Berufsbildung stärken

Berufsbildung stärken

Immer weniger Jugendliche entscheiden sich für eine Berufslehre, während Unternehmen dringend Fachkräfte suchen. Mit drei Initiativen will die Wirtschaftskammer Baselland die Berufsbildung stärken und das Bildungssystem näher an den Arbeitsmarkt rücken.

Der Fachkräftemangel ist im Basel­biet längst Realität. Viele Unterneh­men suchen dringend Lernende und qualifizierte Fachkräfte. Besonders betroffen sind technische, hand­werkliche, industrielle und gesund­heitsnahe Berufe. Gleichzeitig ent­scheiden sich immer weniger Ju­gendliche für eine Berufslehre. Die­se Entwicklung gefährdet den Wirtschaftsstandort.

Genau deshalb hat die Wirtschafts­kammer Baselland drei Initiativen im Rahmen des Impulsprogrammes «Wirtschaftsstandort Baselland: Zu­rück in die Erfolgsspur» lanciert: den Berufsbildungsfonds, die Stärkung der beruflichen Orientierung sowie eine stärkere Arbeitsmarktorientie­rung der Universität Basel.

Alle drei Vorlagen verfolgen das­selbe Ziel: die Berufsbildung stär­ken, Ausbildungsbetriebe entlasten und das Bildungssystem näher an den Arbeitsmarkt bringen.

 Der «Bildungsbericht Schweiz 2026» bestätigt den Handlungsbedarf deut­lich. Praktische Kompetenzen gewin­nen im Zeitalter von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz an Bedeu­tung. Gleichzeitig orientieren sich im­mer mehr Jugendliche Richtung Gym­nasium und Studium, während Lehr­stellen unbesetzt bleiben. Oder anders formuliert: KI ersetzt Standardwissen, nicht aber praktische Kompetenz.

Die Initiativen kommen direkt von der Basis der Baselbieter Wirtschaft re­spektive von den Ausbildungsbetrieben und sind eine Antwort auf konkrete Probleme: fehlender Nachwuchs, stei­gender Druck auf Ausbildungsbetriebe sowie ein Bildungssystem, das sich teil­weise von der realen Arbeitswelt ent­fernt hat.

Umso irritierender ist die Haltung des Regierungsrats des Kantons Basel- Landschaft: Die Regierung empfiehlt zwei der drei Initiativen zur Ableh­nung, wobei sie der Initiative zur be­ruflichen Orientierung einen Gegenvor­schlag gegenüberstellt. Zur Initiative Berufsbildungsfonds liegt derzeit noch keine Vorlage vor.

Besonders deutlich zeigt sich dies bei der Initiative zur beruflichen Orientie­rung: Hier wird suggeriert, die Wirt­schaft wolle Einfluss auf den Unterricht nehmen. Tatsächlich fordert die Initia­tive aber mehr Praxisnähe und stärke­re Zusammenarbeit zwischen Schule und realer Arbeitswelt.

Gleichzeitig anerkennt die Regierung selbst den Fachkräftemangel, die Be­deutung der Berufsbildung und den bestehenden Handlungsbedarf. Genau darin liegt der Widerspruch. Die Zu­kunft unseres Standorts entscheidet sich nicht nur an Hochschulen. Son­dern auch in Werkstätten, Produktions­hallen, Praxen und Gewerbebetrieben. Kurz bei den KMU.

Fr. 12. Juni 2026