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Sinnloser Aktionismus
14.07.09 - 04:56 / Autor: Edi Borer

Die Wege der Gesellschaft und Politik sowie in der Folge der Amtsstuben sind oft sehr unergründlich. Anstelle von Vernunft und Weitsicht tritt aber heutzutage immer mehr wilder Aktionismus in den Vordergrund – Aktionismus, der unter dem Strich insbesondere die Wirtschaft Hundertausende, ja Millionen, kostet, aber in der Bilanz kaum Nutzen bringt – zumindest nicht in der einstmals angepriesenen Form. Beispiele gefällig?


"Energiespar"-Lampenabfall: Kaum ersetzt - schon wieder teurer Sondermüll

"Energiespar"-Lampenabfall: Kaum ersetzt - schon wieder teurer Sondermüll

Es ist schon einige Jahre her, als ein Empörungsschrei durch einzelne Konsumentenorganisationen schallte: Die Kassenzettel in Migros und Coop würden gerade bei einkaufenden Kindern immer wieder sang- und klanglos verschwinden – ein unhaltbarer Zustand für den akribischen Konsumenten, der mit diesem Missstand ja keinerlei Kontrolle mehr hätte, ob sein Einkauf tatsächlich korrekt verrechnet worden sei.
Vom Mitdenken entbunden
Man mag für dieses Argument bei einkaufenden Kindern noch einigermassen Verständnis aufbringen – angesichts des weitaus überwiegenderen Anteils an erwachsenen und damit mündigen sowie eigenverantwortlichen Bürgern und Konsumenten wird dieser Aufschrei allerdings in höchstem Mass fragwürdig. Dennoch haben die zu diesem Thema auf den Barrikaden kämpfenden Konsumentenorganisationen erwirkt – ob behördlich verordnet oder mit den Grossverteilern «vereinbart» ist dem Schreibenden nicht bekannt – dass fortan an den Kassen die Quittungszettel mit einem «Kleberli» an die Spaghetti oder die Pepperoni gepappt werden. Zu mindestens 95 Prozent der Fälle völlig unnötig, ja auch ungeliebt. Doch: Der Kunde bzw. die Konsumentenorganisationen sind ja König, und das unverlierbar angeklebte Zeedeli entbindet ja so schön vom Mitdenken.
Dieser Nonsens wäre eigentlich mit einem Schmunzeln zu quittieren – es sei denn, man überlegt sich einmal wie viele Tausend Kilometer Selbstklebeband seither stumpfsinnig verbraucht worden sind, nur weil dies einzelne Konsumentenorganisationen ultimativ als absolut lebensnotwendig erachtet hatten. Interessant dabei ist ja nur, dass einige dieser Organisationen sonst keine noch so blödsinnige Gelegenheit auslassen, um mit dem Argument Umweltschutz viel Wind zu machen ...
«Rüsselei» über den Rüssel
Anfang der 90er Jahre war Ozon der grosse Umwelt-Hype. Durchaus zu Recht wurde dabei kommuniziert, dass flüchtige Stoffe, wie etwa Bezindämpfe, zu den Vorläufersubstanzen von Ozon gehören. Und durchaus nachvollziehbar wurde schliesslich erwogen, diese Benzindämpfe an den Tankstellen rückzuführen.
Die Umweltschutzbehörden des Bundes sind denn auch rasch aktiv geworden und haben dementsprechend verfügt. Unter anderem wurde dabei – oft genug mit «sanftem» Zwang – auch dieser unmögliche Gummirüssel  vorgeschrieben, obwohl Fachleute von Anfang an gewarnt hatten, dass dieses System nicht das «Gelbe vom Ei» sei.
Fazit dieses wilden Aktionismus: Tausende von Tankstellen mussten Millionen investieren, um diesen elenden Rüssel zu installieren. Und Millionen von Tankstellenbenützer hatten sich fortan bei jedem Tanken masslos über diesen komplizierten Mechanismus geärgert, bei dem oft genug mehr Benzin verschüttet worden ist, als effektiv abgesogen werden konnte.
Es fällt seit längerem auf, dass dieser dümmliche Rüssel grösstenteils wieder verschwunden ist und sogenannten aktiven Systemen ohne Rüssel Platz gemacht hat. Jetzt macht das auch tatsächlich Sinn – das Rückführen. Pech für die Tankstellen, die in den Rüssel investieren mussten – behördlich verordnet.
Glühlampen-Sozialismus
Ins gleiche Kapitel gehört der neueste Ukas der Umwelt und Energiebehörden: Seit 1. Januar 2009 ist der Verkauf der guten alten Glühlampe (Stückpreis unter einem Franken) verboten. Die Schweiz hat sich da von der EU «anstecken» lassen und unter Lobpreisung einer enormen Energieeinsparungswirkung den glühenden Energiefresser aus dem Verkauf ziehen lassen. Im Schwange sind jetzt die sogenannten Energiesparlampen (Stückpreis über 17 (!) Franken).
Was aber zeigt die Praxis? Um Strom zu sparen, wurden ja in vielen Haushaltungen und vor allem Unternehmen schon vor Jahren Bewegungsschalter installiert: Das Licht wird so nur bei echtem Bedarf für eine vordefinierte, meist kurze Zeit eingeschaltet – in vielen Räumen und Zugängen täglich und nächtlich zigmal.
Nur: Diese häufige Schalterei ist Gift für die Energiesparlampen. Ihre Lebensdauer sinkt damit rapide. Und der Verschleiss der teuren Lampen ist in der Alltagspraxis enorm. Was also tun? Der Trick: Einfach die Einschaltdauer der Bewegungsmelder aufs Maximum verlängern – allerdings mit dem Effekt, dass dabei wieder sinnlos Energie verschwendet wird, die Ausfallhäufigkeit der neuen Lampen dennoch nicht wesentlich verbessert wird und die Kosten für den Ersatz nur relativ marginal sinken. Unter dem Strich ist auch dieser blinde Behördeneifer zum Schuss in den Ofen verkommen.
Kommt hinzu, dass Wissenschafter schon seit langem den Energiespareffekt dieser Lampen-Hysterie als praktisch Null taxieren und erst noch gesundheitliche Bedenken anmelden (Elektrosmog, ungesunder Blau-Anteil des Energiesparlichts). «Report München» auf ARD hat die ganze Übung als «Glühlampen-Sozialismus» taxiert. Es ist jetzt nur zu hoffen, dass die LED-Technik möglichst bald die teure Energiesparlampe verdrängt. Sie spart zu oft kaum Energie – und schon gar kein Geld.
(Der Autor vertritt in diesem Beitrag seine persönliche Meinung.)







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