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Neue Chancen für Aesch
27.05.09 - 12:24 / Autor: Urs Berger, Landrat, Aesch

Die Lebensqualität in einer Gemeinde beinhaltet – unter vielem anderem – auch gute Lösungen zur Verkehrserschliessung mit möglichst wenig Immissionen, aber auch ein interessantes Einkaufsangebot im Fachhandel und für grössere Einkäufe. In Aesch stimmt dieser Mix offensichtlich nicht: Der schmucke Dorfkern leidet unter zunehmendem Durchgangsverkehr, was den Detailhandel im Zentrum immer mehr beeinträchtigt. Und die Grosseinkäufe werden zu gut 50 Prozent ausserhalb der Gemeinde getätigt. Also auch Verlust an Kaufkraft. Unter dem Strich eine Art «Teufelskreis», den es mit zukunftsorientierten Strategien und Projekten zu durchbrechen gilt.


Davon träumt auch der Aescher Fachhandel: ein wieder verkehrsberuhigtes Zentrum.

Davon träumt auch der Aescher Fachhandel: ein wieder verkehrsberuhigtes Zentrum.

Als Anfang der 80er Jahre die Umfahrung von Aesch dank der H18 möglich wurde, atmeten viele Aescherinnen und Aescher auf. Mit dieser Entlastungsstrasse konnte der Dorfkern neu gestaltet werden.

Lösungen seit 30 Jahren auf Eis
Das ist jetzt bald 30 Jahre her. Bezeichnend dabei ist aber, dass die mit der H18 vorgesehenen Fortsetzungen auf dem Stand der 80er Jahre stehen geblieben sind. In Aesch Süd beim Schloss Angenstein modert die Fortsetzung der H18, die in den «Muggenbergtunnel» einmünden sollte, still vor sich hin und beim Halbanschluss Aesch Nord wuchert die Natur ebenfalls über der längst vorgesehenen Weiterführung in Richtung Leimental.

Mehr Verkehr – sinkende Attraktivität zum Einkaufen
Die fatale Folge dieses Stillstandes macht sich in einem immer stärker wachsenden Durchgangsverkehr durch das Zentrum von Aesch bemerkbar. Denn: Der Verkehr vom Laufental Richtung Leimental (und umgekehrt) hat praktisch keine Routenalternative, weil der heutige Halbanschluss Aesch Nord keine direkte Verkehrsbeziehung Laufental–Leimental auf der H18 erlaubt. Die Leidtragenden sind – neben den Anwohnern im Zentrum – auch die dort angesiedelten Detailhandelsfachgeschäfte.
Hinzu kommt, dass im näheren Umfeld von Aesch ein Zentrum für grössere Einkäufe fehlt. Fazit: Rund die Hälfte der Aescher und Pfeffinger Einwohner tätigen ihre Einkäufe ausserhalb der Gemeinde – Aesch verliert also doppelt.

Interessante Entwicklungsgebiete abgebremst
Doch damit nicht genug: Aesch wird mit der unmöglichen Anbindung an die H18 auch noch im Entwicklungsgebiet Aesch Nord ausgebremst. Interessante Ausbauprojekte für Gewerbe und Dienstleistung, aber auch für Wohnüberbauungen und für ein umfassenderes Einkaufsangebot kommen nur schleppend vorwärts.
In Aesch Süd bei Angenstein staut sich andererseits jeden Morgen an der Verzweigung Richtung Dorf und Richtung H18 der Verkehr oft bis zum Eggluh-Tunnel. Dieser Stauknoten ist aufgrund der allmorgendlichen Radio-Staumeldungen inzwischen so bekannt wie seinerzeit der Bareggtunnel vor der Inbetriebnahme der dritten Röhre. Eine weitere unmögliche Situation für Aesch und für die Umwelt.

Erster Schritt: Lösung Verkehrsproblem
Ganz klar: Vordringlich ist nun – quasi als erster Schritt für eine grundlegende Problemlösung der geschilderten schwierigen Ausgangslage und Problematik – die raschestmögliche Lösung der Verkehrsproblempunkte: allem voran der Bau des Vollanschlusses «Aesch Nord» mit der längst vorgesehenen Weiterführung via Durchstich Pfeffingerring Richtung Gewerbegebiet Nord und Richtung Leimental.
Mit diesem Vollanschluss ist der Verkehr aus dem Laufental Richtung Leimental (und umgekehrt) nicht mehr gezwungen, sich durchs Dorfzentrum zu wälzen. Eine grosse Entlastung für die Anwohner an der Hauptstrasse und ein erheblicher Attraktivitätsgewinn für den dortigen Fachhandel. Damit wird aber auch die Verzweigung bei Angenstein spürbar entlastet.

Zweiter Schritt: Ausbau Gewerbegebiet und Einkaufszentrum
Der Vollanschluss verbessert aber auch die Erschliessung des Gewerbegebietes Nord erheblich. Damit wird es auch sinnvoll, Investitionen in bessere Einkaufsmöglichkeiten zu tätigen. Diese Investitionen in moderater Grösse bringen der Aescher und Pfeffinger Bevölkerung endlich die Möglichkeit, auch ihre grösseren Einkäufe in der Gemeinde zu tätigen – anstatt diese Kaufkraft in Einkaufszentren der näheren und weiteren Umgebung zu tragen.
Dieses erweiterte Angebot schafft so aber auch neue Synergien für den Fachhandel im endlich wieder verkehrsberuhigten Dorfkern. Ein Widerspruch, wie einzelne Skeptiker zum Einkaufszentrum glauben? Nein, denn es geht punkto Einkaufsattraktivität von Aesch um die Grundsatzfrage: Wie bringen wir die Bevölkerung aus Aesch und Pfeffingen dazu, ihre Einkäufe wieder vermehrt in Aesch zu tätigen? Im Status quo mit seinen mehr als ungünstigen Verkehrsverhältnissen im Zentrum und ohne Gelegenheit für grössere Einkäufe? Oder aber durch Verkehrsberuhigun im Dorfkern, was das Einkaufen dort ohnehin attraktiver macht, und mit einem Einkaufszentrum in der Gemeinde selbst?

Deutlich besseres Gesamtangebot
Die Antwort liegt auf der Hand: Von einer in diesem Sinne insgesamt verbesserten Auswahl an Anbietern in Aesch selbst und dem damit verbundenen deutlich interessanteren Angebotsmix profitieren unter dem Strich alle: die Bevölkerung von Aesch und Pfeffingen mit einem attraktiven, weil umfassenden Angebot an Detailhandelsfachgeschäften und auch Grossverteilern, der Fachhandel im endlich wieder verkehrsberuhigten Dorfkern dank der Synergien durch das Einkaufszentrum und umgekehrt die Anbieter in einem Einkaufszentrum vom Fachhandel im Dorfkern.

Unter dem Strich profitieren alle
Ebenso profitiert Aesch als Kommune, weil die bisher an andere Gemeinden verlorene Kaufkraft sukzessive wieder zurück nach Aesch fliesst und weil dank der besseren Erschliessung des Gewerbegebiets Nord interessante Entwicklungsprojekte mit neuen Firmenansiedlungen rascher umgesetzt werden können. Diese Aussicht auf Wachstum ohne zusätzliche Immissionen in Aesch selbst sorgt ihrerseits für neue Arbeitsplätze sowie neues und interessantes Steuersubstrat. Unter dem Strich gewinnen also alle.
Der vom Landrat deutlich befürwortete Vollanschluss Aesch wurde allerdings vom Bund – zusammen mit dem neuen Halbanschluss bei Angenstein – völlig unverständlich von der Priorität A auf C zurückgestuft. Es ist sehr zu hoffen, dass es dem Kanton gelingt, diese Rückstufung wieder rückgängig zu machen. Aesch braucht eine rasche Lösung der unbestrittenen und längst erkannten Problematik, von der sehr viel für die weitere positive Entwicklung der Gemeinde und der KMU-Wirtschaft im Birstal abhängt.









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