Wirtschaftskammer Baselland - Regionale Baubranche in Hochform
Wirtschaftskammer Baselland Wirtschaftskammer Baselland
Regionale Baubranche in Hochform
10.05.07 - 08:00 / Autor: Edi Borer (zVg.)

Basel - Die Bauunternehmer Region Basel konnten anlässlich ihrer Generalversammlung nur Gutes berichten und vernehmen. Die baukonjunkturelle Situation ist erfreulich, wie das Zahlenmaterial der Geschäftsstelle belegt. Ein weiterer Höhepunkt des Anlasses war aber auch das Referat von alt Bundesrat Adolf Ogi.


Ehrengast: e. Bundesrat Adolf Ogi (l.) mit BRB-Präsident Theo Hartmann.

Ehrengast: e. Bundesrat Adolf Ogi (l.) mit BRB-Präsident Theo Hartmann.

Ausserordentlich zahlreich strömten Ende April die Bauunternehmer Region Basel (BRB) und viele Gäste an die 8. ordentliche Generalversammlung ins Hotel Hilton Basel. Das mag mit dem Gastreferenten und ehemaligen Bundesrat Adolf Ogi zu tun gehabt haben, der sich zum Thema «Sport für eine bessere Welt» äusserte und dabei die völkerverbindenden Ziele erläuterte, mit denen die UNO durch Sonderbotschafter Ogi wirkt. Das mag aber auch an den attraktiven Informationen gelegen haben, die unter den einzelnen GV-Traktanden abgegeben wurden.

Wachstumsrekord
In der Präsidialadresse gab Präsident Theo Hartmann seiner Freude über das Wirtschaftsjahr 2006 Ausdruck, von dem alle Wirtschaftszweige – auch die Bauwirtschaft – profitieren konnten: Die Bauproduktion erreichte im Jahr 2006 mit 51 Milliarden Franken einen neuen Höchststand. Bezüglich Wachstum habe die Bauwirtschaft sogar die übrige Wirtschaft übertroffen. In den Jahren 2005 und 2006 seien beispielsweise die Investitionen im Hochbau um 5 bzw. 7,5 Prozent gestiegen. Damit erweist sich die Bauwirtschaft als wichtiger Wirtschaftsmotor und bedeutender Arbeitgeber, stellte Hartmann fest.

«Atomisierung» der Branche
Allerdings wies der Präsident auch darauf hin, dass die erfreulichen Umsätze nicht über die ungenügende Ertragslage vieler Unternehmer hinwegtäuschen können. Trotz erfreulichem Umfeld verschwänden Baubetriebe aufgrund von Konkursen und Geschäftsaufgaben von der Bildfläche. Häufig gründeten aber leitende Mitarbeiter kurz darauf einen neuen Betrieb. Immer mehr seien es die Klein- und Mittelbetriebe, welche die Bauwirtschaft prägten. Typisch sei ja, dass die durchschnittliche Mitarbeiterzahl pro Betrieb, die in den 80er-Jahren noch bei 18 gelegen habe, heute bei 12 angelangt sei. Fachleute sprächen deshalb von einer «Atomisierung» der Branche.

Ungünstige Rahmenbedingungen
Theo Hartmann kam aber auch auf die Vorwürfe zu sprechen, die Baupreisentwicklung sei zu hoch, was den einzelnen Unternehmen angelastet werden müsse. Tatsache sei jedoch, dass nicht zuletzt die Materialpreise enorm gestiegen seien. Beim Armierungsstahl beispielsweise sei in den letzten vier Jahren ein Preisanstieg von mindestens 70 Prozent zu verzeichnen gewesen. Aber auch Holz und Energie seien wesentlich teurer geworden; von vermehrten Umweltschutz-Vorschrifen, die in der Kalkulation berücksichtigt werden müssten, nicht zu reden. Zum Schluss ermahnte Präsident Hartmann die Mitglieder, gerade in konjunkturell intakten Zeiten mehr Gedankenarbeit und Engagement in die Zukunftssicherung der wichtigen Branche zu investieren.

Theo Hartmann, der im kommenden Jahr zurücktreten wird, konnte der Versammlung auch bereits seinen möglichen Nachfolger präsentieren: Eduard Schmied, Basler Geschäftsführer der lmplenia Bau AG.

Enorme Regelungsdichte
Geschäftsführer Paul Hug analysierte die Lage im Bausektor aufgrund umfassenden Zahlenmaterials. Er konnte seinerseits auf eine erfreuliche Entwicklung hinweisen, machte allerdings auf steigende Leerwohnungsbestände aufmerksam und auf den Geburtenrückgang, was nicht zuletzt für die Rekrutierung von Lehrlingen schwierige Zeiten vorausahnen lasse.

Er kritisierte in seiner engagierten Art die Regelungsdichte und die Lust an formellen Vorschriften sowie die Inflation der Sprache, die im Gegensatz stünde zur Klarheit, welche eigentlich geschaffen werden sollte.

Erfreuliche Stadtentwicklung
Eine Grussbotschaft überbrachte die Basler Baudepartemensvorsteherin Barbara Schneider, die mit Genugtuung auf die gegenwärtige Stadtentwicklung hinwies. Man sehe Veränderungen entgegen, die aber nicht immer vorbehaltlos akzeptiert würden und eine Diskussion notwendig machten. Die Referentin erwähnte das Erlenmattquartier und nannte dieses ein wohl komponiertes Ensemble – nicht bloss eine Ansammlung von Wohnungen und Gewerbeflächen. Markante Objekte sind auch Symbole, die Zuversicht ausstrahlen, führte die Regierungsrätin weiter aus. Dazu zähle auch das neue Stadtcasino von Zaha Hadid am Barfüsserplatz. Basel sei in Bewegung.

Barbara Schneider streifte die Untersuchungen zur Richt- und Zonenplanrevision und sprach von neuen Perspektiven für Basel. Sie bestritt aber auch, dass echte Vorwürfe betreffend Preisniveau vorhanden sind. Es ist überdies gelungen, mit dem Wohnbauförderprogramm «Logis Bâle» – 5000 Wohnungen in zehn Jahren – Impulse zu setzen, die dazu beitragen, dass neue interessante Wohnangebote in der Stadt entstehen, schloss die Baudirektorin ihr Referat mit einer positiven Note. Grüsse überbrachte auch Nationalrat Werner Messmer, Zentralpräsident des schweizerischen Baumeisterverbandes.

Stabiler «Schoggi»-Tunnel für Elsbeth Schneider
Mit herzlichen Worten wurde von Theo Hartmann auch die Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektorin Elsbeth Schneider-Kenel aus ihrem Regierungsamt verabschiedet. Symbolisch überreichte ihr Hartmann einen Tunnel aus Schokolade, «der weder einen Tagbruch erleidet, noch in der Lage ist, sich selbständig zu heben». Elsbeth Schneider erinnerte ihrerseits an die gemeinsame gute Zusammenarbeit während 13 Jahren.

Viel Applaus für Adolf Ogi
Stargast des Abends war dann allerdings alt Bundesrat Adolf Ogi, der als Sonderbotschafter der UNO für Sport im Dienste von Entwicklung und Frieden tätig ist. Er gab den gespannt zuhörenden Bauunternehmern und Gästen einen überaus eindrucksvollen Überblick über sein ehrenamtliches Mandat. Die Versammlung dankte ihm mit anhaltendem Applaus.







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