Neujahrsapéro 2019

Türöffnung
Ort
Classic Center der Kestenholz Automobile AG
Anmeldeschluss

Neujahrsapéro 2019

Mehr als 400 Gäste wünschen sich in neuer Event-Lokalität «E guets Neus»

> Hier geht's zum YouTube-Film

> Hier geht's zu den Berichten auf Facebook

Liestal, Pratteln. Zum ersten Mal fanden sich die mehr als 400 Gäste zum Neujahrsapéro der Wirtschaftskammer Baselland nicht in Muttenz, sondern in Pratteln ein. Der traditionelle Anlass zu Jahresbeginn fand im Classic Center der Kestenholz Automobile AG statt.

«Wir sind hier an einem speziellen Ort mit einer langen Geschichte», sagte Andreas Schneider, Präsident der Wirtschaftskammer Baselland, am Neujahrsapéro vom 10. Januar 2019 im Classic Center der der Kestenholz Automobile AG in Pratteln. In den alten Fabrikationshallen produzierte die Firma Schindler Waggons einst die Schienenfahrzeuge für die SBB, wobei hier zeitweise bis zu 1000 Menschen arbeiteten.

«Dann aber kam der Kahlschlag. Einige Medien und auch Politiker haben dem Unternehmen vorgeworfen, eine Monopolstellung zu haben», sagte Schneider. Man habe gefordert, dass die SBB-Aufträge international ausgeschrieben werden. «Das Ende kennen Sie: Schindler wurde von Adtranz und danach von Bombardier übernommen. Und nach kurzer Zeit ist der Betrieb hier in Pratteln eingestellt worden.» Die Geschichte zeige, dass es wichtig sei, den Unternehmen nicht noch mehr Steine in den Weg zu legen und zum Werkplatz Schweiz Sorge zu tragen.

In diesem Zusammenhang verwies der Wirtschaftskammerpräsident auf verschiedene aktuelle Beispiele. So habe der Baselbieter Landrat etwa einen guten Kompromiss zur Mehrwertabgabe erarbeitet, welcher KMU nicht zusätzlich belaste. Darum habe der Wirtschaftsrat die JA-Parole für die Abstimmung vom 10. Februar 2019 beschlossen. Bei den Sozialleistungen dürfe es nicht zu höheren Belastungen kommen, warnte Schneider bezugnehmend auf die Steuervorlage 17.

Es gebe aber auch Lichtblicke, sagte der Präsident. Schon vor Jahren habe die Wirtschaftskammer mit ihrem 5-Punkte-Plan gegen den Verkehrskollaps Lösungsvorschläge für Verbesserungen im Bereich Verkehrsinfrastruktur gemacht. «Jetzt gehen Bund und Kanton mit dem Westring langsam in die Richtung, die wir aufgezeigt haben.» Dies sei ein positives Signal. Und nachdem die Wirtschaftskammer am Neujahrsapéro vor einem Jahr darauf hingewiesen habe, dass in der Wirtschaftsförderung vieles im Argen liege, «haben wir im Baselbiet jetzt – ein Jahr später – ein neues Wirtschaftsförderungsgesetz, das sich sehen lässt».

Die Beispiele zeigen laut Andreas Schneider auf, dass es sich lohnt, wenn die Wirtschaftskammer den Finger auf wunde Punkte legt. «Ich danke allen Politikern, die dazu beitragen, den Unternehmen Steine aus dem Weg zu räumen und nicht noch mehr Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Solchen KMU-freundlichen Politikerpersönlichkeiten müssen wir an den nächsten Landratswahlen von Ende März 2019 unsere Stimme geben», sagte Schneider.

Zum Schluss seiner Ausführungen bedankte sich der Wirtschaftskammerpräsident bei den Sponsoren. «Insbesondere danke ich der Basellandschaftlichen Kantonalbank für die Unterstützung des Apéros. Auch bei den Kaminfegern bedanke ich mich herzlich», so Schneider. Mit dem traditionellen «Handshake» gab es diesmal nicht nur die besten Wünsche der Glücksbringer, sondern auch eine spezielle Glücksmünze des Kaminfegermeister Verbands Baselland.

Wirtschaftskammerdirektor Christoph Buser betonte die zentrale Bedeutung der dualen Bildung und kündigte den Start einer eigentlichen Berufsbildungs-Offensive an. Die Signale aus der Politik für die betroffenen Ausbildungsbetriebe und Berufsverbände seien nicht immer motivierend.

Als Problemfelder nannte Christoph Buser die Finanzierung von Zentren für überbetriebliche Kurse: «Aus Sicht der Berufsverbände gleicht der Weg dorthin einem Spiessrutenlauf – Planungssicherheit sieht anders aus», sagte Buser. Auch dass die bescheidenen Prüfungs-Expertenentschädigungen Gegenstand langwieriger Kürzungsdiskussionen seien, lenke vom Wesentlichen ab, und die Streichung der Spesenbeiträge an Lernende, die ausserkantonale Kurszentren besuchen müssen, sei «definitiv keine Förderung der dualen Bildung».

Die Ausbildungsbetriebe und die Berufsverbände seien systemrelevant. «Unsere Unternehmen sind bereit, die Fachkräfte von Morgen für die erwähnten Produktionsbetriebe selber auszubilden. Aber es gilt, die Stellschrauben bei den Schnittstellen so zu drehen, dass dies besser gelingt als heute», so Buser. «Deshalb wollen wir aktiv werden und zusammen mit Ihnen eine Initiative für ein eigenständiges Berufsbildungsgesetz lancieren. Darin soll die Berufsbildung gestärkt und das Zusammenspiel zwischen Amt, Berufsverbänden und Ausbildungsbetrieben verlässlicher gestaltet werden.» Vor allem gehöre die Positionierung der Berufsbildung in den Schulen verbessert, und die grandiosen Möglichkeiten der Fachhochschule seien noch besser zu nutzen, präzisierte der Wirtschaftskammerdirektor.

Im Vorfeld des Neujahrsapéros tagte traditionellerweise der Baselbieter Wirtschaftsrat. Das Parlament der Wirtschaftskammer fasste unter anderem die Parolen für den Urnengang vom kommenden 10. Februar 2019. Zur Zersiedelungsinitiative sagt der Wirtschaftsrat Nein. Keine Parole fasste das Gremium zu den Spitalvorlagen und zur Ausgleichsinitiative der Gemeinden. Zum Gesetz vom 27. September 2018 über die Abgeltung von Planungsmehrwerten hatte der Wirtschaftsrat bereits am 25. Oktober 2018 die JA-Parole gefasst.