Die Berufsschau 2025 markierte einen grossen Moment im Jahr – für die Jugendlichen, die Berufe entdecken, und für die Unternehmen, Branchen- und Berufsverbände, die sich engagieren. Die an der Berufsschau spürbare Begeisterung müssen wir aufnehmen und weiterführen. In Sachen Berufsbildung muss noch einiges getan werden.
Über Jahre hinweg hat sich eine falsche Vorstellung festgesetzt: In den Köpfen vieler stellt die Berufslehre eine zweite Wahl dar und ist für jene, die es nicht ans Gymnasium schaffen. Diese Haltung ist nicht nur falsch, sie ist sogar gefährlich. Denn sie schwächt unsere Wirtschaft und verbaut den Jugendlichen Perspektiven.
Die Realität zeigt ein anderes Bild: Zunehmend finden Akademiker keine passende Stelle und sind arbeitslos; die Arbeitslosigkeit bei Lehrabgängerinnen und Lehrabgängern sinkt deutlich. Es gibt ein weiteres Phänomen: Viele Jugendliche kennen nur einen Bruchteil der bestehenden Berufe, obwohl die Schweiz über 250 Optionen bietet. Mit Plakaten und Broschüren erreicht man die Jugendlichen nicht mehr. Wer Orientierung bieten will, muss dorthin, wo die Jugendlichen sind: in die digitale Welt. Berufsorientierung muss smart, authentisch und sichtbar sein, nicht nur im Schulzimmer, sondern vor allem auf dem Smartphone. Die Berufsschau hat gezeigt, wie junge Menschen praxisnah, vielfältig und nahbar zu erreichen sind.
Auch die Politik steht in der Pflicht. Sie muss die richtigen Rahmenbedingungen schaffen. Was heisst das? Wir brauchen eine berufliche Orientierung, bei der die Wirtschaft aktiv teilnimmt. Wir brauchen einen Berufsbildungsfonds, der den Aufwand der Lehrbetriebe besser abfedert. Und wir brauchen ein Bildungssystem, das Jugendlichen nicht nur den Weg zum Hochschulstudium aufzeigt, sondern auch Alternativen dazu – nicht in Form einer Warnung oder einer zweiten Wahl, sondern als echte Chance.
Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt in rasantem Tempo – sie trifft nicht nur die Produktionsstätten, sondern zunehmend auch die Büros. Wir brauchen deshalb eine moderne, ehrliche Berufsorientierung. Weg vom Prestige, hin zu Perspektiven. Hin zu einer Realität, wo Praxiswissen wieder an Wert gewinnt.
Diese Berufsschau war ein starkes Zeichen. Führen wir das weiter: Wer will, dass auch in Zukunft Wertschöpfung, Integration und Aufstieg möglich sind, muss der Berufsbildung jetzt den nötigen Stellenwert geben. Denn wir sind noch nicht da, wo wir hinmüssen – aber wir wissen, wie wir dort hinkommen.