Interreg-Kooperation der KMU-Verbände in Deutschland, Frankreich und in der Nordwestschweiz:
Die KMU-Wirtschaft im Dreiländereck wächst zusammen
Freiburg i.Br., 11. Juli 2001 - Die im Dreiländereck am Oberrhein tätigen Dachorganisationen der KMU-Wirtschaft - die Handwerkskammern von Freiburg, Karlsruhe und Pfalz, die Chambre de Métiers d´Alsace sowie die Wirtschaftskammer Baselland haben heute in Freiburg im Rahmen einer Medienorientierung das gemeinsame trinationale Projekt «Interreg-Kooperation» angekündigt und den entsprechenden «Letter of intent» (Absichtserklärung) unterzeichnet. Damit ist das erste grenzüberschreitende Beratungsnetz für Kleine und Mittlere Unternehmen KMU in Deutschland, Frankreich und der Schweiz besiegelt worden.
Die neue trinationale Kooperation, die auf Initiative der Wirtschaftskammer Baselland - in Absprache mit den Gewerbeverbänden der Kantone Aargau, Basel-Stadt und Solothurn - gegründet worden ist, wird den KMU im Dreiländereck ein Informations- und Beratungsnetz für alle Fragen des grenzüberschreitenden Wirtschaftsverkehr in den drei Ländern bieten. Dies in erster Linie im Hinblick auf die Einführung des Euro als Hartwährung sowie insbesondere auf das Inkrafttreten der Bilateralen Verträge zwischen der EU und der Schweiz. Die Schweizer KMU-Dachverbände profitieren dabei von der bereits seit 1996 zwischen den deutschen und den französischen Handwerkskammern am Oberrhein bestehenden Beratungs- und Informations-Organisation «transinfonet», die bisher für den Grenzverkehr zwischen Frankreich und Deutschland beratend tätig war. Im Rahmen der heute besiegelten Interreg-Kooperation wird diese Beratungs- und Informations-Dienstleistung für KMU erstmals auf die drei Länder Deutschland, Frankreich und Schweiz erweitert. Das schweizerische Beratungszentrum wird dabei in Liestal am Geschäftssitz der Wirtschaftskammer Baselland eingerichtet.
In seiner Einleitung zur Medienkonferenz in Freiburg betonte Martin Lamm, Präsident der Handwerkskammer Freiburg, dass es die deutschen Handwerkskammern schon immer als wichtige Aufgabe betrachtet hätten, gute Kontakte zu den KMU-Organisationen in Frankreich und in der Schweiz zu knüpfen und so den europäischen Gedanken zu fördern. Er freue sich deshalb um so mehr, zur bereits bestehenden Beratungs-Organisation am Oberrhein nun einen weiteren Partner - die Wirtschaftskammer Baselland mit ihren Partnern in der Nordwestschweiz - in die Interreg-Kooperation aufzunehmen und damit ein das gesamte Oberrhein-Gebiet umfassendes Berater-Netz für grenzüberschreitend tätige KMU zu schaffen.
Fernand Meyer, Präsident der Séction du Bas-Rhin der Chambre de Métiers d´Alsace, zeigte anhand konkreter Zahlen und Fakten den hohen Informations- und Beratungsbedarf der KMU im grenzüberschreitenden Wirtschaftsverkehr auf. So habe man zwischen 1996 und 2000 innerhalb von «transinfonet» zwischen Deutschland und Frankreich gegen 5`000 Einzel-Anfragen von Firmen bearbeitet. Themenschwerpunkte seien dabei vor allem Vorschriften und Formalitäten im jeweiligen Nachbarland gewesen. Darüber hinaus seien eine Vielzahl von Informations-Drucksachen, eigene Veranstaltungen und Beteiligungen an Messen und Ausstellungen organisiert sowie unzählige Kontakte zwischen Handwerksfirmen und insbesondere Behördenstellen aufgebaut worden.
Wer den Schritt über die Grenze wage, habe es nicht leicht und benötige kompetente Unterstützung, fasste Heinz Hoffmann, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Pfalz, die Aufgabenstellung des neuen Interreg-Projektes zusammen. Dazu brauche es im jeweiligen Land kompetente Ansprechpartner, die mit den Formalitäten und Gesetzen ihres Landes vertraut seien. Dies gelte auch für die Wirtschaftstätigkeit der deutschen und französischen KMU mit der Schweiz, wo derzeit noch viele behördliche Hemmnisse bestehen würden. Mit dem Inkrafttreten der Bilateralen Verträge zwischen der EU und der Schweiz verspreche man sich in den beiden EU-Ländern erhebliche Erleichterungen. Trotzdem sei damit ein grosser Beratungsbedarf verbunden, dem man - dank der neuen Partnerschaft mit der Wirtschaftskammer Baselland - kompetent entgegentreten könne.
Den Blick in eine weitere Zukunft des Interreg-Projektes unternahm Joachim Wohlfeil, Präsident der Handwerkskammer Karlsruhe. Als Motor der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung in zahlreichen europäischen Ländern nehme das Handwerk nach wie vor eine zentrale Rolle ein. Als Standes- und Interessenvertretung der mittelständischen Wirtschaft sei man bestens informiert über die Bedürfnisse der Mitgliedsbetriebe. Es gelte, diese Bedürfnisse in praktikable Lösungen für Betriebe umzusetzen, die grenzüberschreitend tätig seien. Dies sei eine zentrale Aufgabe des Interreg-Beratungspools. Gut denkbar sei nun - auch dank der Erfahrungen im Rahmen der neuen Zusammenarbeit mit der Wirtschaftskammer Baselland - die Erweiterung des neu formierten Beratungsnetzes zu einem grossen «Netz der Netze». Dies als Antwort auf die zunehmende Globalisierung der Aktivitäten mittelständischer Handwerksbetriebe.
«Gouverner: c´est prévoir», meinte Nationalrat Hans Rudolf Gysin, Direktor der Wirtschaftskammer Baselland und Mitglied des schweizerischen Parlamentes. Die Wirtschaftskammer Baselland habe sich diesen Grundsatz einmal mehr zu eigen gemacht und im Hinblick auf die grossen Veränderungen im grenzüberschreitenden Wirtschaftsverkehr neue Mittel und Wege studiert, wie zugunsten der nordwestschweizerischen KMU-Wirtschaft ein effizienten Informations- und Beratungszentrum umgesetzt werden könne. Es sei ein Glücksfall, dass am Oberrhein zwischen den Handwerkskammern im Elsass und in der deutschen Nachbarschaft seit 1996 das bestens funktionierende Beratungs- und Informations-Netzwerk «transinfonet» bestehe. Die Wirtschaftskammer Baselland schätze sich glücklich, dass sie sich in dieses Beratungsnetzwerk einklinken und von deren Know-how- und Erfahrungsschatz profitieren könne. Umgekehrt stehe dieses Know-how aber auch den deutschen und französischen KMU im Hinblick auf deren Wirtschaftsverkehr mit der Schweiz zu Verfügung.
Die Grüsse der Regierung und des Parlamentes des Kantons Baselland überbrachte Ernst Thöni, Präsident des Baselbieter Landrates. Als Geschäftsführer eines KMU in der Nordwestschweiz freue er sich sehr über die neu formierte grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Er wünschte - auch im Namen der ihn begleitenden weiteren Landräte - dem Projekt viel Erfolg. Zum Nutzen der KMU-Wirtschaft am Oberrhein. |