«Die KMU brauchen Verbesserungen»

«Die KMU brauchen Verbesserungen»

Ständerat und sgv-Präsident Fabio Regazzi spricht am Tag der Wirtschaft 2026. Wir nahmen das zum Anlass, ihn zur aktuellen Lage der KMU zu befragen.

Standpunkt: Herr Regazzi, US-Zölle, Krisenstimmung in Deutschland, wachsender Einfluss der EU – wie ist gerade die Stimmung bei den Schweizer KMU?

Fabio Regazzi: KMU sind Aufsteh­männchen. Sie sind sich gewohnt, auf Krisen und Unvorhergesehenes zu reagieren. Aber natürlich, Sie haben Recht: US-Zölle, die keine Planbarkeit bringen, Regulierungswut in Europa und in der Schweiz, die Finanzierung der 13. AHV über eine unbefristete Mehrwertsteuer sowie neulich das Institut für Geistiges Eigentum, das eine Praxisänderung zu Ungunsten der KMU verhängt hat, denn das Schweizerkreuz darf neu auch auf im Ausland gefertigten Produkten ver­wendet werden. Das sind keine guten Nachrichten für die KMU. Darum auch haben wir eine Petition lanciert. Schön, wenn möglichst viele diese On­line-Petition unterschreiben werden. (Sie finden die Online-Petition auf der sgv-Website, A.d.R.).

Und welche wirtschaftspolitische Baustelle in der Schweiz macht Ihnen zurzeit am meisten Sorgen?

Die Sanierung der Vorsorgewerke ist ein Problem, und dennoch reden wir über die Finanzierung der 13. AHV-Rente. Auch der IV geht es nicht gut. Die Gewerkschaften möchten sich nun in der Pensionskasse bedienen – so geht das nicht. Das Schweizer Funda­ment baut auf starken Sozialwerken. Eben habe ich die Nachricht gelesen, dass es in der Schweiz mehr Personen über 65 gibt als Junge. Wir haben viel zu tun. Vor allem muss die Sanierung der AHV als Gesamtprodukt analysiert werden.

Die Schweiz lebt von Innovation und Unternehmertum. Wo droht sie im internationalen Vergleich den Anschluss an andere Stand­orte zu verlieren?

Die Frage müsste vielmehr lauten: Wie werden wir noch besser und si­chern unsere Standortvorteile? Für mich sind vier Punkte entscheidend: weniger Regulierung, offene Märkte, ein flexibler Arbeitsmarkt und eine starke Berufsbildung. Wir müssen unnötige Bürokratie abbauen, Frei­handelsabkommen vorantreiben und den liberalen Arbeitsmarkt be­wahren. Gleichzeitig müssen wir Schweizer Qualität und Swissness stärken. Und wir müssen die Berufs­lehre als Erfolgsmodell weiterentwi­ckeln, damit wir genügend gut aus­gebildete Fachkräfte haben.

Die grösste Diskrepanz sehe ich dort, wo die Politik von Entlastung spricht, die Unternehmen aber im Alltag immer mehr Regulierung und administrative Belastungen erleben. Die KMU brauchen keine weiteren Versprechen, sondern spürbare Ver­besserungen: weniger Bürokratie, mehr Freiraum und verlässliche Rah­menbedingungen.

Die zunehmende staatliche Regulierung und Bürokratie sind ein Dauerthema bei den KMU. Warum tut sich hier aus Unter­nehmersicht so wenig?

Wir konnten jüngst einen Erfolg im Parlament verzeichnen. Der Bun­desrat muss eine Vorlage zur KMU-Regulierungsbremse ausarbeiten. Zudem: Das Unternehmensentlas­tungsgesetz legt die Regulierungs­folgekostenabschätzung als ver­pflichtendes Element jeder neuen Vorlage fest. Es regelt die systema­tische Überprüfung und Reduktion von Regulierungskosten für Unter­nehmen und verpflichtet den Bund, die Auswirkungen neuer Regelun­gen auf Unternehmen zu prüfen und Optimierungen in der Verwal­tungspraxis vorzunehmen. Das ist insbesondere für die KMU immens wichtig. Das Gesetz bringt die Digitalisierung der Verwaltung wei­ter. Damit leistet es einen Beitrag zur Senkung unnötiger Regulie­rungskosten und fokussiert dabei auf bestehende Regulierungen.

Der Hitzesommer hat auch viele KMU vor Herausforderungen gestellt. Welche Anpassungen sind hier nötig, um für künftige solche Ereignisse besser gewapp­net zu sein?

Lassen wir die Unternehmen selbst mehr machen, statt jedes Detail vorschreiben zu wollen. Die hohe bürokratische Belastung der KMU muss abgebaut werden. Gleichzei­tig brauchen wir den erleichterten Marktzugang zu anderen Ländern und bessere Rahmenbedingungen für Fachkräfte.

Was wird am Tag der Wirtschaft der Wirtschaftskammer Basel­land Ihre Kernbotschaft sein?

Die Schweiz darf ihren Vorsprung nicht verwalten – sie muss ihn aktiv verteidigen.

Fr. 6. November 2026