Handeln statt aussitzen

Handeln statt aussitzen

Von Christoph Buser, Direktor Wirtschaftskammer Baselland

Die Schweiz spricht gerne über Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und Standortqualität. Gleichzeitig behandeln wir die Berufsbildung vielerorts immer noch wie eine Selbstver­ständlichkeit. Genau das ist gefährlich.

Unser Wohlstand basiert nicht nur auf For­schung, Hochschulen und akademischen Kar­rieren. Er basiert auch auf Menschen, die an­packen, Verantwortung übernehmen, Betrie­be führen und junge Berufsleute ausbilden.

Gerade im Baselbiet spüren viele Unterneh­men seit Jahren, dass sich etwas verschiebt. Die Berufslehre verliert an gesellschaftlicher Sichtbarkeit und Bedeutung. Zunehmend gel­ten Gymnasium und Studium als automati­scher Normalweg. Gleichzeitig suchen KMU, Gewerbe und Industrie händeringend Fach­kräfte.

Trotzdem wird erstaunlich wenig über die eigentliche Ursache diskutiert. Dass so viele Fachkräfte fehlen, ist hausgemacht. Es ist auch das Resultat politischer Prioritäten. Wenn die Berufsbildung über Jahre zu wenig Wertschätzung erfährt und praktische Arbeit kontinuierlich zu wenig Anerkennung erhält, auch in den Schulen, dann darf man sich über fehlenden Nachwuchs nicht wundern.

Genau deshalb haben wir als Wirtschafts­kammer Baselland drei Initiativen zur Berufs­bildung lanciert. Nicht aus ideologischen Gründen, sondern weil Baselbieter Unterneh­men die Auswirkung dieser Akademisierung der Bildungslandschaft täglich erleben.

Umso erstaunlicher ist die Reaktion des Baselbieter Regierungsrates auf unsere Initia­tiven: Statt die Vorschläge der Wirtschaft als Ausgangspunkt für eine ernsthafte Diskussion zu verstehen, dominiert vielerorts die Suche nach formalen Gegenargumenten und die Frage nach Zuständigkeiten.

Dabei wäre eigentlich etwas anderes nötig: mehr Offenheit, mehr Praxisnähe und vor al­lem mehr Vertrauen in die Berufsbildung, denn die Berufslehre ist kein Auslaufmodell – sie bleibt eine der grössten Stärken unseres Landes.

Wer den Fachkräftemangel ernst nimmt, darf die Berufsbildung deshalb nicht nur loben. Er muss sie endlich wieder zur Priorität ma­chen. Die Wirtschaft und die KMU wollen das. Nun muss die Politik liefern und die Rah­menbedingungen verändern.

Fr. 12. Juni 2026