Mangel an Lehrpersonal für Fachkunde

Mangel an Lehrpersonal für Fachkunde

Dass im Berufsbildungszentrum auch kompetente Berufsleute vor den Auszubildenden stehen, ist nicht mehr selbstverständlich. Zu niedrige Löhne gelten als Hauptgrund. Das Problem tritt immer häufiger auf und ist Thema eines politischen Vorstosses.

Dass es einen Fachkräftemangel und auch einen Mangel an Lehrerinnen und Lehrern an den regulären Schulen gibt, ist mittlerweile bekannt. Dass der pädagogische Notstand auch die Berufe erreicht hat, hat den Weg an die breite Öffentlichkeit noch nicht gefunden. Mitte-Landrat Marc Scherrer hat bei der Baselbieter Regierung einen Vorstoss mit Fragen zur Situation beim Fachkundelehrpersonal eingereicht, im Wissen darum, dass sich der Mangel auf den Wirtschaftsstandort Baselland sowie die Attraktivität von Lehrberufen auswirkt.

 

Scherrer, der auch Schulratspräsident des Berufsbildungszentrums Baselland BBZ BL ist, sorgt sich um die Ausbildungsqualität an den Berufsfachschulen. Wir sind gerade im Berufskundeunterricht auf erfahrene und hochqualifizierte Berufsleute angewiesen, so Scherrer. Berufskunde-Lehrpersonen sind erstklassige Berufsleute mit einem Abschluss auf Niveau Fachhochschule, höhere Fachprüfung, Meisterprüfung und Ähnliches.

 

Die Situation ist bereits so akut, dass es schwierig ist, den notwendigen Unterricht anbieten zu können. Wenn jemand krank ist, spitzt sich die Situation zu, sagt Scherrer.

 

Bereits laufen Notprogramme

Betroffen sind nicht etwa nur ein oder zwei Berufe. Es zeigt sich praktisch flächendeckend das gleiche Bild. Ob Maurer, Spengler, Metzger, Informatiker, Maler – alle gewerblich-industriellen Berufe sind betroffen und kämpfen mit dem Mangel an Fachkundelehrkräften.

 

Das verlangt nach Notlösungen, wie man es bereits aus der regulären Schule kennt. Scherrer erzählt, dass beispielsweise bei den Metzgern Fachlehrer über die Pension hinaus arbeiten würden, weil keine Nachfolge gefunden werden konnte. Wenn eine Vakanz entsteht, gestaltet sich die Suche meist schwierig und ist mit einem enormen Aufwand verbunden, sagt Scherrer. Zum Teil müsste auch auf Personen zurückgegriffen werden, die nicht vom Fach seien, das sei aber nur eine zeitlich begrenzte Lösung. Wenn es so weitergeht, sagt Scherrer, laufen wir in Gefahr, gewisse Berufe gar nicht mehr unterrichten zu können. Das hätte dann enorme Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Basel-Landschaft.

 

Erst Anfang März hatte die Standortförderkommission Baselland (StaföK), ein von der Baselbieter Regierung eingesetztes Organ, kommuniziert, dass sie die Sicherstellung von Fachkräften zuoberst auf die Prioritätenliste gesetzt habe, weil davon die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Baselland abhänge (Standpunkt berichtete über den Vorstoss von Marc Scherrer). Wir haben Hinweise von Unternehmen bekommen, dass das Thema Fachkräfte immer wichtiger ist, wenn es um Ansiedelungsentscheide geht, sagt Thomas Kübler, Leiter Standortförderung Baselland.

 

Gefragt nach Lösungen, hat Scherrer klare Forderungen: Die Löhne der Fachlehrerinnen und Fachlehrer müssten im Schnitt 15 bis 20 Prozent angehoben werden.

 

Für Berufskundelehrer lohnt sich das Engagement meist nicht. Ein Wechsel aus dem angestammten Beruf in die Schule ist für solch hochqualifizierte Personen finanziell unattraktiv, insbesondere wenn man bedenkt, dass sie zusätzlich ein berufsbegleitendes Studium an einer pädagogischen Hochschule absolvieren müssen, damit sie überhaupt unterrichten dürfen, so Scherrer.

 

Um ausreichend Fachunterrichtspersonal zu haben, braucht es einen Systemwechsel. «Mit einer höheren Lohneinstufung von Anfang an wäre die finanzielle Einbusse vom Tisch», sagt Scherrer. Er ist nun gespannt auf die Antwort der Regierung und will den Druck aufrechterhalten.

 

Aus dem aktuellen Standpunkt der Wirtschaft.

Fr. 5. April 2024