Die Freiheit des einen – und des andern ...
27.05.09 - 12:27 / Autor: Hans Rudolf Gysin
Ich habe zwiespältige Gedanken, wenn ich die beachtenswerte Arbeit von Christian Gentsch und seinen Kollegen auf diesen Seiten lese:

Hans Rudolf Gysin Nationalrat, Direktor Wirtschaftskammer |  |
Auf der einen Seite bewundere ich die zweifellos vielfach als Kunst zu bezeichnenden Graffiti, die auch in unserer Region graue, öde Flächen bunt und lebensfreudig gestalten. Auf der anderen Seite ärgere ich mich massiv über die widerlichen Tags, welche unzählige Hausfassaden und ganze Quartiere verunstalten. Mit Kunst hat das rein gar nichts zu tun – im Gegenteil. Tagger kaschieren mit ihren dümmlichen Markierungen nur ihr Unvermögen, etwas echt gestalten zu können. Und sie fügen jenen, die auf diese Tags liebend gerne verzichten, grossen materiellen Schaden zu. So wehre ich mich auch gegen den Anspruch, unsere Gesellschaft habe halt diese Kultur – ich meine in erster Linie die «Taggerei» – zu tolerieren. Denn: Die Freiheit des einen endet dort, wo sie die Freiheit des andern beeinträchtigt. In diesem Sinne unterstütze ich das Fazit in der Lehrabschluss-Arbeit der drei KV-Autoren: Dort wo es möglich ist, ja dort, wo es sogar erwünscht sein kann, sollten den Könnern unter den Sprayern Flächen angeboten werden, um eine auch wertvolle Kunstform pflegen zu können. Öde Betonwände gibt es genügend. Wenn aber «Schmierfinken» dies nicht akzeptieren wollen, sollen sie – falls sie erwischt werden – auch hart zur Rechenschaft gezogen werden.
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