HWK) Freiburg gemeinsam veranstaltet haben, wurden gute Qualifizierungsbeispiele aus der Praxis regionaler Betriebe vorgestellt.
In Konjunkturflauten unerlässlich «Angesichts von Fachkräftemangel und demografischer Entwicklung dürfen die Unternehmen auch in Zeiten schwächerer Konjunktur nicht nachlassen, die Ausbildung junger Leute und die Weiterbildung älterer Beschäftigter zu stärken», so Ernst Pfister. Martin Lamm, Präsident der HWK Freiburg, betonte aus Sicht der KMU-Wirtschaft: «Das Handwerk beklagt schon heute zum Teil einen eklatanten Mangel an Fach- und Führungskräften. Daher sind die Anstrengungen in Aus- und Weiterbildung der Betriebe enorm. Die Kammer unterstützt bereits die Mitglieder mit Hilfen beim Ausbildungsmanagement und in den Bereichen der Qualifizierung. Für die Zukunft brauchen aber gerade die Handwerksbetriebe noch mehr Unterstützung.»
In Köpfe investieren Karlhubert Dischinger, Präsident der IHK Südlicher Oberrhein, ergänzte: «Gerade für Deutschland als Hochkostenstandort gilt: Wir müssen durch permanente Innovation und Qualifikation um so viel besser sein, wie der Standort teurer ist. Deshalb müssen wir mehr als bisher in die Köpfe der Menschen investieren – in eine gute Erstausbildung genauso wie in den daran anschliessenden Prozess des lebenslangen Lernens.» Die Erwerbsbeteiligung von Frauen zu erhöhen, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern, qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen und vor allem Auszubildende und Beschäftigte betrieblich zu qualifizieren: Darin sieht Wirtschaftsminister Ernst Pfister Strategien gegen den Rückgang von Fachkräften.
Drei Bausteine Die Qualifizierungsoffensive von Baden-Württemberg umfasst folgende Bausteine:
 |  | Die Förderung von Nachwuchskampagnen in Berufen mit offenen Lehrstellen. Ziel ist ein besserer Ausgleich von Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt.
|  |  |  | Ein Programm zur Förderung des «Externen Ausbildungsmanagements». Externe Dienstleister sollen Betrieben die Organisation und die Bürokratie von Ausbildung abnehmen. Damit sollen vor allem bisher nicht ausbildende Kleinbetriebe für das Ausbilden gewonnen werden. Ergänzt wird dies durch die Förderung der Verbundausbildung: Betriebe, welche die Ausbildung mit anderen Betrieben teilen, können eine Prämie in Höhe von 2000 Euro erhalten.
|  |  |  | Die Verbilligung von Weiterbildungskursen durch Zuschüsse. Dabei wird ein Schwerpunkt auf die Älteren gesetzt, deren Weiterbildung mit einem höheren Zuschuss gefördert wird. |  |
Wettbewerb um gute Köpfe und geschickte Hände nimmt zu Im Jahre 2030 werden in Baden-Württemberg rund 840’000 Erwerbsfähige fehlen. Die Zahl der Erwerbspersonen mit Lehrausbildung wird bis 2030 um knapp 300’000 sinken, diejenige der Meister und Techniker um über 80’000. «Der Wettbewerb um gute Köpfe und geschickte Hände wird also noch zunehmen. Wir brauchen das Tempo der Jungen, wir brauchen aber auch die Erfahrung der Älteren», so Ernst Pfister. Ernst Pfister, Martin Lamm und Karlhubert Dischinger wiesen auf die entscheidende Eigenverantwortung der Betriebe für die Sicherung ihres Nachwuchses hin. Auch das Potenzial der Älteren solle durch stärkere Weiterbildung mehr genutzt werden als bisher. Die Angebote von Arbeitsagenturen, Kammern und Arbeitsgemeinschaften für berufliche Fortbildung sollten noch stärker in Anspruch genommen werden. Gemeinsam betonten sie, dass angesichts der Globalisierung die baden-württembergische Wirtschaft nur wettbewerbsfähig bleiben könne, wenn sie ausreichend Qualifizierung biete.
Herausforderung im Dreiländereck Dass der drohende Fachkräftemangel nicht nur ein innerdeutsches Problem ist, sondern den ganzen Wirtschaftsraum Oberrhein – über die Landesgrenzen des Dreiländerecks hinweg – belastet, zeigte die anschliessende Podiumsdiskussion, an der sich auch Gérard Fellmann, Président de la Chambre de Commerce et d’Industrie, Colmar, und Nationalrat Hans Rudolf Gysin, Direktor der Wirtschaftskammer Baselland, Liestal, engagiert beteiligten.
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