Pilsen/Prag (CZE) - In den letzten Monaten wurde viel über die Chancen und Risiken der EU-Osterweiterung für die Wirtschaft in der Schweiz und den alten EU-Ländern diskutiert. Zahlreiche KMU stehen nun vor der wichtigen Entscheidung in den neuen Beitrittsländern zu investieren, um einerseits neue Märkte zu erschliessen und andererseits von den damit möglichen Kostenvorteilen zu profitieren. Das Grenzüberschreitende Beratungsnetz für KMU am Oberrhein trug diesem wachsenden Informationsbedürfnis Rechnung und organisierte eine Unternehmerreise in die Tschechische Republik. Die rund 30 Teilnehmer aus der Schweiz, Deutschland und Frankreich hatten die einmalige Gelegenheit, sich in den Wirtschaftsregionen Pilsen und Prag ein eigenes Bild von dem Potenzial des Investitionsstandortes Tschechische Republik zu machen und konnten gleichzeitig erste nützliche Kontakte knüpfen.
Informationen aus erster Hand Die westböhmische Metropole Pilsen bildete die erste Station der Reise. Mit 167.000 Einwohnern ist Pilsen die viertgrösste Stadt in der Tschechischen Republik und gilt -nicht zuletzt wegen der Grenznähe zu Deutschland - als bedeutendes Wirtschafts- Industrie- und Handelszentrum. Über die Grenzen hinaus bekannt sind Unternehmen wie die Pilsner Brauerei und die Skoda Schwermaschinenwerke. In Pilsen wurde die Delegation von der tschechischen Mitarbeiterin des Büros des bayerischen Handwerks in Pilsen, Miroslava Tomanova, begrüsst und anschliessend durch die sehenswerte, hübsch renovierte Altstadt geführt. Beim gemeinsamen Abendessen in der bekannten Bierstube "U Mansfelda" gaben Herrmann Schmidberger, Leiter des Büros des bayerischen Handwerks in Pilsen, und Ludwig Rechenmacher, Leiter der Aussenwirtschaftsabteilung der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, einen ersten Überblick über die wirtschaftliche Situation in der Tschechischen Republik. In fliessendem Deutsch stellte der Direktor der Wirtschaftskammer Pilsen, Tomás Kuták, das Leistungsspektrum seiner Organisation vor und brachte seine Freude über das Interesse am Wirtschaftsstandort Pilsen zum Ausdruck.
Neue Arbeitsplätze dank Kooperationen Am nächsten Morgen referierten Herrmann Schmidberger und Ludwig Rechenmacher im Rahmen einer Informationsveranstaltung ausführlich über die bisherigen Erfahrungen der von ihnen beratenen bayerischen Unternehmen, die in der Tschechischen Republik tätig sind und auch Niederlassungen gegründet haben. Pluspunkte des Investitionsstandortes Tschechien sind die gute Verfügbarkeit qualifizierter Facharbeiter und Ingenieure sowie die vergleichsweise moderaten Lohnkosten. Dennoch sollten sich die Unternehmen gut auf den Eintritt in den tschechischen Markt vorbereiten und vorzugsweise mit einem Partner vor Ort kooperieren, um bereits bestehende Beziehungsnetzwerke nutzen zu können. Wichtig ist auch, über Deutsch sprechendes Personal zu verfügen, da längst nicht alle Tschechen des Deutschen mächtig sind. Bei der im Anschluss an den Vortrag stattfindenden Betriebsbesichtigung der Firma MDS Engineering (Maschinen-, Sonderanlagen- und Werkzeugbau) im neuen Gewerbegebiet "Borska pole" in Pilsen, konnten sich die Teilnehmer ein eigenes Bild von einer erfolgreichen bayerisch-tschechische Kooperation machen. Gegründet wurde das Unternehmen von Jarolav Taus, einem ehemaligen Kadermitglied der Skoda Schwermaschinenwerke. Durch Vermittlung des Büros des bayerischen Handwerks in Pilsen fand er einen geeigneten Partner aus Bayern, der sich mit Kapital und Know-How an seinem Unternehmen beteiligte. "Zum beiderseitigen Nutzen", wie Jarolav Taus bei der Vorstellung seines Unternehmens versicherte. Die Zahlen sprechen für sich. In Pilsen entstanden 110 neue Arbeitsplätze, aber auch der bayerische Partner konnte durch die Erzielung von Kostenvorteilen bei der Produktion sowie der Erbringung von Ingenieurdienstleistungen und der Erschliessung neuer Marktpotenziale in Tschechien profitieren und 30 neue Arbeitsplätze schaffen!
Prag - wirtschaftliches und kulturelles Zentrum der Tschechischen Republik Die Hauptstadt Prag, die sich zu den grossen Metropolen Europas zählen darf, bildete den Abschluss der Unternehmerreise. Auf dem Programm stand eine geführte Besichtigung der berühmten Altstadt. Die Teilnehmer zeigten sich zudem von der wirtschaftlichen Dynamik der Stadt beeindruckt.
Fazit Die Teilnehmer hatten Gelegenheit, sich über die aktuelle Situation in der Tschechischen Republik zu informieren, Erfahrungen auszutauschen und konnten mit neuen Erkenntnissen nach Hause fahren. Die vier mitgereisten EU-Berater, Martine Schneider, HWK Karlsruhe, Dr. Brigitte Pertschy, HWK Freiburg, Yannick Henry, Chambre de Métiers d´ Alsace und Thomas Schaumberg, Wirtschaftskammer Baselland, freuten sich über die positive Resonanz der Teilnehmer und hoben die wertvolle Unterstützung durch die Vertreter der bayerischen Handwerkskammern hervor - aus unserer Sicht auch eine gelungene Kooperation! |