KMU brauchen faire Chancen

KMU brauchen faire Chancen

Am 29. November kommt erstmals eine Initiative aus «Wirtschaftsstandort Baselland: Zurück in die Erfolgsspur» vors Volk.

Wenn im Elektroinstallationsbetrieb die Projektleiterin fehlt, wartet nicht nur ein leerer Bürostuhl. Offerten bleiben liegen, Baustellentermine geraten unter Druck, andere Mit­arbeitende springen ein. Der nächs­te Kunde wartet bereits. Eine einzige Vakanz kann einen Betrieb bremsen.

Solche Engpässe kennen Baselbieter KMU. Sie konkurrieren nicht nur mit anderen Unternehmen, sondern auch mit dem Kanton. Ob IT, Finan­zen, Administration, Projektmanage­ment oder Technik: Verwaltung und Privatwirtschaft brauchen oft diesel­ben Fachkräfte.

Schere darf nicht weiter aufgehen

Ein KMU muss jeden Franken für Lohn, Ferien, Pensionskasse und Zu­satzleistungen zuerst mit Aufträgen verdienen. Der Kanton bezahlt seine Angestellten aus öffentlichen Mit­teln. KMU finanzieren das über ihre Steuern mit – und konkurrieren zu­gleich mit dem Kanton um Personal. Diese Schieflage will «Fairer Arbeits­markt: KMU-Arbeitsbedingungen als Richtschnur für die öffentliche Ver­waltung» angehen.

Eine Studie des Instituts für Schwei­zer Wirtschaftspolitik (IWP) findet für Kantonsverwaltungen schweiz­weit bei vergleichbaren Beschäftigten je nach Datengrundlage durchschnitt­liche Lohnprämien von 2,3 bis 5,4 Prozent gegenüber der Privatwirt­schaft. Eigene Zahlen für Baselland sind dies nicht. Studienmitautor Christoph A. Schaltegger schrieb im letzten Standpunkt: «Ein Staat, der den Markt überbietet, schwächt jene, von deren Leistung er lebt.»

Erster Urnengang der «Erfolgsspur»

Am 29. November kommt erstmals eine der 17 Initiativen aus «Wirt­schaftsstandort Baselland: Zurück in die Erfolgsspur» vors Volk. Fach­kräftemangel, Bürokratie, Verkehrs­engpässe: Das Impulsprogramm ent­stand aus konkreten Problemen der Betriebe. Über 28 000 Unterschriften brachten diese Anliegen auf die poli­tische Agenda. Das Initiativkomitee bildet der Zentralvorstand der Wirt­schaftskammer Baselland.

«Wir wollen niemandem etwas wegnehmen, aber der Kanton darf sich bei seinen Anstellungsbedin­gungen nicht immer weiter von der Realität unserer KMU entfernen», sagt Wirtschaftskammerpräsident Roman Mayer. Sein Anliegen: Augenmass gegenüber Betrieben, die ausbilden, Arbeitsplätze schaf­fen und den Staat mitfinanzieren.

Eine Richtschnur, keine Lohntabelle

Die Anstellungsbedingungen der dem kantonalen Personalgesetz unterstellten Mitarbeitenden sollen sich an jenen der KMU orientieren. Massstab sind Arbeitskosten wie Löhne, Ferien und Arbeitszeit auf Basis von Daten des Bundesamts für Statistik. Der Landrat müsste das Gesetz innert zwei Jahren anpassen, die Regierung alle vier Jahre Bericht erstatten.

 

 Der Initiativtext schreibt weder einzelne Löhne noch automatische Kürzungen vor. Staatsstellen müs­sen auch nicht schematisch mit KMU-Stellen gleichgesetzt werden. Der Kanton soll ein attraktiver Arbeitgeber bleiben. Die Umset­zung liegt beim Gesetzgeber; An­passungen für bestehende Mitarbei­tende sind nicht ausgeschlossen.

Regierung und Landratsmehrheit empfehlen ein Nein. Mit 41 zu 38 Stimmen fiel der Entscheid denk­bar knapp aus. Bemerkenswert: Dass auch bürgerliche Landräte, die selbst in kantonalen Verwaltungen tätig sind, gegen die Initiative stimmten, wirft Fragen nach der Interessenbindung auf.

Jetzt entscheidet das Baselbiet

Die Abstimmungsunterlagen liegen in den Haushalten. Die Abstimmung betrifft den Alltag der Betriebe: Soll der Kanton die Bedingungen der KMU bei seiner Personalpolitik ver­bindlich berücksichtigen? Die Wirt­schaftskammer sagt Ja. Nicht gegen Staatsangestellte, sondern für faire Chancen für jene, die im Baselbiet ausbilden, investieren und Arbeits­plätze schaffen. Die Schere darf sich nicht weiter öffnen.

Fr. 6. November 2026