Wirtschaftskammer Baselland - «Lernende spüren die Wertschätzung»
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«Lernende spüren die Wertschätzung»
10.05.07 - 08:00 / Autor: Edi Borer (zVg.)

Liestal - Nach einer intensiven Evaluationsphase starten Mitte August dieses Jahres 43 neue Verbundlernende ihre Berufsausbildung im «KMU-Lehrbetriebsverbund Baselland und Umgebung». Verbundleiter Urs Berger – Betreuer von insgesamt über 120 Verbund-Lernenden im «Haus der Wirtschaft» – zeigt sich ausserordentlich zufrieden über die Qualität der neuen Lehrlinge, ja aller seiner «Schützlinge», wie er im nachfolgenden Interview bekräftigt. Er hat allerdings noch Anliegen an die Ausbildner.


Verbundleiter Urs Berger.

Verbundleiter Urs Berger.

Redaktion: Urs Berger, der Lehrbetriebsverbund der Wirtschaftskammer gehört zu den Verbünden der ersten Stunde und ist einer der grössten in der Schweiz: Welches sind derzeit seine Eckdaten?
Urs Berger: Mit Beginn des neuen Lehrjahres im August absolvieren  120 Lernende in 90 regionalen KMU aus 17 Branchen ihre Berufsausbildung. Neu dazu stossen 43 Lernende, die in den letzten Wochen evaluiert worden sind.

Gibt es in Ihrem Verbund berufliche Schwerpunkte?
Ja, in der KV-Ausbildung. Wir konnten dort sogar eine schöne Zahl von KV-B-Absolventen rekrutieren.  Es entspricht etwa der früheren Bürolehre, stellt allerdings höhere Anforderungen und dauert jetzt drei Jahre. Mit diesem Schwergewicht wird am KV Baselland auch eine neue Klasse für das B-Profil gebildet. Wir sind ausserdem daran, den ersten einjährigen Sprachaustausch mit einer unserer Verbundlernenden in einer Tessiner Firma umzusetzen. Umgekehrt kommt ab Sommer 2008 ein Tessiner in unsere Region.
Neben den KV-Berufen absolvieren aber auch gut 40 Prozent unserer Lernenden eine Ausbildung in anderen Berufen, beispielsweise als Gipser, Sanitär-Installateur, als Logistikassistenten und Betriebspraktikerinnen, aber auch in der Informatik. Und auch in diesem Jahr konnten wir wieder einige Jugendliche in eine Verbundlehre aufnehmen, die bisher grosse Mühe hatten, eine Lehrstelle zu finden.

Ich stelle jedes Jahr von Neuem fest, dass sowohl die Lernenden als auch die Ausbildungsfirmen ihre Ausbildungsziele mit viel «Herzblut» erfüllen.

Den Jugendlichen wird heute oft nachgesagt, sie zeigten zu wenig Interesse und Engagement an der Ausbildung. Machen Sie ähnliche Erfahrungen mit Ihren Lernenden im Verbund?
Nein, ganz und gar nicht – im Gegenteil. Ich stelle jedes Jahr von Neuem fest, wie interessiert die allermeisten unserer jungen Lernenden ihre Berufsausbildung angehen, wie ernsthaft sie arbeiten, um eine gute Ausbildung zu absolvieren, und mit welchem Engagement sie die heute hohen Anforderungen erfüllen wollen. Dafür möchte ich ihnen allen an dieser Stelle ein grosses Kompliment aussprechen.

Und wenn ich schon an Komplimenten bin: Ein grosses gebe ich auch vorbehaltlos an die KMU-Verbundlehrbetriebe weiter, die ihre Ausbildungsaufgabe ebenfalls mit einem tollen Engagement und viel Herzblut wahrnehmen. Dieses «Herzblut» spüren – und schätzen – unsere Jungen natürlich sehr.

Was ist das «Geheimnis» dieser sehr erfreulichen Situation?
Dass es eigentlich kein Geheimnis ist, sondern den ganz normalen Regeln des zwischenmenschlichen Umgangs entspricht. Das heisst: Wenn ein Mensch – oder in der Ausbildung eben ein Jugendlicher – grundsätzlich mit Respekt und Wertschätzung behandelt wird, wenn er oder sie das genannte «Herzblut» vom Lehrmeister spürt, dann wird er oder sie wieder sehr viel von diesen Werten zurückgeben. Das ist nicht anders als in einer Familie, wo die Liebe und Umsicht gegenüber den Kindern auch in reichem Masse wieder an die Eltern zurückkommt.

Wenn man einen Lernenden mit Respekt und Wertschätzung behandelt, wird er sehr viel von diesen Werten wieder zurückgeben.

Die Jungen also mit Anstand und Respekt behandeln. Genügt das?
Nein, das ist aber eine entscheidende Grundlage. Dazu kommt, dass es Jugendliche durchaus schätzen, wenn klare und auch anspruchsvolle Leistungsanforderungen an sie gestellt und die entsprechenden Ziele gesteckt werden. Junge Lernende wollen geführt werden und dabei ihr Wissen und Können in einem gewissen Wettbewerb unter Beweis stellen. «Kuschel-Pädagogik», wie sie früher noch hie und da propagiert wurde, ist beim grössten Teil der Lernenden eigentlich nicht gefragt – schon gar nicht, wenn die genannten zwischenmenschlichen Grundwerte stimmen.

Das tönt fast überschwänglich. Haben Sie denn mit Ihren Verbundlernenden nie Probleme?
Doch sicher, das wäre nicht normal. Auch wir haben den einen oder anderen Problemfall. Im Verlaufe einer Berufsausbildung gibt es immer wieder ganz natürliche Krisen. Es kommt auch vor, dass zwischen einem Ausbildner und einem Lernenden halt einfach die «Chemie» nicht stimmt. Weil wir aber sowohl zum Lehrbetrieb als auch zu den Eltern regelmässig einen intensiven und persönlichen Kontakt pflegen, können auftretende Probleme in der Regel auch rasch gelöst werden. Wenn dann aber alle Stricke reissen, müssen auch wir in Einzelfällen einen Lehrvertrag auflösen.

Und bei den Lehrfirmen?
Ich muss dem einen oder anderen Betrieb hie und da wieder bewusst machen, dass ihre Lernenden nicht fertig ausgebildete Arbeitskräfte, sondern Jugendliche im Lernprozess sind. Das heisst, dass sie Fehler machen dürfen, ja – im Sinne des Lernens – auch Fehler machen müssen. «Durch Fehler wird man klug», sagt ja schon der Volksmund.

Mit anderen Worten: Bei allen auch strengen Anforderungen, die wir gerade in Sachen Sozialkompetenz und Schulnoten an unsere Lernenden stellen, müssen wir alle – die Verbundorganisation, die Lehrbetriebe, die Berufsschule und auch die Eltern – darauf achten, dass wir unsere Jugendlichen nicht überfordern. Vergessen wir nicht, dass sie es in unserer reizüberfluteten Zeit nicht einfacher haben als wir selbst vor 30 oder 40 Jahren – im Gegenteil.

Ich wünsche mir, dass sich noch wesentlich mehr KMU in der Region dazu entschliessen, selber Lehrlinge auszubilden.

In der Abschlussphase Ihrer Evaluation der neuen Lernenden: Was ist Ihr grösster Wunsch?
Ganz klar: Dass alle Jugendlichen, die eine Lehrstelle suchen, auch eine finden. Das heisst allerdings, dass sich noch wesentlich mehr Betriebe in der Region – gerade auch Kleinunternehmen – dazu entschliessen, selber Lehrlinge auszubilden.

In diesem Zusammenhang mutet es mich manchmal doch etwas seltsam an, mit wie vielen fast schon fadenscheinigen Gründen einzelne KMU bzw. deren Mitarbeitende – bei denen ich für eine Lehrstelle «anklopfe» –  erklären, weshalb sie jetzt gerade «unmöglich» Lernende ausbilden können. Ich frage mich dabei im Stillen auch, wie denn diese «Ausredner» ihre Lehre absolviert haben. Aber ich will nicht verallgemeinern – es sind glücklicherweise Ausnahmen.

Was antworten Sie auf solche Argumente?
Dass ja gerade das Lehrbetriebsverbund-Modell für KMU ideal ist, denn sie werden damit von der Administration und von den allgemeinen Betreuungsaufgaben entlastet und können sich so ganz gezielt auf die Vermittlung der beruflichen Fähigkeiten konzentrieren. Ausserdem werden die Lehrfirmen bei Bedarf von der Verbundorganisation – gerade wenn sie zum ersten Mal ausbilden – intensiv begleitet. Eigentlich gibt es keine vernünftigen Gründe mehr, keine Jugendlichen auszubilden.

Herzlichen Dank, Urs Berger.







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