Wirtschaftskammer Baselland - Realisieren statt lamentieren!
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Realisieren statt lamentieren!
28.06.07 - 15:00 / Autor: Edi Borer

Liestal - Obwohl die Baukosten der H2 hauptsächlich aufgrund von deutlich gestiegenen Baupreisen rund 100 Mio. Franken teurer werden könnten, will das im letzten Herbst gegründete «Bürgerforum» zur zügigen Durchsetzung des H2-Entscheids nicht einfach nur lamentieren. Vielmehr geht es jetzt darum, das Projekt durch eine professionelle Baubegleitkommission konstruktiv zu überwachen sowie die Realisierung der notwendigen Umfahrungsstrasse zügig, seriös und zu vertretbaren Kosten zum Abschluss zu bringen. Dafür wird eine erneute H2-Initiative lanciert, die gestern den

Medien vorgestellt worden ist.


«Baggerstich»  am 26. Oktober: Baudirektorin Elsbeth Schneider gab den Startschuss zur H2. Jetzt muss sie gebaut werden!

«Baggerstich» am 26. Oktober: Baudirektorin Elsbeth Schneider gab den Startschuss zur H2. Jetzt muss sie gebaut werden!

Zur schier «unendlichen Geschichte um den Bau der H2 ist vor wenigen Tagen ein neues Kapitel geschrieben worden: Aufgrund von deutlich gestiegenen Baupreisen und einer unrealistischen Budgetierung könnte die H2 um rund 100  Mio. Franken teurer zu stehen kommen. Diese unerfreuliche Hiobsbotschaft hat die Bau- und Umweltschutzdirektion Baselland (BUD) vor kurzem verheissen.

Die politischen Reaktionen darauf beschränkten sich bisher allerdings nur auf empörte Statements und sinnlose Aufgeregtheiten. Doch anstatt zu lamentieren, will das «Bürgerforum» für die zügige Durchsetzung des eindeutigen H2-Entscheids» jetzt dafür sorgen, dass die Umfahrung zwischen Pratteln und Liestal trotzdem rasch realisiert wird, die Baukosten aber nicht (mehr) aus dem Ruder laufen.

Neue H2-Initiative lanciert
Mit diesem Ziel hat das Bürgerforum gestern im Haus der Wirtschaft eine neue H2-Initiative vorgestellt. Sie will den zügigen Weiterbau der H2, jedoch mit einer wesentlich strengeren sowie professionelleren Begleitung und Aufsicht. Weitere Ungereimtheiten zur H2 sind nicht mehr tolerierbar!

Standpunkt: Hans Rudolf Gysin, seit über 20 Jahren kämpfen Sie an vorderster Front für die Realisierung der H2, Sie sind im Baselbiet quasi der «Mister H2». Was war Ihre Reaktion auf die kürzliche Ankündigung der Baudirektion, dass die Kosten nun mindestens um 100 Mio. Franken höher zu liegen kommen?

«Ich habe mich über die Kostensteigerung zur H2 masslos geärgert!»

Hans Rudolf Gysin: Ich habe mich masslos geärgert! Nach der «unendlichen Geschichte» um die H2, die sich in den letzten 30 Jahren durch grösstenteils völlig sinnlose politische Interventionen immer mehr in die Länge gezogen hat, war diese Hiobsbotschaft eigentlich das Unnötigste und letztlich auch Unerfreulichste, was der H2 jetzt noch hat passieren können.

Wie meinen Sie das?
Ganz einfach: Die Erkenntnis, dass der Bau deutlich teurer zu stehen kommen könnte, hätte bei einem sorgfältigen und zeitgemässen  Projektmanagement eigentlich schon vor Jahren zumindest angedacht werden müssen. Im Zeitalter des Computers und hochkomplexer Berechnungsmodelle darf es doch schlicht nicht mehr üblich sein, dass man sich über Jahre auf den für den Tiefbau völlig untauglichen «Zürcher Index der Wohnbaukosten» abstützt und nie auf die Idee kommt, andere bestehende und weitaus realistischere Indizes beizuziehen.

Jeder Private – beispielsweise vor einem Hauskauf – muss doch vorher sorgfältig duchrechnen, ob er die Investition auch dann verzinsen und refinanzieren kann, wenn beispielsweise die Hypothekar-Zinsen steigen. In der staatlichen Verwaltung gilt dies – etwa unter dem Motto: «Das haben wir bis jetzt immer so gemacht» – offensichtlich nicht, weder in Baselland noch in anderen Kantonen noch beim Bund. Diese Denkart muss in unserem Kanton jetzt ändern.

«Der einzig sinnvolle Weg ist jetzt der zügige Weiterbau an der H2 – aber mit
anderen politischen Rahmenbedingungen.»

Doch wie geht es nun weiter? Muss nach Ihrer Meinung die Übung H2 jetzt abgebrochen, das heisst, die Umfahrung allenfalls zugunsten eines anderen Projektes gestrichen werden?
Nein, ganz sicher nicht, das wäre dann wohl der grösste Schildbürgerstreich. Denn: Erstens würde es wieder Jahre dauern, bis ein solches Alternativ-Projekt baureif wäre, und zweitens würde ja dieses Alternativ-Projekt gemäss Baukostentwicklung ebenfalls deutlich teurer, als ursprünglich mal angenommen.

Unter dem Strich würde das etwa bedeuten: Wir hätten im Ergolztal eine minimale bis keine Entlastung der Verkehrsströme und der Immissionen, die trotzdem zig Millionen kosten würde. Schliesslich könnte sich dann Baselland nicht nur die Bundessubventionen von über 130 Mio. Franken ans Bein streichen, sondern auch die rund 70 Mio. Franken, die bereits für die Planung, die Landkäufe usw. ausgegeben worden sind. Alles in allem wären das dann sogar 200 verlorene Millionen, die wir aber für gar nichts zum Fenster hinauswerfen würden.

Bei allem Ärger über die Kostensteigerung ist jetzt der einzige sinnvolle Weg: zügiger Weiterbau – allerdings mit anderen politischen Rahmenbedingungen.

Was meinen Sie mit anderen Rahmenbedingungen?
Wenn in einem Unternehmen etwas schief läuft, dann sind Lehren aus diesen Fehlern zu ziehen und diese Lehren in der Unternehmenspraxis strikte umzusetzen.

«Die Lehren aus den Fehlern bei der H2 sehe ich in einem 5-Säulen-Modell, das so rasch wie möglich umgesetzt werden muss.»

Bezogen auf die H2 stelle ich fest: Im Projektierungsablauf sind auf politischer Ebene Fehler mit unnötigen Verzögerungen begangen worden. Allein diese haben schon viel Geld gekostet. Und auf technischer Ebene sind Fehler in erster Linie mit dem Kostenmanagement passiert, wie ich es schon gesagt habe. Die Lehren daraus sehe ich in einem 5-Säulen-Modell, das so rasch wie möglich umgesetzt werden muss.

Erstens: zügiger Weiterbau an der H2. Es darf jetzt keine politischen Verzögerungen mehr geben. Diese kosten zu viel – ohne den geringsten Gegenwert.

Zweitens: ein konsequentes Kostenmanagement mit einer ganz strengen Kostenkontrolle. Sinnvolle und machbare Einsparungsmöglichkeiten sind voll auszunutzen. Das heisst: Das Notwendige ist dem nur Wünschbaren klar vorzuziehen.

«Das Fünf-Säulen-Modell muss von einer kompetenten Baubegleitkommission durchgesetzt werden.»

Drittens: eine intensive Überwachung des Projektablaufs und dabei absolut transparente Informationen über den Baufortschritt und die Kostenentwicklung.

Viertens: Verhinderung jeglicher Bauverzögerungen. Die H2 muss termingerecht fertiggestellt werden.

Fünftens: Überwachung der Zahlungen der zugesicherten Bundesmittel bzw. der Zahlungsmodalitäten. Es darf nicht mehr passieren, dass der Bau der H2 wegen der Bundesbürokratie gestoppt wird.

Und dieses 5-Säulen-Modell muss durch eine fachlich kompetente Baubegleitkommission durchgesetzt werden, die weitergehende Kontroll- und Interventionsbefugnisse erhält.

Das oberste Ziel lautet dabei: den Willen der Baselbieter Stimmbevölkerung endlich umsetzen – zu den versprochenen Terminen und jetzt wirklich ohne weitere Ungereimtheiten, auch bei den Kosten.

Das tönt ja recht verheissungsvoll. Wie wollen Sie dieses 5-Säulen-Prinzip aber umsetzen auf der Basis des H2-Gesetzes, das im letzten Herbst vom Stimmvolk abgenommen worden ist?

«Einmal mehr müssen wir zur H2 dasHeft wieder in die eigene Hand nehmen.»

Am raschesten und wirksamsten kann dieses 5-Säulen-Prinzip nur mit einer Änderung bzw. Ergänzung des H2-Gesetzes vom 24. September 2007 umgesetzt werden. Und das erfordert eine weitere H2-Initiative. Wir – konkret das von mir präsidierte «Bürgerforum zur zügigen Durchsetzung des eindeutigen H2-Entscheides» – hab diese Initiative im Entwurf am Montag der Öffentlichkeit unter dem Titel «Initiative für den zügigen Weiterbau an der H2 mit wirksamer Kostenkontrolle» vorgestellt.

Uns steht also die fünfte Abstimmung zur H2 bevor?
Ja, obwohl ich eigentlich nach der H2-Abstimmung im vergangenen September überzeugt war, dass es endlich die letzte politische Ausmarchung zur H2 war.

Die jüngste Entwicklung hat uns eines Besseren belehrt. Einmal mehr müssen wir zur H2 das Heft wieder in die Hand nehmen und den Behörden Beine machen. Anders kommen wir nicht zur längst beschlossenen Umfahrung des im Kanton am stärksten belasteten Wohngebiets.







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