Wirtschaftskammer Baselland - Griffiges Regierungsprogramm
Wirtschaftskammer Baselland Wirtschaftskammer Baselland
Griffiges Regierungsprogramm
20.02.07 - 10:00 / Autor: Marcel W. Buess

Liestal - Für leistungsschwache Schulabgänger wird es immer schwieriger, einen beruflichen Ausbildungsplatz zu finden. Die Situation wird durch Jugendliche mit «Null Bock-Mentalität» zusätzlich verschärft. Mit dieser Ausgangslage hat die Baselbieter Regierung im Juni 2006 eine Arbeitsgruppe eingesetzt, welche die Ergebnisse ihrer Arbeit vor kurzem präsentierte.


Konzertierte Aktionen angekündigt (v. l.): Thomas Keller (KIGA), Rudolf Schaffner (KSA), Finanzdirektor Adrian Ballmer, Regierungspräsident Urs Wüthrich-Pelloli, Christian Studer (AVS) und Niklaus Gruntz (AfBB).

Konzertierte Aktionen angekündigt (v. l.): Thomas Keller (KIGA), Rudolf Schaffner (KSA), Finanzdirektor Adrian Ballmer, Regierungspräsident Urs Wüthrich-Pelloli, Christian Studer (AVS) und Niklaus Gruntz (AfBB).

Kantonale Erhebungen zeigen, dass insgesamt 70 bis 100 Jugendliche pro Jahrgang vor und nach dem Abschluss der obligatorischen Schulzeit scheitern bzw. stark gefährdet sind, zu dauerhaften Bezügern der verschiedenen sozialen Auffangsysteme zu werden. Dies sind rund 2,5 bis 3,5 Prozent der Schulabgänger eines Jahrgangs.

Mit dieser Ausgangslage hat der Baselbieter Regierungsrat im Juni 2006 eine Arbeitsgruppe eingesetzt, um wirksame Strategien zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit zu entwickeln. Die Arbeitsgruppe umfasst drei Direktionen (VSD, BKSD und FKD) sowie vier Dienststellen (Kantonales Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit KIGA, Amt für Volksschulen AVS, Amt für Berufsbildung und Berufsberatung AfBB und Kantonales Sozialamt KSA.

Grundsätzlich stellte die  Arbeitsgruppe an einer kürzlich durchgeführten Medienorientierung fest, dass der Staat nach der obligatorischen Schulzeit für die weiterführende Bildung der Jugendlichen mitverantwortlich ist. Die mit der Strategie neu verfolgte Philosophie schliesst ein, dass der Staat auch bei jenen Jugendlichen, die selbst kein Interesse an einem Abschluss haben, alles unternimmt, damit diese dennoch den Anschluss respektive den Einstieg in das Erwerbsleben nicht verpassen.

Regierungsrat Adrian Ballmer, dessen Finanzdirektion auch das Kantonale Sozialamt untersteht, betonte, dass dabei nicht nur die Interessen der Jugendlichen, sondern auch diejenigen der öffentlichen Hand, der Gesellschaft und nicht zuletzt der Wirtschaft berücksichtigt werden müssen. Insofern bestehe für den Staat weder eine obligatorische Ausbildungspflicht bis zum 18. Altersjahr, noch könne der Staat Lehrstellen für alle garantieren.

Fünf Handlungsfelder
Die Arbeitsgruppe, die von Rudolf Schaffner, Vorsteher des Kantonalen Sozialamtes, geleitet wird, kommt zum Schluss, dass folgende Massnahmen nötig sind: 
- Früherkennung und gezielte Förderung von Schülern mit zu erwartenden Problemen beim Übergang von der Sekundarstufe I in die Sekundarstufe II. 
- Namentliche Erfassung all jener, die aus dem System hinausfallen bzw. hinauszufallen drohen. Heute besteht das Problem, dass bei vielen Jugendlichen nicht bekannt ist, ob sie eine Anschlusslösung gefunden haben oder nicht.
- Etablierung eines «Case Managements» für sich abzeichnende Problemfälle. 
- Mittels geeigneter Anreizmechanismen soll die Risikogruppe der Schülerinnen und Schüler mit «Null Bock-Mentalität» zum Umdenken bzw. zu einer Verhaltensänderung bewegt werden. 
- Schliesslich sollen Stellenübergreifende Strukturen sicherstellen, dass inskünftig keine gefährdeten Jugendlichen mehr aus dem System fallen.

Mehr Lehrstellen im Baselbiet
Niklaus Gruntz
, Vorsteher des Amtes für Berufsbildung und Berufsberatung, wies darauf hin, dass gegenüber dem Vorjahr 180 Lehrverträge mehr abgeschlossen worden sind. Hinzu kämen 120 Attestlehrverträge für schulisch schwächere Jugendliche. «Diese erfreulichen Ergebnisse haben wir in enger Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und deren Verbänden erreicht, denn Lehrstellen müssen von der Wirtschaft angeboten werden. Es ist deshalb wichtig, dass Wirtschaft und Kanton bezüglich Berufsbildung eng zusammenarbeiten.» Diese Zusammenarbeit klappt im Baselbiet hervorragend, betonte Gruntz hinsichtlich der bereits unternommenen Anstrengungen gegen die Jugendarbeitslosigkeit.

Und für Regierungspräsident Urs Wüthrich-Pelloli, Vorsteher der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion, wird diese Erfolgsgeschichte nun um ein wichtiges Kapitel erweitert. Unter dem Motto «Frühzeitig abholen und nicht aus den Augen verlieren» würden nun konkrete Schritte in Richtung einer stärkeren Verknüpfung von Volksschule und Anschlussprogramm unternommen. 

Zusätzlicher Personalbedarf
Die Umsetzung der geplanten Massnahmen wird einer groben Schätzung zufolge zusätzliche personelle Ressourcen innerhalb der BKSD in der Grössenordnung von 2 bis 5 Vollstellen erfordern. Der genaue Umfang des zusätzlichen Personalbedarfs kann laut Wüthrich erst nach Vorliegen der Detailkonzepte zu den einzelnen Umsetzungsmassnahmen festgelegt werden.







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