Pratteln/Liestal - Obwohl unser Land eines der weltweit wirksamsten Instrumentarien zur Bekämpfung der Geldwäscherei besitzt, steht der Finanzplatz Schweiz seit Jahren in der öffentlichen Kritik. Ein illustrer Referentenkreis - angeführt von Prof. Dr. John W. Mayo, dem ehemaligen Clinton-Berater und heutigen Professor an der Georgetown University in Washington D.C. - beleuchtete die Fakten zur Regulierung des schweizerischen Finanzsektors und diskutierte über das Image des Finanzplatzes Schweiz. An der Informationsveranstaltung zu diesem heiklen Thema im KUSPO Pratteln nahmen über 220 Gäste aus Politik und Wirtschaft teil. Organisiert wurde der Anlass von der Wirtschaftskammer Baselland.
Als Vertreter der Schweizerischen Bankiervereinigung, die das Patronat über die Informationsveranstaltung übernommen hatte, begrüsste Dr. Kuno Hämisegger die Gäste im Prattler Kultur- und Sportzentrum KUSPO. Einleitend wies Hämisegger auf die Bedeutung des Finanzsektors hin, der mit Blick auf Wertschöpfung, Beschäftigung sowie Steueraufkommen ein tragender Pfeiler der Schweizer Wirtschaft ist. Trotzdem hätten die Banken in unserem Land ein Image-Problem. Im Gegensatz zu den USA, wo die Öffentlichkeit stolz auf die Leistungen und den Erfolg der Banken ist, herrscht in der Schweiz dazu ein spürbar distanziertes Verhältnis und verzerrtes Bild, bemerkte der Delegierte für Public Affairs der Schweizerischen Bankiervereinigung.
Bankgeheimnis schützt Kunden und nicht Banken Über die konkreten Fakten und die Leistungskraft des Finanzplatzes Schweiz orientierte Bernhard Fischer, Regionalleiter Firmenkundenberatung Nordschweiz der Credit Suisse. Der Banken- und Finanzsektor der Schweiz spielt sowohl im internationalen als auch im innerschweizerischen Vergleich eine bedeutende Rolle, betonte Fischer. Der Bankensektor alleine generiere einen 10-prozentigen Anteil an der Wertschöpfung des Landes. Bei den Steuereinnahmen von Bund, Kantonen und Gemeinden weise die Branche den gleichen Anteil auf. Rund 3 Prozent aller Beschäftigten bzw. gut 110'000 Arbeitnehmende seien in unserem Land in Bankunternehmen beschäftigt. Laut Fischer verwalten die über 300 in der Schweiz tätigen Bankinstitute Vermögenswerte in der Höhe von 4'527 Mia. Franken. Das Bankkundengeheimnis ist für Fischer ein wichtiger Faktor für den Erfolg des Finanzplatzes Schweiz. Doch dieses schütze nicht die Banken, sondern die finanzielle Privatsphäre der Kunden. Fischer betonte, dass die Schweiz im Kampf gegen die Geldwäscherei eine führende Rolle einnimmt. «In unserem Land gelten weltweit die strengsten Geldwäscherei-Richtlinien.» Kriminelle würden in der Schweiz keinen Schutz durch das Bankkundengeheimnis geniessen.
USA und Schweiz kooperieren gut Die Schweiz und die USA pflegen eine enge Partnerschaft und arbeiten gut zusammen, betonte William Duff, Economic Officer der amerikanischen Botschaft in Bern. Die Schweiz sei nach New York, London und Tokio das viertwichtigste Finanzzentrum der Welt und deshalb ein wichtiger Partner für die USA. Duff lobte die effiziente Zusammenarbeit der beiden Länder im Bereich der Terrorismusbekämpfung. Dabei sei das schweizerische Bankkundengeheimnis kein Hindernis. Trotz zum Teil unterschiedlicher Regulierung des Banken- und Finanzsektors verfolge man als gemeinsames Ziel, die Finanzierung von terroristischen und kriminellen Aktivitäten zu verhindern.
Schweiz soll Sorge tragen zu ihrem Finanzplatz Für Prof. Dr. John Mayo, dem früheren Berater des US-Präsidenten Bill Clinton und heutigen Dozenten an der renommierten Georgetown University in Washington D.C., geniesst der Finanzplatz Schweiz eine hohe Reputation. Zu den entscheidenden Wettbewerbsvorteilen und Stärken unseres Landes gegenüber ausländischen Finanzmärkten zählten die Faktoren Kompetenz und hohe Service-Qualität der Bankdienstleistungen, Solidität hinsichtlich politischer, sozialer und wirtschaftlicher Stabilität des Standortlandes, der Schutz der Privatsphäre sowie die internationale Ausrichtung unserer Banken. Laut Mayo gelten weder Transparenz noch Vertraulichkeit als absolute Maximen. Im Verhältnis von Unternehmen und Investoren sei eine offene Informationspolitik unabdingbar. Im Bank- und Finanzbereich sei Vertraulichkeit hingegen ein ganz wesentlicher Erfolgsfaktor. Wohl nicht zufällig habe eine Studie der New York University zur Frage «Wer braucht finanzielle Diskretion?» eine eindeutige Antwort ergeben: «So ziemlich jeder!»
Steuerkonkurrenz muss bleiben In der anschliessenden lebhaft und engagiert geführten Podiumsdiskussion, die von Christoph Buser, Bereichsleiter KMU-Förderung der Wirtschaftskammer Baselland, kompetent geleitet wurde, äusserten sich neben den erwähnten Referenten auch Prof. Dr. Silvio Borner vom Wirtschaftswissenschaftlichen Zentrum (WWZ) der Universität Basel und Leiter des Zaeslin-Programms, sowie Nationalrat Filippo Leutenegger, CEO Jean Frey AG, zur Bedeutung und zum Image des Finanzplatzes Schweiz. Für Leutenegger besteht ein Unterschied zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung. Der Ruf des Finanzplatzes werde oft zu schlecht oder zu einseitig auf mögliche Kritikpunkte bezogen dargestellt. Das Image und die Qualität des Banken- und Finanzsektors sei viel besser, als oft kolportiert werde. Leutenegger warnt vor zusätzlichen Regulierungen und fordert die Politik zu grösserer Zurückhaltung in diesem Bereich auf. Nach Meinung von Silvio Borner schädigen bei der Durchsetzung unserer strengen Vorschriften vor allem Übereifer und Inkompetenz einzelner Strafverfolgungsbehörden das Image des Finanzplatzes. Sowohl Leutenegger als auch Borner warnten vor dem internationalen Steuerdruck auf die Schweiz und plädieren entschieden für die Aufrechterhaltung einer gesunden Steuerkonkurrenz - sowohl im Inland als auch im Verhältnis mit den europäischen Nachbarstaaten. |