Wirtschaftskammer Baselland - Übergang in Berufslehre optimieren
Wirtschaftskammer Baselland Wirtschaftskammer Baselland
Übergang in Berufslehre optimieren
14.06.06 - 08:00 / Autor: Urs Berger

Liestal - Die Ausgangslage ist klar: Viele Schulabgänger sind den Anforderungen, welche die meisten heutigen Berufslehren stellen, immer weniger gewachsen. Die KMU-Wirtschaft und ihre Verbände wollen mit konkreten Projekten für rasche Abhilfe und damit einen reibungsloseren Übergang von der Schule in die Berufslehre sorgen.


Die schulischen Anforderungen an Jugendliche vor der Berufslehre steigen stetig an.

Die schulischen Anforderungen an Jugendliche vor der Berufslehre steigen stetig an.

Die Berufsbildungskommission (BBK) des Schweizerischen Gewerbeverbandes (SGV) hat sich intensiv mit der Problematik der ungenügenden Schulabgänger befasst. Sie setzte dazu die Arbeitsgruppe Grundschule ein. Dieses von Alphons Meier (Präsident des Verbands Schweizerischer Installationsfirmen VSEI) geleitete Gremium hat ein Thesenpapier erstellt, das von der Schweizerischen Gewerbekammer genehmigt wurde.

Damit das Papier nicht einfach in einer Schublade verschwindet, erhielt die BBK von der Kammer den Auftrag, die Umsetzung der Thesen bis zum Gewerbekongress 2008 mit geeigneten Mitteln anzugehen.

Grosses Spannungsfeld
Die Ausgangslage ist klar: In vielen gewerblichen Berufen besteht heute noch ein Mangel an Lehrlingen, auf der anderen Seite wird in einigen Trendberufen eine Lehrstellen-Knappheit beklagt. Aus Sicht der Lehrbetriebe sind immer mehr Schulabgänger nicht mehr bereit – oder in der Lage – eine berufliche Grundbildung erfolgreich abzuschliessen.

Der Übergang von der Volksschule in die berufliche Grundbildung findet im Spannungsfeld «Arbeitsmarkt – Bildungssystem – Gesellschaft – individuelle Voraussetzungen der Jugendlichen» statt. Damit die Jugendlichen den Übertritt von der Volksschule in die Berufswelt möglichst reibungslos vollziehen können, muss der Nahtstelle Sek I – Sek II besondere Beachtung geschenkt werden.

Das sieben Punkte umfassende Thesenpapier der BBK des SGV soll die Ansprüche und Forderungen, die zum erfolgreichen Übertritt von Jugendlichen aus der Volksschule in die Berufslehre führen, aus Sicht der Wirtschaft zusammenfassend darstellen.

Thesen und Forderungen

Um gesamtschweizerisch (wieder) ein hohes Bildungsniveau zu erreichen, kommt den Lehrplänen eine zentrale Bedeutung zu, wegweisend dazu ist das EDK-Projekt «HarmoS». Es muss sichergestellt werden, dass die Qualitätsstandards innerhalb der Sek I landesweit harmonisiert, kontinuierlich überprüfbar und vergleichbar sind (Förderung u.a. auch der beruflichen Mobilität).
Die gestellten Anforderungen an die Ausbildung der Lehrkräfte müssen mittels eindeutiger und praktikabler Leistungsbeurteilungen mindestens alle zwei Jahre überprüft werden. Dies bedingt die Einführung eines aussagekräftigen Personal-Controllings. Dabei ist im Rahmen der schulischen Bildung die Forderung nach einem deutlich stärkeren Bezug zur Wirtschaft und zu den Anforderungen, die die moderne und globalisierte Berufswelt heute stellt, zwingend.

Synergieaustausch Schule – Wirtschaft
Zu überprüfen ist in diesem Zusammenhang auch die Einführung des «Zeitlehrers». Bei diesem System erfolgt die Anstellung für eine befristete Amtszeit, und es findet zwingend ein beruflicher Wechsel zwischen der Funktion der Lehrkraft und einer Tätigkeit innerhalb der Gesellschaft (z.B. Privatwirtschaft, Gesundheitsbereich, Verwaltung) statt.

Damit kann einerseits dem Burnout-Syndrom der Lehrperson vorgebeugt und andererseits der Synergieaustausch zwischen Berufswelt und Schule gefördert werden. Generell gilt: Die Schulorganisation ist vermehrt auf die moderne Berufswelt auszurichten. Im Vordergrund stehen dabei: teilautonome Schulen, Schulleiter als Manager usw.

Fördern durch fordern

Die Eltern sind dazu aufgerufen, ihre Erziehungskompetenz selbstständig wahrzunehmen und nicht an die Schule zu delegieren. Die Jugendlichen sind nach dem Grundsatz «Fördern durch Fordern» zu begleiten. Dies bedingt, dass die Eltern das Schulsystem und insbesondere den Berufswahlprozess kennen.

Besonderes Gewicht kommt der Sprachkompetenz der Jugendlichen zu. Das mündliche und schriftliche Beherrschen einer Landessprache ist Voraussetzung für einen erfolgreichen Übertritt in die Berufswelt bzw. das Absolvieren einer Grundbildung. Diese Forderung richtet sich in gleichem Masse auch an die Eltern (insbesondere Ausländer-Integration).

Den Jugendlichen sind in der Schule die von der Berufswelt geforderten Kompetenzen zu vermitteln:
– Persönliche Kompetenzen
– Sozialkompetenz
– Methodenkompetenz
– Schulwissen

Ebenso sind die Jugendlichen zu Kompromissbereitschaft im Rahmen der Berufswahl aufgerufen. Die Evaluation von Alternativen von Grundberufen während des Berufsinformations-Prozesses ist zwingend und muss sowohl von der Schule als auch den Eltern gezielt gefördert werden.

Berufsberatung von entscheidender Bedeutung

Der Berufsberatung kommt in der Gestaltung der Nahtstelle Sek I – Sek II eine entscheidende Bedeutung zu. Organisatorisch ist in allen Kantonen durchzusetzen, dass die Berufsberatungen –  wie im Kanton Baselland – in die kantonalen Bildungsdirektionen integriert werden und nicht, wie noch oft der Fall, organisatorisch den Sozialdepartementen angeschlossen sind. Die Berufsberatungen brauchen in einzelnen Kantonen zudem einen stärkeren Bezug zur Wirtschaft im Allgemeinen und zur Berufswelt im Speziellen. 
Übergangsangebote sollen in diesem Zusammenhang auf ein Minimum reduziert und bloss für die Fälle geschaffen werden, wo der reibungslose Übergang in die Berufswelt nicht möglich ist. Insbesondere darf Übergangsangeboten nicht derselbe Stellenwert wie der Grundbildung zukommen.


Auch Lehrbetriebe sind gefordert

Die Anforderungen an die Berufsbildner und Berufsbildnerinnen ergeben sich ebenfalls aus der Übersicht. In diesem Zusammenhang ist darauf zu verweisen, dass diese Themenfelder seitens der Wirtschaft erkannt und intensiv bearbeitet werden.

Die Wirtschaftskammer Baselland unterstützt grundsätzlich diese Forderungen der BBK des SGV und betont, dass sie bereits seit Jahren intensiv in diese Richtung arbeitet – unter anderem mit der Berufsschau, der Berufsschnuppertour und mit dem Lehrbetriebsverbund.







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