Die Schweiz spricht gerne über Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und Standortqualität. Gleichzeitig behandeln wir die Berufsbildung vielerorts immer noch wie eine Selbstverständlichkeit. Genau das ist gefährlich.
Unser Wohlstand basiert nicht nur auf Forschung, Hochschulen und akademischen Karrieren. Er basiert auch auf Menschen, die anpacken, Verantwortung übernehmen, Betriebe führen und junge Berufsleute ausbilden.
Gerade im Baselbiet spüren viele Unternehmen seit Jahren, dass sich etwas verschiebt. Die Berufslehre verliert an gesellschaftlicher Sichtbarkeit und Bedeutung. Zunehmend gelten Gymnasium und Studium als automatischer Normalweg. Gleichzeitig suchen KMU, Gewerbe und Industrie händeringend Fachkräfte.
Trotzdem wird erstaunlich wenig über die eigentliche Ursache diskutiert. Dass so viele Fachkräfte fehlen, ist hausgemacht. Es ist auch das Resultat politischer Prioritäten. Wenn die Berufsbildung über Jahre zu wenig Wertschätzung erfährt und praktische Arbeit kontinuierlich zu wenig Anerkennung erhält, auch in den Schulen, dann darf man sich über fehlenden Nachwuchs nicht wundern.
Genau deshalb haben wir als Wirtschaftskammer Baselland drei Initiativen zur Berufsbildung lanciert. Nicht aus ideologischen Gründen, sondern weil Baselbieter Unternehmen die Auswirkung dieser Akademisierung der Bildungslandschaft täglich erleben.
Umso erstaunlicher ist die Reaktion des Baselbieter Regierungsrates auf unsere Initiativen: Statt die Vorschläge der Wirtschaft als Ausgangspunkt für eine ernsthafte Diskussion zu verstehen, dominiert vielerorts die Suche nach formalen Gegenargumenten und die Frage nach Zuständigkeiten.
Dabei wäre eigentlich etwas anderes nötig: mehr Offenheit, mehr Praxisnähe und vor allem mehr Vertrauen in die Berufsbildung, denn die Berufslehre ist kein Auslaufmodell – sie bleibt eine der grössten Stärken unseres Landes.
Wer den Fachkräftemangel ernst nimmt, darf die Berufsbildung deshalb nicht nur loben. Er muss sie endlich wieder zur Priorität machen. Die Wirtschaft und die KMU wollen das. Nun muss die Politik liefern und die Rahmenbedingungen verändern.