Das Baselbiet steht im Steuerwettbewerb unter Druck. Während Nachbarkantone ihre Belastung senken, liegt die Steuerbelastung in Basel-Landschaft häufig spürbar höher. Mitte-Landrat Dario Rigo will deshalb einen konkreten Schritt einleiten: Mit seiner am 27. August eingereichten Motion «Steuerbelastung senken – Gemeindeautonomie wahren» verlangt er, den kantonalen Einkommenssteuerfuss über drei Jahre, um insgesamt zehn Prozentpunkte zu senken.
Der Vorstoss knüpft direkt an Rigos frühere Interpellation bezüglich zu hohen Staatsausgaben an. Die damalige Antwort des Regierungsrats zeigte: Kanton und Gemeinden geben im Baselbiet pro Einwohner 3186 Franken mehr aus als im Aargau. Hochgerechnet entspricht dies rund 961 Millionen Franken oder 28,3 Prozent. Zwar sind die Kantone strukturell nicht überall direkt vergleichbar. Doch eine Ausgabendifferenz von fast einer Milliarde Franken lässt sich nicht mit dem Hinweis auf eingeschränkte Vergleichbarkeit vom Tisch wischen.
«Wenn das Baselbiet deutlich mehr ausgibt als der Nachbarkanton Aargau, müssen wir daraus Konsequenzen ziehen. Die schrittweise Steuersenkung schafft den nötigen Druck, Effizienzpotenziale tatsächlich zu nutzen», sagt Rigo.
Es gibt Spielraum für Entlastung
Die Motion setzt nicht auf einen abrupten Schnitt. Vorgesehen ist eine gestaffelte Senkung über drei Jahre. So bleibt Zeit, Prioritäten zu setzen und das Ausgabenwachstum zu bremsen. Seit 2013 sind die kantonalen Ausgaben von 2,5 auf 3,3 Milliarden Franken gestiegen – ein Plus von 30 Prozent.
Eine Senkung des kantonalen Einkommenssteuerfusses um zehn Prozentpunkte würde die Steuerzahler um rund 135 Millionen Franken entlasten. Gemäss Motion würde es genügen, wenn die Staatsausgaben während dreier Jahre jährlich lediglich gut ein Prozent langsamer wüchsen als bisher, um diesen Betrag aufzufangen. Es geht damit nicht um einen Kahlschlag beim Staat, sondern darum, das Ausgabenwachstum zu bremsen und Prioritäten zu setzen.
Für Wirtschaftskammerdirektor Christoph Buser ist der Ansatz folgerichtig. «Das Baselbiet braucht eine Finanzpolitik, die nicht immer nur neue Einnahmen sucht, sondern auch die Ausgabenseite ernst nimmt. Wenn es gelingt, das Ausgabenwachstum zu bremsen und gleichzeitig Bevölkerung und Unternehmen zu entlasten, stärkt das unseren Standort», sagt Buser. Gerade im Wettbewerb um Fachkräfte und Investitionen sei die Steuerbelastung ein zentraler Standortfaktor.
Wie gross der Handlungsbedarf ist, zeigen konkrete Beispiele. Eine alleinstehende Person ohne Kinder mit einem Bruttoeinkommen von 60 000 Franken bezahlt in Liestal 37,1 Prozent mehr Kantons- und Gemeindesteuern als in Aarau. Bei einem verheirateten Paar mit zwei Kindern und 150 000 Franken Bruttoeinkommen beträgt der Unterschied sogar 57,3 Prozent. Die hohe Belastung trifft damit keineswegs nur Spitzenverdiener, sondern gerade auch den Mittelstand. Für viele Haushalte geht es um Geld, das am Ende des Jahres für Konsum, Vorsorge oder Investitionen fehlt.
«Wer arbeitet, Verantwortung übernimmt und sein Einkommen versteuert, soll nicht das Gefühl haben, im Baselbiet strukturell stärker zur Kasse gebeten zu werden als wenige Kilometer weiter», sagt Rigo. Die vorgeschlagene Senkung sei deshalb nicht nur Standortpolitik, sondern auch eine Frage der Fairness gegenüber den Steuerzahlern.
Unterstützung erhält die Stossrichtung unter anderem auch von der Steuer Liga. Für deren Präsident, Stefan Degen, ist Rigos Forderung nach einer Ausgabendebatte der logische nächste Schritt: Das Baselbiet müsse Bevölkerung und Wirtschaft spürbar entlasten und gleichzeitig das Wachstum der Staatsausgaben begrenzen. Entscheidend sei, Entlastung und Ausgabendisziplin zusammenzudenken.
Gemeinden behalten Autonomie
Ein zentraler Punkt der Motion ist der Umgang mit den Gemeinden. Die Senkung soll gezielt beim kantonalen Einkommenssteuerfuss ansetzen. Die normale Staatssteuer als Grundlage für die Gemeindesteuern bleibt unverändert. Die Gemeinden können ihre Steuerfüsse weiterhin selbst festlegen. Damit verbindet der Vorstoss eine kantonale Entlastung mit der finanzpolitischen Eigenständigkeit der Gemeinden.
Auch die anstehende Reform des Baselbieter Steuersystems wird nicht vorweggenommen. Wegen der Individualbesteuerung auf Bundesebene und der hängigen Fragen zur Ehepaarbesteuerung müssen Steuerkurve, Tarifstruktur und Abzüge ohnehin neu austariert werden. Ein tieferer Ausgangssteuerfuss schafft zusätzlichen Spielraum. Statt auf die grosse Reform zu warten, könnte das Baselbiet rasch ein erstes Zeichen setzen.
Die Motion setzt an einem Punkt an, der in der Baselbieter Finanzpolitik lange zu kurz kam: Eine Entlastung der Steuerzahler muss nicht automatisch mit neuen Einnahmen kompensiert werden. Auch ein langsameres Wachstum der Staatsausgaben schafft finanziellen Spielraum.
Nun liegt der Ball beim Landrat. Rigos Motion macht aus einer Ausgabendebatte eine konkrete Forderung: zehn Prozentpunkte weniger beim kantonalen Einkommenssteuerfuss. Das Baselbiet erhält damit eine grosse Chance, nicht nur über seine hohe Steuerbelastung zu reden, sondern sie tatsächlich zu senken – und gegenüber den Nachbarkantonen wieder steuerpolitischen Boden gutzumachen.