Gewerbe im Wandel
27.08.07 - 15:50 / Autor: Tamara Bobst, Statistik Baselland
Liestal - 2005 zählte der Wirtschaftsraum Nordwestschweiz 304’347 Beschäftigte in 26’027 Arbeitsstätten. Während im Dienstleistungssektor neue Arbeitsplätze geschaffen wurden, musste der Gewerbe- und Industriesektor einen Rückgang der Beschäftigten von 7,2 Prozent hinnehmen. Damit setzt sich der Trend in Richtung Dienstleistungsgesellschaft fort. Der nachfolgende Auszug aus einer umfassenden Publikation des Statistischen Amtes Kanton Basel-Landschaft zeigt die wichtigsten Zahlen und Trends der Beschäftigungssituation in der Region und im Kanton Baselland auf.

Der Strukturwandel von Gewerbe und Industrie hin zum Dienstleistungsbereich ist gerade in Pratteln offensichtlich. Bild: Kreisel-Plastik beim Prattler Planzer-Areal (Gerhard Müller/Bruno Wili 2006). |  |
Am 30. September 2005, dem Stichtag der Eidgenössischen Betriebszählung, arbeiteten im Wirtschaftsraum Nordwestschweiz 304’347 Beschäftigte in 26’027 Arbeitsstätten. Das sind rund 1700 Beschäftigte und 980 Arbeitsstätten weniger als 2001. 88’073 Personen waren in einem Betrieb des Sekundärsektors (Gewerbe/Industrie) tätig, 216’274 in einem Betrieb des Tertiärsektors (Dienstleistungen). Sowohl die Zahl der Beschäftigten wie auch die Zahl der Arbeitsstätten ist gegenüber der letzten Eidgenössischen Betriebszählung von 2001 zurückgegangen.
Die Jahre 2001 bis 2003 waren in der Schweiz ganz allgemein Jahre des konjunkturellen Abschwungs. Dies zeigt sich nun auch in den Ergebnissen der Eidgenössischen Betriebszählung 2005, die alle Beschäftigten der Sektoren 2 und 3 erfasst. Insbesondere in den beiden Jahren 2002 und 2003 war das reale Wirtschaftswachstum in der Schweiz gemessen an der BIP-Veränderungsrate mit 0,3% bzw. –0,2% sehr gering oder sogar negativ.
In den Jahren 2004 und 2005 lief die Konjunktur wieder relativ gut, und es waren beim BIP Wachstumsraten von rund 2% zu verzeichnen. Die Beschäftigtenzahlen im Ganzen konnten allerdings diesem positiven Verlauf des Wirtschaftswachstums nicht unmittelbar folgen.
Heterogene Dynamik Die Dynamik in den einzelnen Wirtschaftszweigen verläuft dabei sehr heterogen. So kann das Wachstum in einer Branche beispielsweise durch Produktivitätsfortschritte gekennzeichnet sein, die nicht zwingend einen Ausbau der Beschäftigung nach sich ziehen. Die neusten Zahlen stimmen allerdings zuversichtlich: Auch die Beschäftigung zieht im Zuge der aktuell guten Konjunkturentwicklung wieder an.
Zwischen 2001 und 2005 hat die Zahl der Beschäftigten in der Nordwestschweiz um 0,5% abgenommen. Der Beschäftigtenrückgang konzentrierte sich auf den Gewerbe- und Industriesektor, während die Dienstleistungen weiter zulegten. Neben dem klaren und fortbestehenden Trend in Richtung Dienstleistungsgesellschaft zeigt sich auch eine Entwicklung hin zu mehr Teilzeitbeschäftigung. Der Anteil der Teilzeitarbeitsplätze ist von 29% im Jahr 2001 auf 31% im Jahr 2005 angestiegen. Besonders verbreitet ist Teilzeitarbeit nach wie vor bei den Frauen.
Nordwestschweiz stellt 8% der Beschäftigten Der Wirtschaftsraum Nordwestschweiz zählte 2005 ohne Land- und Forstwirtschaft 304’347 Beschäftigte. 153’536 davon arbeiteten im Stadtkanton, 115’432 im Baselbiet. Die zum Wirtschaftsraum Nordwestschweiz gehörenden Teilgebiete der Kantone Aargau und Solothurn zählten zusammen 35’379 Beschäftigte. Damit vereint der Wirtschaftsraum nördlich der Jurakette 8,2% der gesamtschweizerisch beschäftigten Personen, allerdings mit abnehmender Tendenz, wie die Ergebnisse der letzten Betriebszählungen zeigen. Zehn Jahre zuvor waren noch 8,6% der in der Schweiz beschäftigten Personen im Wirtschaftsraum Nordwestschweiz tätig.
Weniger Beschäftigte – weniger Stellenprozente Die Betriebszählung 2005 kann mit ihren Ergebnissen nicht an die positive Bilanz der letzten Zählung von 2001 anknüpfen. Gegenüber 2001 hat die Zahl der Beschäftigten in der Nordwestschweiz um 0,5% abgenommen. Um die Beschäftigtenzahlen trotz steigender Bedeutung der Teilzeitarbeit direkt vergleichen zu können, werden diese vermehrt auch in Vollzeitstellen umgerechnet und in sogenannten Vollzeitäquivalenten dargestellt. Bei den Vollzeitäquivalenten war der Rückgang mit einem Minus von 1,9% noch deutlicher. Damit waren 2005 nicht nur weniger Personen beschäftigt als 2001, die beschäftigten Personen wiesen auch ein im Durchschnitt kleineres Arbeitspensum auf. Gesamtschweizerisch wurde eine moderate Zunahme der Beschäftigtenzahl von rund 0,7% registriert, die Anzahl Vollzeitäquivalente bzw. die Summe der Stellenprozente ist allerdings auch hier zurückgegangen.
Stagnation in der Nordwestschweiz Während die Zahl der Beschäftigten im Wirtschaftsraum Nordwestschweiz auch über zehn Jahre betrachtet rückläufig war, verzeichneten die gesamte Schweiz und andere Regionen – wie beispielsweise der Kanton Zürich oder die Genferseeregion mit den Kantonen Genf und Waadt – im Zeitraum 1995– 2005 deutliche Beschäftigtenzunahmen.
AG und BL im Plus – BS und SO im Minus Innerhalb der Nordwestschweiz war die Beschäftigtenbilanz im Kanton Basel-Landschaft mit einem Plus von 4,8% sowie im Teilgebiet des Kantons Aargau mit einer Zunahme von 5,7% positiv. Der Stadtkanton und das Teilgebiet des Kantons Solothurn haben gegenüber 1995 hingegen Beschäftigte verloren. Der Rückgang in diesen Gebieten betrug 3,9% bzw. 7,2%. Für die gesamte Nordwestschweiz resultiert ein Minus von 0,1% bei den Beschäftigten. Auch die Vollzeitäquivalente sind mit minus 2,7% gegenüber der Betriebszählung von 1995 zurückgegangen.
Verluste bei Gewerbe/Industrie Während die Zahl der Beschäftigten im Sekundärsektor gegenüber 2001 um deutliche 7,2% zurückgegangen ist, waren im Dienstleistungssektor 2005 2,5% Personen mehr beschäftigt als noch 4 Jahre zuvor. Der Vergleich sämtlicher Betriebszählungsdaten seit 1995 zeigt die Verschiebung zugunsten des Dienstleistungssektors und den anhaltenden Trend in Richtung Dienstleistungsgesellschaft deutlich auf.
Innerhalb von 10 Jahren hat der Gewerbe- und Industriesektor 18,4% der Beschäftigten verloren. Der Dienstleistungssektor zählte 2005 hingegen 10,0% Beschäftigte mehr als 1995. 2005 standen den 88’073 Beschäftigten im Gewerbesektor 216’274 Beschäftigte in der Dienstleistungsbranche gegenüber. Damit kommen auf einen Beschäftigten im Sektor 2 mehr als zwei Beschäftigte im Sektor 3.
Unterschiedliche Verschiebung Diese Verschiebung in Richtung Dienstleistungssektor zeigt sich in allen Regionen, sie war im Kanton Basel-Stadt jedoch weniger ausgeprägt als in den restlichen Gebieten der Nordwestschweiz. Dem Beschäftigtenrückgang von 6,1% im Gewerbesektor stand im Vergleich zu 2001 eine Beschäftigtenzunahme von 1,0% im Dienstleistungssektor gegenüber. Insbesondere die Zunahme im Dienstleistungssektor ist in Basel-Stadt im regionalen Vergleich unterdurchschnittlich.
Der Grund liegt darin, dass einerseits die chemische Industrie dem 2. Sektor zugerechnet wird und dass andererseits die Tertiarisierung im Stadtkanton bereits weiter fortgeschritten ist als in den übrigen Gebieten der Nordwestschweiz.
In Basel-Stadt waren 2005 – unter Mitberücksichtigung der Landwirtschaft – bereits rund 77% der Beschäftigten im Dienstleistungssektor tätig, während ihr Anteil in der gesamten Wirtschaftsregion Nordwestschweiz bei rund 69% lag. Im Baselbiet arbeiteten rund 65% der Beschäftigten in der Dienstleistungsbranche. Im Vergleich zu 2001 stieg die Beschäftigtenzahl im Kanton Basel-Landschaft im Dienstleistungssektor um rund 4,4%, während der Sekundärsektor einen Beschäftigtenrückgang von minus 7,9% registrierte.
Überdurchschnittliche Abnahme im Landesvergleich Mit dem Beschäftigtenrückgang von 7,2% sind die Verluste des Gewerbe- und Industriesektors in der Nordwestschweiz im Vergleich zur gesamten Schweiz überdurchschnittlich ausgefallen. Gesamtschweizerisch lag die Abnahme bei 3,8%.
Einzig in den Kantonen Zürich und Appenzell Ausserrhoden waren die Verluste des Sekundärsektors grösser. Mit Ausnahme von Basel-Stadt war die Tertiarisierung 2001 in der Wirtschaftsregion Nordwestschweiz weniger stark fortgeschritten als auf nationaler Ebene. Die Ergebnisse der Betriebszählung 2005 zeigen nun, dass der Anteil des 3. Sektors sowohl gesamtschweizerisch wie auch in der Nordwestschweiz mit rund 69% der Beschäftigten auf Gleichstand ist.
Der Gewerbe- und Industriesektor vereint in der Nordwestschweiz rund 28% der Beschäftigten auf sich, während es gesamtschweizerisch 26% sind. Der Landwirtschaftssektor hat mit knapp 3% in der Region Nordwestschweiz hingegen ein kleineres Gewicht als auf nationaler Ebene, wo sein Anteil bei gut 5% liegt. Auch ohne Stadtkanton ist der Anteil des Primärsektors in der Nordwestschweiz gemessen an den Beschäftigten kleiner als auf Schweizer Ebene.
Warenherstellung insgesamt im Minus Sämtliche Wirtschaftszweige des Sekundärsektors zählten 2005 weniger Beschäftigte als 2001. Besonders deutlich war die Abnahme bei der Herstellung von Waren. Dieser Wirtschaftszweig verlor gegenüber 2001 4416 Beschäftigte. Trotzdem hat die Beschäftigtenzahl in einzelnen Teilbereichen der Warenherstellung zugenommen. Es sind dies der Bereich Chemische Erzeugnisse mit einem Plus von 552 Beschäftigten, der Bereich medizinische, optische Geräte inkl. Uhren mit einem Plus von 492 Beschäftigten und der Bereich Bekleidung mit 42 Beschäftigten mehr als 2001.
Starkes Plus bei Dienstleistungen Der Sektor 3 verzeichnete eine Beschäftigtenzunahme von 5193 Personen. Am stärksten gewachsen sind das Gesundheits-/ Sozialwesen, das Unterrichtswesen und der Bereich öffentliche Verwaltung/Sozialversicherungen. Der Bereich Immobilien/ Vermietung/Dienstleistungen hat seinen Zuwachs in erster Linie dem Teilbereich Forschung und Entwicklung zu verdanken. Hier konnte der Beschäftigtenbestand 2005 um 1783 Beschäftigte oder um rund 70% gesteigert werden.
Bereits bei der Betriebszählung 2001 verzeichnete dieser Bereich mit einer Verdoppelung der Beschäftigten eine der grössten Zunahmen. Der Teilbereich Datenverarbeitung/Datenbanken verlor hingegen 1722 der Stellen. Allerdings sind die Verluste im Bereich Datenverarbeitung im Zusammenhang mit dem ausserordentlich hohen Personalbestand von 2001 zu sehen (Millenniumsumstellung).
Vorwiegend «Mikro-Unternehmen» Mit einem Anteil von 85% sind die grosse Mehrheit der 26’027 Arbeitsstätten in der Nordwestschweiz sogenannte Mikrounternehmen mit bis zu 9 Vollzeitäquivalenten. Sie vereinigen 23% der gesamten Stellenprozente oder Vollzeitäquivalente auf sich. 11’042 – d.h. fast die Hälfte der Arbeitsstätten – arbeiten mit weniger als zwei Vollzeitstellen. Mit zunehmender Grösse nimmt die Zahl der Arbeitsstätten deutlich ab. 5,0% oder 130 Arbeitsstätten in der Nordwestschweiz sind von der Grössenordnung 200 Vollzeitäquivalente und mehr. Sie alleine vereinen 28% der Stellenprozente bzw. Vollzeitäquivalente.
Redaktion: Tamara Bobst, Statistik Baselland (Stand: März 2007)
Der vollständige achtseitige Bericht «Beschäftigung im Wirtschaftsraum Nordwestschweiz» kann bei folgender Adresse bezogen werden: Statistisches Amt, Kanton Basel-Landschaft, Rufsteinweg 4, 4410 Liestal, Tel. 061 925 56 322, E-Mail
weiterführende Links:www.statistik.bl.ch
zurück
|