Jedes KMU kann Lehrlinge ausbilden
28.11.07 - 13:00 / Autor: Paola D’Agostino
Liestal - Sicher: Eine seriöse und fundierte Berufsausbildung ist anspruchsvoll. Viele KMU sind aufgrund ihrer Spezialisierung oder ihrer Betriebsgrösse nicht mehr in der Lage, diesen Anspruch alleine zu erfüllen. Aus diesem Grund wurde vor über 7 Jahren die Möglichkeit geschaffen, junge Menschen innerhalb eines Lehrbetriebsverbundes auszubilden. Damit kann im Grunde genommen jedes KMU seine Mitverantwortung wahrnehmen und Lehrlinge ausbilden. Worum geht es bei einem Lehrbetriebsverbund? Was bietet er dem KMU?

Bildungsweekend für KMU-Verbundlernende: dreimal pro Semester in Liestal. |  |
Urs Berger, im «Haus der Wirtschaft» verantwortlicher Leiter des 120 Lernende umfassenden «KMU-Lehrbetriebsverbundes Baselland und Umgebung», bringt es auf den Punkt: «In einem Lehrbetriebsverbund teilen sich zwei bis drei KMU-Lehrbetriebe die Verantwortung für die fundierte und reglementskonforme Ausbildung eines Lernenden untereinder auf. Die Administration dieses Lehrverhältnisses und die individuelle Betreuung der Lernenden wird dabei zentral vom Lehrbetriebsverbund sichergestellt. Das ausbildende KMU kann sich damit ausschliesslich auf die eigentliche Vermittlung des praktischen Lernstoffes im Betrieb konzentrieren – ohne aufwändige und oft lästige Administration.»
Lehrbetrieb deutlich entlastet In der Praxis heisst das: Der Verbund-Lernende absolviert seine Lehre etwa im Jahresrhythmus in zwei bis drei unterschiedlichen Verbundlehrbetrieben und besucht wie jeder andere Lernende die entsprechende Berufsschule. Damit wird sichergestellt, dass das ganze Lernprogramm eines Berufes vermittelt wird, auch wenn der Verbundlehrbetrieb in einem bestimmten Gebiet spezialisiert ist oder als Kleinbetrieb bisher die gesetzlichen Anforderungen an einen Lehrbetrieb nicht erfüllen konnte.
Für viele Verbundlehrbetriebe attraktiv ist jedoch auch der Vorteil, dass sie dank der zentralen Betreuung von vielen Administrativ-Aufgaben entlastet werden: Der Lehrbetriebsverbund übernimmt für sie zunächst einmal die Auswahl der Lernenden. Diese bewerben sich beim Lehrbetriebsverbund für eine Lehrstelle und werden – zumindest im «KMU-Lehrbetriebsverbund Baselland» – in einem mehrstufigen Auswahlverfahren – teilweise auch im Beisein der Eltern – ausgesucht.
Im Anschluss an diesen Schritt sorgt der Verbund für eine korrekte Administration des Lehrverhältnisses: angefangen beim Unterzeichnen des Lehrvertrages bis hin zur monatlichen Auszahlung (inkl. Versicherung, AHV usw.) des Lehrlingslohnes. Damit ist gegenüber der Aufsichtsbehörde allein der Verbund der verantwortliche Ansprech- und Vertragspartner.
Sehr persönliche Betreuung des Lernenden «Für mich ganz wichtig ist aber auch, dass unser KMU-Lehrbetriebsverbund über die rein gesetzlichen Vorgaben hinaus für die jungen Lernenden auch noch für eine sehr persönliche ‹soziale› Betreuung sorgt», umreisst Urs Berger einen der grossen zusätzlichen Vorteile seiner Verbundorganisation. Er lege grossen Wert auf intensive persönliche Kontakte zum Lernenden, aber auch zu dessen Eltern und selbstverständlich auch zum jeweiligen Lehrbetrieb und dessen Ausbildungsverantwortlichen sowie schliesslich zur Berufsschule und zur Berufslehrerschaft. Dies nicht etwa nur dann, wenn zum Beispiel konkrete Probleme zwischen Lernenden, Lehrbetrieb und/oder Berufsschule auftauchen.
Zum fixen Leistungsumfang der Betreuung gehören auch regelmässige Standort- und Qualifikationsgespräche mit dem Lernenden und dessen Eltern. Und sollte sich einmal ergeben, dass eine Lehrzeit in einem Betrieb nicht regulär beendet werden kann, so hat der Verbund die Möglichkeit, den Lernenden rasch in einem anderen Betrieb zu platzieren, ohne den Lehrvertrag auflösen zu müssen.
Klare Lern- und Verhaltensziele Neben der reinen Vermittlung des Lernprogramms legt Berger aber auch sehr Wert auf soziale Kompetenzen seiner Verbundlernenden. Das heisst zunächst, dass ganz klare Lern- und Verhaltensziele vorgegeben und deren Erreichen auch «eingefordert» werden – angefangen beim Auftreten der Jugendlichen, ihrer Bekleidung und ihrem Verhalten am Arbeitsplatz gegenüber dem Mitarbeiterteam in der Lehrfirma bis hin zu Bewerbungsgesprächen für eine Stelle nach der Lehre.
Ebenso gefördert wird dabei das Teamverhalten mit anderen Lernenden. Aus diesem Grund veranstaltet der KMU-Lehrbetriebsverbund Baselland für alle seine Lernenden dreimal pro Semester jeweils an einem Samstag gemeinsame obligatorische Bildungsmeetings, wovon ein Samstag eine Ganztages-Exkursion umfasst, an welcher interessante Betriebe oder Einrichtungen besucht werden, die einen Bezug zur Verbundausbildung bieten.
Zu dieser obligatorischen zusätzlichen Verbundausbildung gehört im letzten Lehrjahr auch ein Weekend zur Prüfungsvorbereitung. Schliesslich bietet der KMU-Lehrbetriebsverbund Baselland seinen Lernenden auch Stützkurse an – gemeinhin als Nachhilfeunterricht in Schulfächern. Leistungen also, die ein Lehrbetrieb – erst recht ein kleinerer – kaum bieten kann.
Ausbildung für jedes KMU möglich Für Urs Berger ist klar: Dank der Möglichkeit einer Berufsausbildung innerhalb einer Verbundorganisation ist es heute praktisch jedem KMU möglich – unabhängig von seiner Spezialisierung oder Grösse –, junge Lernende mitauszubilden und damit die Mitverantwortung an einem qualitativ hochstehenden Berufsnachwuchs wahrzunehmen. Gleichzeitig wird damit auch das duale Berufsbildungssystem – ein unbestreitbarer grosser Vorteil der Schweiz – weiter gestärkt.
Deshalb soll auch der «KMU-Lehrbetriebsverbund Baselland und Umgebung» weiter qualitativ wachsen, so das erklärte Ziel von Verbundleiter Berger. «Wir suchen deshalb weitere gute KMU, welche die Vorteile einer Verbundausbildung nutzen und damit gleichzeitig einen wichtigen Beitrag an die Sicherstellung eines qualitativ hochstehenden Berufsnachwuchses leisten wollen.»
Infoanlass für interessierte KMU Aus diesem Grund wird Mitte Januar im «Haus der Wirtschaft» ein Informationsanlass für interessierte KMU-Inhaberinnen und -Inhaber durchgeführt, der ausführlich über die grossen Vorzüge und vielfältigen Möglichkeiten der Verbundausbildung orientiert und damit auch neue Verbundlehrbetriebe akquirieren will.
Paola D’Agostino
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