Die Baselbieter Regierung hat ihre Haltung zur Umfahrung Süd präsentiert. Das Bemerkenswerte: Sie bestätigt praktisch alle zentralen Argumente der Initiative. Die Verbindungen zwischen den Wirtschaftsräumen sind ungenügend. Die Erreichbarkeit muss verbessert werden. Die Umfahrung Süd würde die Vernetzung stärken, Fahrzeiten verkürzen und den Wirtschaftsstandort aufwerten. Trotzdem beantragt die Regierung die Ablehnung der Initiative. Nicht weil sie den Nutzen bestreitet, sondern weil sie nochmals planen, prüfen und vergleichen will.
Genau darin liegt das eigentliche Problem. Dem Baselbiet fehlt es nicht an Analysen. Es fehlt an Entscheidungen. Die Umfahrung Süd wird oft als Strassenprojekt diskutiert. Das greift zu kurz. Sie ist vor allem ein Wirtschaftsprojekt. Sie verbindet die Wirtschaftsräume Birsstadt, Pratteln und Liestal direkt miteinander und schafft eine leistungsfähige Ost-West-Achse. Davon profitieren Unternehmen, Mitarbeitende und der (öffentliche) Verkehr gleichermassen.
Vor allem aber schafft diese Ost-West-Achse die Grundlage für künftige Entwicklung. Die Infrastruktur folgt nicht wirtschaftlichem Wachstum, sie geht ihm voraus. Unternehmen investieren dort, wo Standorte zuverlässig erreichbar sind, Lieferketten funktionieren und Arbeitskräfte mobil sind. Wer Infrastruktur nur anhand der heutigen Verkehrsströme beurteilt, plant für die Vergangenheit.
Genau eine solche Perspektive fehlt der Regierung. Sie fragt, ob die heutige Verkehrsnachfrage den Bau rechtfertigt. Die entscheidende Frage lautet jedoch: Welches Potenzial verschenkt das Baselbiet, solange seine Wirtschaftsräume nicht leistungsfähig miteinander verbunden sind?
Stillstand verursacht ebenfalls Kosten. Unternehmen verlieren Zeit im Stau, Transportkosten steigen und der Standort verliert an Attraktivität. Investitionen fliessen dorthin, wo Infrastruktur vorhanden ist – nicht dorthin, wo jahrelang über ihre Notwendigkeit diskutiert wird. Andere Regionen bauen ihre Wirtschaftsachsen aus. Das Baselbiet darf den Anschluss nicht verpassen.
Die Kosten eines Bauprojekts lassen sich beziffern. Die Kosten unterlassener Investitionen erscheinen in keiner Rechnung. Sie zeigen sich in ausbleibenden Ansiedlungen, gebremstem Wachstum und geringerer Wertschöpfung. Eine prosperierende Wirtschaft entsteht nicht von selbst. Sie braucht leistungsfähige Infrastruktur und den politischen Willen, rechtzeitig in sie zu investieren. Wer immer erst baut, wenn alle Fragen beantwortet sind, baut am Ende zu spät.