«Der Fan sucht das Zentrum»
14.10.06 - 08:00 / Autor: Christoph Buser*
Basel/Liestal - Am 14. Oktober 2006 erschien in der Basler Zeitung ein Beitrag von Christoph Buser, welcher sich im «kontrovers» für den Fan-Boulevard im Zentrum anlässlich der bevorstehenden Euro 2008 aussprach:
«Die Fussball-WM in Deutschland wurde zu einem vollen Erfolg. Für angereiste Gästefans, aber auch für die einheimische Bevölkerung. Mehr als 20 Millionen Menschen strömten in vier Wochen in die offiziellen Fan-Zonen an den zwölf Spielorten und fieberten vor Videowänden mit. Weltweit fand die beeindruckende Arbeit der Organisatoren riesige Anerkennung. Deutschland hat einen vorzüglichen Image-Gewinn erfahren.
Die Bilder sind uns noch bestens präsent: fantastische Stimmung auf den Fan-Meilen quer durchs Land. Feiernde Menschen unterschiedlicher Nationen tanzten auf den Strassen und machten die WM in Deutschland zu einer einzigen, rauschenden Party. Friedlich, freundschaftlich und unerhört enthusiastisch. Die Welt schaute auf ein feierndes Deutschland.
In weniger als zwei Jahren erhält unsere Region mit Basel als «Host City» der Euro 2008 ebenfalls die einmalige Chance, sich in einem Schaufenster weit über Europa hinaus von seiner besten Seite zu zeigen. Wir treten dabei mit dem Anspruch «Basel. Mehr als 90 Minuten.» an. Und wir tun gut daran, diesen Worten auch Taten folgen zu lassen. Der Schlüssel des Erfolges bei der WM in Deutschland waren die Fan-Zonen. Wie nie zuvor wurden sie besucht. Die Nachfrage stieg in völlig unerwartete Dimensionen.
Die Region Basel darf sich ebenfalls auf sehr viele Fussballfans freuen. Viele kommen vermutlich ohne Ticket, ohne Hotelbett und wollen von einer Fan-Veranstaltung zur nächsten. Alle hoffen sie auf möglichst erlebnisreiche Fan-Zonen – und nimmt man die Fakten aus Deutschland, so können diese nicht gross genug sein.
Der präsentierte Fan-Boulevard mit weiteren Fan-Zonen im Baselbiet wurde nach diesen Vorgaben «konstruiert». Die Erfahrungen aus Deutschland sind in das Konzept eingeflossen. Dabei steht im Vordergrund, dass der Fan das Zentrum sucht. Dort muss man ihn willkommen heissen, ihn «abholen» und ihm etwas bieten. Von dort aus können die Besucherströme dann weitergeleitet werden. Illusorisch sind Gedanken, das Geschehen an den Stadtrand oder auf eine grüne Wiese in der Agglomeration zu verlagern. Diese Ansätze sind in der Vergangenheit allesamt gescheitert. Ganz schlecht war auch, die Leute sich selber zu überlassen.
Ein 3,2 km langer Fan-Boulevard ist also keineswegs übertrieben. Vielmehr ist es ein realistisches Angebot, um die erwarteten Besucherinnen und Besucher empfangen zu können. Dass die Route quer durch die Innerstadt verläuft, ist die logische Konsequenz aus der Tatsache, dass die Fans eben genau diese Innerstadt suchen. Mit dem vorgestellten Boulevard verteilt sich das Geschehen bestmöglich auf mehrere Plätze und auf das Rheinufer. Und es verteilt sich in einem Gebiet, welches sich bei Fasnacht, Messen oder auch 1.-August-Feiern als absolut eventtauglich erwiesen hat.
Die Euro 2008 ist für die Region Basel eine einmalige Chance zur Positionierung. Dass wir beim Organisieren wohl bereits Europameister sind, darf dabei nicht einziger Anspruch bleiben. Vielmehr muss es gelingen, als sympathischer Gastgeber die Stärken unserer Region über die Landesgrenzen bekannt zu machen. Ich wünsche mir, dass wir diese Chance mit mutigen Entscheiden packen und nicht mit politischem Geplänkel und Zaudereien zunichtemachen.»
* Christoph Buser (35), lic. rer. pol., ist Leiter der KMU-Förderung der Wirtschaftskammer Baselland und im Auftrag des Regierungsrates des Kantons Basel-Landschaft Co-Leiter des Fachbereichs Standortmarketing Euro 2008.
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