Der neue Bildungsbericht Schweiz 2026 zeigt es deutlich: Die Schweiz verfehlt ihr eigenes Ziel. Statt der angestrebten 95 Prozent erreichen nur rund 90,1 Prozent der 25-Jährigen einen Abschluss auf Sekundarstufe II, mit sinkender Tendenz. Das ist kein Detail, sondern ein klares Warnsignal.
Denn hinter dieser Zahl steckt ein Problem, das lange verdrängt wurde: Die Berufsbildung verliert an Bedeutung. Gleichzeitig wächst der Anteil allgemeinbildender Abschlüsse. Was auf den ersten Blick als Fortschritt erscheint, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als gefährliche Schieflage. Gerade für einen KMU-geprägten Kanton wie Basel-Landschaft ist das so nicht tragbar. Unsere Unternehmen brauchen qualifizierte Berufsleute. Die duale Berufsbildung ist kein Auslaufmodell, sondern das Fundament unseres Wohlstands.
Und trotzdem gilt die Lehre vielerorts noch immer als zweite Wahl. Diese Haltung ist nicht nur falsch, sie schadet unserem Standort. Wenn leistungsfähige Jugendliche systematisch in Richtung Gymnasium gelenkt werden, während Lehrstellen unbesetzt bleiben, gerät unser Bildungssystem aus dem Gleichgewicht. Wir leisten uns damit einen Luxus, den wir uns schlicht nicht leisten sollten. Dies hat direkte Folgen für unseren Arbeitsmarkt und die Fachkräfteversorgung.
Zudem wird deutlich: Der Weg bis zum Abschluss ist oft zu wenig stabil. Lehrabbrüche, Fehlentscheide und Übergänge bleiben zentrale Herausforderungen. Hier braucht es wirksame Unterstützung für Lernende und Betriebe. Denn eines ist klar: Berufsbildung funktioniert nur, wenn beide Seiten getragen werden. Gerade KMU leisten hier viel. Wer ausbildet, investiert in die Zukunft unseres Standorts und verdient mehr als politische Lippenbekenntnisse.
Es braucht deshalb konkrete Massnahmen. Unsere Initiativen im Rahmen von «Wirtschaftsstandort Baselland: Zurück in die Erfolgsspur» setzen genau hier an. Schülerinnen und Schüler müssen frühzeitig mit der Berufswelt in Kontakt kommen. Und die Lehre muss wieder als das gesehen werden, was sie ist: ein gleichwertiger und oft besserer Weg.
Auch der Tag der Lernenden am 4. Mai 2026 im Haus der Wirtschaft setzt ein Zeichen. Das Kompetenzzentrum Berufsbildung im Haus der Wirtschaft bringt dazu die zentralen Akteure zusammen, unter anderem Stefan Wolter, der den Bildungsbericht geschrieben hat.
Eine Diskussion muss geführt werden, offen und ehrlich. Denn wer die Berufsbildung schwächt, schwächt den Standort. Und wer sie stärkt, sichert unsere Zukunft.