Wirtschaftskammer Baselland Wirtschaftskammer Baselland
Die Kehrseite einer glänzenden Medaille
03.02.12 - 11:10 / Autor: PA

«Alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben Anspruch auf bezahlte Ferien von jährlich mindestens sechs Wochen.» Dieser Satz soll in der Bundesverfassung stehen, wenn es nach den Vorstellungen der Gewerkschaften (travail.suisse) geht.




Gemäss geltender Ferienregelung (Artikel 329a Obligationenrecht) stehen den Arbeitnehmenden vier Wochen pro Jahr zu; Arbeitnehmenden bis zum vollendeten 20. Altersjahr fünf Wochen. Arbeitgeber und Arbeitnehmer (Sozialpartner) können sich vertraglich auf grosszügigere Regelungen verständigen. So sind schon heute Regelungen verbreitet, um älteren oder langjährigen Arbeitnehmenden fünf oder sechs Wochen Ferien zu ermöglichen.

Am 26. Juni 2009 reichten die Gewerkschaften ihre Volksinitiative «Sechs Wochen Ferien für alle» ein. Bundesrat und Parlament haben dem Volksbegehren eine klare Abfuhr erteilt und keinen Gegenvorschlag ausgearbeitet. Der Bundesrat sieht durch die Initiative den Spielraum für Lohnerhöhungen oder Arbeitszeitverkürzungen gefährdet. Die sechs Ferienwochen könnten sich für die Arbeitnehmenden im Endeffekt als nachteilig erweisen.

Nun ist es Sache des Souveräns, am 11. März 2012 an der Urne definitiv zu entscheiden. Es geht um die Frage, ob der Ferienanspruch der gesamten Arbeitnehmerschaft landesweit und einheitlich per Verfassung oder weiterhin gemäss bisherigen Gepflogenheiten im Rahmen der bewährten Sozialpartnerschaft geregelt werden soll.

Weit reichende Folgen
Die eidgenössische Ferieninitiative ist eine prächtig glänzende Medaille mit einer weniger schönen Kehrseite. Denn wer das Ferienversprechen der Gewerkschaften seriös betrachtet, muss auch nach den Folgen fragen, falls die Wirtschaft verpflichtet würde, sämtlichen Arbeitnehmenden «mindestens» sechs bezahlte Ferienwochen zu ermöglichen. Das Hauptproblem: Die Initiative erhöht die Produktionskosten in einer denkbar schwierigen konjunkturellen Lage. Der Spielraum der Wirtschaft ist heute kleiner denn je. Es ist absehbar, dass die Abkühlung des Weltwirtschaftsmotors alle KMU und insbesondere die exportorientierten Unternehmen in den nächsten Jahren enorm belasten wird. Damit gefährdet die Initiative ausgerechnet in jenem Bereich Arbeitsplätze, der mit Personalbeständen von weniger als zehn Mitarbeitenden fast neunzig Prozent der volkswirtschaftlichen Gesamtlasten trägt.

Arbeitsplätze in ernster Gefahr
Für den KMU-Bereich bedeutet eine zusätzliche Ferienwoche Zusatzkosten von über sechs Milliarden Franken pro Jahr. Solche Belastungen schwächen die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz insgesamt und gefährden damit Arbeitsplätze. Vor allem ungenügend ausgebildete Stellensuchende bekämen die Nachteile zu spüren.Es ist deshalb ernst zu nehmen, dass sämtliche bürgerlichen Parteien und Wirtschaftsverbände sowie die klare Mehrheit der Bundesversammlung vor einer Verfassungspflicht für mindestens sechs Ferienwochen warnen.

Dank den bewährten sozialpartnerschaftlichen Lösungen, die in der Schweiz mit Gesamtarbeitsverträgen und Firmenregelungen seit Jahrzehnten funktionieren, gehört heute die Schweizer Volkswirtschaft zu den weltweit wettbewerbsfähigsten. Das ist möglich geworden dank einem wachen Sinn der Arbeitnehmerschaft und des Souveräns für die Ausgewogenheit zwischen Ansprüchen und Möglichkeiten des gegenseitigen Gebens und Nehmens.

Dieses bewährte Zusammenspiel sollte nicht gefährdet werden. Vor allem auch nicht, weil mehr Ferien in der Praxis zwangsläufig zu höherer Arbeitsbelastung für weniger Personal führen würden.

Mehr Hektik und Stress
Die Ferieninitiative verspricht zwar mehr Freizeit, aber sie führt zu mehr Hektik und Stress im Arbeitsleben. Denn bei gleichem Lohn für eine Woche weniger Produktion wird mehr Leistung zwingend, sonst geht die unternehmerische Rechnung nicht auf. Die Beurteilung des Bundesrates ist einleuchtend: «Längere Ferien können den Spielraum für Lohnerhöhungen oder Arbeitszeitverkürzungen einschränken und sich deshalb für die Arbeitnehmenden als nachteilig erweisen.»

Dieses bewährte Zusammenspiel sollte nicht gefährdet werden. Vor allem auch nicht, weil mehr Ferien in der Praxis zwangsläufig zu höherer

 




weiterführende Themen:
«Ferieninitiative bringt für die Arbeitnehmer mehr Stress» - 03-02-12 09:25




Weitere Themen:
03.02.12 - 11:10
Die Kehrseite einer glänzenden Medaille

03.02.12 - 09:25
«Ferieninitiative bringt für die Arbeitnehmer mehr Stress»

20.01.12 - 09:11
Zwei Initiativen – ein Ziel

16.12.11 - 10:40
Baselland braucht Vorwärtsstrategie in der Wirtschaftspolitik

21.10.11 - 10:14
Kostengünstig, unkompliziert und fair fürs Gewerbe

07.10.11 - 10:14
Kämpfer mit Ausdauer nach Bern

07.10.11 - 10:14
Berufsbildung und Regulierungskosten im gewerbepolitischen Fokus

06.08.11 - 10:14
Sparpaket ist auf vielen Schultern verteilt

27.05.11 - 08:08
... zünd’ lieber andre an!

20.05.11 - 10:37
Starke und optimistische Baselbieter Unternehmen

29.04.11 - 08:31
Keine Eingriffe in die Lohnpolitik!

08.04.11 - 09:34
Knüppel aus dem Sack!

01.04.11 - 08:50
Mehr Gewicht im Bund für Nordwestschweiz

01.04.11 - 08:50
Regierungsarbeit wird schwieriger

28.03.11 - 06:57
118 Mio. Franken Investitionen in die KMU-Wirtschaft

1 2 3 4 5 6 7 >
zurück nach oben Seite drucken  Seite empfehlen  
AGB FAQ mykmu.org Sitemap Home