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870 Millionen Franken für die Bildung in Baselland
11.05.09 - 12:30 / Autor: Statistisches Amt des Kantons Basel-Landschaft

Ganz klar: Die Bildung gehört mit zu den wichtigsten Aufgaben von Staat und Gesellschaft. Das zeigt sich auch am Anteil der Bildungsausgaben, die heute im Kanton Baselland 40 Prozent der Steuererträge ausmachen. Das Statistische Amt des Kantons Basel-Landschaft hat die Struktur und Entwicklung der Bildungsausgaben zwischen 2000 und 2007 untersucht:


Bildung  ist die gewinnbringendste Investition in die Zukunft einer Gesellschaft und ihres Staatswesens.

Bildung ist die gewinnbringendste Investition in die Zukunft einer Gesellschaft und ihres Staatswesens.

Die Gesamtausgaben von Kanton und Gemeinden betrugen 2007 rund 3,3 Mrd. Franken. Für das Bildungswesen wurden 870 Mio. Fr. aufgewendet. Finanziell gesehen gehört die Bildung damit zu den wichtigsten Aufgaben der öffentlichen Hand. Die grössten Kostenträger sind der obligatorische Schulbereich und die Hochschulen.
Zwischen 2000 und 2007 sind die Bildungsausgaben durchschnittlich um über 3% pro Jahr gestiegen. Diese Zunahme um 180 Mio. Fr. innerhalb von sieben Jahren ist zur Hälfte dem Ausbau der Fachhochschulen (plus 38 Mio. Fr.) und dem stärkeren Engagement im Bereich der universitären Hochschulen (plus 49 Mio. Fr.) zuzuschreiben.

Hoher Anteil für Hochschulen
Die Hochschulen sind nach dem obligatorischen Bildungsangebot denn auch die Hauptkostenträger im Bildungswesen. Auf Primar- und Sekundarstufe sind die Ausgaben zwar ebenfalls um einige Prozentpunkte angestiegen, blieben jedoch unter der Gesamtzunahme von 25% der Jahre 2000 bis 2007.
So auch bei den Berufsfachschulen, deren Ausgaben um unterdurchschnittliche 8% zugenommen haben. Die Ausgaben für Gymnasien blieben hingegen trotz Schülerzuwachs stabil.
Die Bildungsausgaben setzen sich unter anderem aus Personalkosten, Liegenschaftskosten, Schulmaterial etc. zusammen, wobei die Entschädigungen der Lehrpersonen mit 60% bis 80% je nach Schulstufe den Hauptanteil der Ausgaben ausmachen. Finanzströme zwischen den Gemeinden, sowie zwischen dem Kanton und den Gemeinden sind von den Betrachtungen ausgeschlossen um Doppelzählungen zu vermeiden. Beiträge von und an andere Kantone werden hingegen berücksichtigt.

Über 40 Prozent der Steuererträge für Bildung
Die Bildungsausgaben werden – im Gegensatz zu anderen Bereichen – praktisch vollständig über Steuereinnahmen finanziert. Anders als beispielsweise im ebenso gewichtigen Gesundheitsbereich, wo die Krankenkassenprämienzahler für einen grossen Teil der Kosten aufkommen, decken die Erträge hier nur einen kleinen Teil der Ausgaben. Entsprechend hoch ist der Anteil der Steuergelder, welche für die Bildung erforderlich sind. Die sogenannte Steuerdeckungsquote lag in der Vergleichsperiode 2000 bis 2007 zwischen 40% und 45%. In den 1950er Jahren betrug sie im Durchschnitt noch rund einen Drittel, stieg danach kontinuierlich an und erreichte Mitte der 1970er Jahre mit über 50% ihr Maximum.

870 Mio. für die Bildung
Die Bildungsausgaben nehmen kontinuierlich zu. 1980 wendeten Kanton und Gemeinden rund 330 Mio. Fr. für Bildungszwecke auf; heute sind es mit 870 Mio. Fr. mehr als doppelt so viel. Allein im Vergleich zu 2000 sind die Bildungsausgaben um gut einen Viertel gestiegen. Die jährlichen Zunahmen der letzten Jahre liegen aber deutlich unter den hohen Wachstumsraten, welche noch die 1970er Jahre prägten. Stellt man das Ausgabenwachstum mit der wirtschaftlichen Entwicklung in Zusammenhang, so relativiert sich die Zunahme zusätzlich.

Ausgabenwachstum über wirtschaftlichem Wachstum
Das Ausgabenwachstum im Bildungsbereich verlief nicht immer im Gleichschritt mit der wirtschaftlichen Entwicklung oder dem kantonalen Volkseinkommen. So stiegen die Bildungsausgaben in den 1980er Jahren um jährlich rund 3%, während das Volkseinkommen um 6% im Jahresmittel zulegte. Zwischen 1990 und 1999 betrug das jährliche mittlere Wachstum der Bildungsausgaben 5%, die Zunahme des Volkseinkommens lag bei 3%. In der Periode von 2000 bis 2007 hat sich die konjunkturelle Entwicklung des Kantons weiter verlangsamt, so dass das Wirtschaftswachstum noch bei durchschnittlich 2% lag. Ebenso ist die Zunahme der Bildungsausgaben auf das Niveau der 1980er Jahre von jährlich plus 3% zurückgefallen.

Jährliche Investitionen von 28 Mio. Franken
Kanton und Gemeinden investieren seit 2000 jährlich rund 28 Mio. Fr. in die Infrastruktur des Bildungswesens. Die Hauptlast der Investitionen tragen die Gemeinden mit knapp 90%, wobei sie vom Kanton für die Sekundarschulbauten entschädigt werden.
Die Investitionstätigkeit des Kantons beschränkt sich hauptsächlich auf Gymnasien; so kam beispielsweise der überdurchschnittliche Wert von 2007 durch den Umbau des Gymnasiums Oberwil zu Stande.
Zu Beginn der 1970er Jahre wurden mit bis zu 73 Mio. Fr. die höchsten Summen investiert. In den darauf folgenden Jahren verharrten die Investitionen auf einem Niveau von weniger als 15 Mio. Fr. pro Jahr, um zu Beginn der 1990er Jahre wieder deutlich anzusteigen.

Ein Viertel für Hochschulen
54% der Bildungsausgaben fallen der obligatorischen Schulbildung (inkl. Kindergärten) zu, die rund zwei Drittel der Lernenden stellt. In den 1950er und zu Beginn der 1960er Jahre beschränkten sich die Ausgaben praktisch ausschliesslich auf die Volksschule.
Mit dem Ausbau der Bildungsangebote im nachobligatorischen Schulbereich, den wachsenden Schülerzahlen und der höheren Beteiligung der Frauen an weiterführenden Bildungsangeboten hat sich nicht nur das Ausgabenvolumen, sondern auch die Ausgabenstruktur verändert.
Neben dem obligatorischen Schulbereich, der in erster Linie aufgrund der hohen Lernendenzahl ins Gewicht fällt, ist insbesondere der tertiäre Bildungsbereich mit den Fachhochschulen und den universitären Hochschulen mit rund einem Zehntel der Lernenden einer der Hauptkostenträger. 2007 floss ein Viertel der gesamten Bildungsausgaben von Kanton und Gemeinden in den Hochschulbereich.
Insbesondere der tertiäre Bildungsbereich mit den Fachhochschulen und den universitären Hochschulen mit rund einem Zehntel der Lernenden ist einer der Hauptkostenträger.
Der Anteil der Bildungsausgaben für nachobligatorische Angebote ist in der Periode 2000 bis 2007 weiter angestiegen: von 41% auf gut 43%. Die Hauptgründe für die Zunahme sind der (kurzfristige) starke Schüleranstieg an den Fachmittelschulen (FMS) in Folge der Reform von der Diplommittelschule zur Fachmittelschule per Schuljahr 2004/2005, der Ausbau der Fachhochschulen und die gemeinsame Trägerschaft der Universität Basel.

Schulstufe und Klassengrösse massgebend
Im Baselbiet werden für einen Kindergartenschüler 11’000 Fr. pro Jahr aufgewendet. Mit zunehmender Schulstufe steigen die Kosten: Ein Lernender auf Stufe Gymnasium/Fachmittelschule kostet den Kanton und die Gemeinden rund 22’000 Fr. im Jahr.
Je höher die Bildungsstufe, desto höher sind die Anforderungen an die Infrastruktur; zusätzlich steigen mit der Bildungsstufe auch die Löhne der Lehrkräfte. Ein Kleinklassenschüler kostet sowohl auf Primarstufe, als auch auf Sekundarstufe mehr als das Doppelte eines Normalklassenschülers. Halb so grosse Klassen und höhere Personalkosten erklären die höheren Ausgaben in diesem Bereich, der rund 5% der Schülerinnen und Schüler auf obligatorischer Schulstufe umfasst.

Gymnasiasten günstiger
Die durchschnittlichen Kosten pro Schüler und Schuljahr haben im obligatorischen Schulbereich im Vergleich zu 2000 je nach Stufe zwischen ca. 15% und 30% zugenommen. Einzig bei den Gymnasiasten gingen die Kosten pro Schüler zurück. Die höhere Klassenbelegung von heute durchschnittlich 20 Schülerinnen und Schüler pro Abteilung ermöglicht es, Skaleneffekte zu nutzen. Die Schülerzahl hat hier in erster Linie dank mehr Eintritten von jungen Frauen um 11% gegenüber 2000 zugenommen. Ähnlich bei der FMS, wo die Kosten pro Schüler und Schuljahr um vergleichsweise geringe 3% gestiegen sind.

Schülerrückgang bleibt vorerst
Überdurchschnittlich hoch fällt die Kostenzunahme bei den Kindergärten und den Kleinklassen aus. Auf Kindergartenstufe war denn auch der grösste Schülerrückgang zu verzeichnen. Bei den Kleinklassen dürfte die Zunahme der Abteilungen von 176 im Jahr 2000 auf 186 im Jahr 2007 und die kleinere Klassenbelegung zu den Mehrausgaben pro Schüler geführt haben.
Der gegenwärtige Schülerrückgang in den Kindergärten könnte aufgrund der stabilen Geburtenzahlen schon bald zu Ende sein; ein baldiger Wiederanstieg, wie dies die gesamtschweizerischen Szenarien erwarten, dürfte jedoch vorerst ausbleiben. Auf Sekundarstufe wird sich der Rückgang in den nächsten Jahren infolge der aktuellen Minuswerte auf der Primarstufe verstärken.

Statistisches Amt des Kantons Basel-Landschaft
Der vollständige Text der Studie «Bildungskosten 2000–2007» mit vielen Grafiken und ergänzenden Angaben ist erhältlich beim Statistischen Amt des Kantons Basel-Landschaft, Rufsteinweg 4,
4410 Liestal









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