Starke Lehre bedeutet starken Standort

Starke Lehre bedeutet starken Standort

Der Bildungsbericht 2026 ist ein Warnsignal. Die Schweiz verfehlt ihr Ziel bei den Sek-II-Abschlüssen deutlich. Für Mitte-Landrat Marc Scherrer ist deshalb klar: Entscheidend sind auch stabile Lehrverhältnisse sowie starke KMU-Lehrbetriebe.

Der neue Bildungsbericht Schweiz 2026 zeigt klaren Handlungsbedarf. Ein zentrales Ziel von Bund und Kantonen wird weiterhin verfehlt: 95 Prozent der 25-Jährigen sollen über einen Abschluss auf Sekundarstufe II verfügen. Tatsächlich liegt die Quote aber nur bei rund 90,1 Prozent. 2016 waren es noch 91,5 Prozent. Gleichzeitig macht der Bericht deutlich, wie wichtig eine starke Berufsbildung und solide schulische Grundlagen sind. Besonders gut schneiden dabei jene Kantone ab, in denen die Berufsbildung einen hohen Stellenwert hat.

Für Marc Scherrer, Mitte-Landrat und stellvertretender Direktor der Wirtschaftskammer Baselland, ist die Stossrichtung klar: «Die Berufslehre ist für viele junge Menschen der beste Weg in den Arbeitsmarkt. Wer sie stärken will, muss konkrete Hindernisse aus dem Weg räumen.» Gerade für einen KMU-geprägten Kanton ist das wichtig. Denn die hiesigen Unternehmen sind nach wie vor auf gut ausgebildete Berufsleute angewiesen. Eine starke Berufsbildung ist deshalb nicht nur Bildungspolitik, sondern handfeste Standortpolitik.

Scherrer weist auch auf eine strukturelle Schieflage hin. Der Anteil allgemeinbildender Abschlüsse ist schweizweit auf über 30 Prozent gestiegen. Fachlich wird das mehrheitlich kritisch beurteilt. Gleichzeitig zeigt der Bericht, dass stabile Bildungsbiografien und erfolgreiche Abschlüsse entscheidend sind. Die Herausforderung liegt also nicht nur beim Zugang zur Berufsbildung, sondern ebenso beim Durchhalten bis zum Abschluss. Übergänge, Fehlentscheide und Lehrabbrüche bleiben zentrale Problembereiche.

In der kommenden Landratssitzung wird Scherrer daher zwei Vorstösse einreichen, die Aufklärung fordern. Einerseits möchte er vom Regierungsrat wissen, wie sich die Abschlussquote im Baselbiet entwickelt, wie viele Lehrvertragsauflösungen es gibt, in welchen Branchen die Probleme besonders gross sind und welche Massnahmen der Kanton zur Reduktion von Lehrabbrüchen ergreift. Folgerichtig verlangt der Mitte-Politiker dann auch Auskunft darüber, wie die Erkenntnisse aus dem Bildungsbericht konkret in die kantonale Bildungsplanung einfliessen.

KMU nicht alleine lassen

Der zweite Vorstoss verlangt eine konkrete Prüfung dessen, wie Lehrbetriebe gezielter unterstützt und Lernende wirksamer begleitet werden können. Im Zentrum stehen Fragen, die für die Praxis entscheidend sind: Wo liegen die grössten Probleme? Wie wirksam sind bestehende Instrumente? Und können Lehrbetriebsverbünde oder vergleichbare kooperative Modelle KMU entlasten, die Ausbildungsqualität verbessern und Lehrabbrüche reduzieren?

«Eine gute Berufsbildung braucht nicht nur motivierte Lernende, sondern auch Betriebe, die den Aufwand tragen können», sagt Scherrer. «Gerade KMU dürfen mit dieser Aufgabe nicht allein gelassen werden.» Für die Baselbieter Wirtschaft ist es deshalb wichtig, dass aus dem neuesten Bildungsbericht auch wirklich Lehren gezogen werden.

Wer Lehrbetriebe stärkt, Lernende besser begleitet und Abschlüsse sichert, bekämpft den Fachkräftemangel dort, wo er tatsächlich entsteht: in der Praxis.

Fr. 17. April 2026