Was sagen wir unseren 14-Jährigen, die heute vor der Berufswahl stehen? Welchen Beruf sollen sie lernen? Welche Ausbildung bietet ihnen auch in zehn oder zwanzig Jahren noch gute Chancen?
Diese Fragen sind schwieriger geworden. Die Digital-World im Haus der Wirtschaft hat gezeigt, mit welcher Geschwindigkeit Künstliche Intelligenz unsere Arbeitswelt verändert. KI schreibt, programmiert, analysiert und plant. Und das Überraschende: KI kann bei hochkomplexen Aufgaben erstaunlich gut sein und an vermeintlich einfachen scheitern. Diese Grenze verschiebt sich zudem rasant. Was heute noch eindeutig menschliche Arbeit scheint, kann morgen bereits ganz anders aussehen.
Genau deshalb müssen wir die berufliche Orientierung neu denken. Es genügt nicht mehr, Jugendlichen zu zeigen, welche Berufe es gibt und welcher Beruf zu ihren Interessen passt. Wir müssen ihnen auch zeigen, welche Tätigkeiten und Fähigkeiten in einer von KI geprägten Arbeitswelt gefragt bleiben. Wo braucht es praktisches Können, Erfahrung, Verantwortung, Kreativität oder den direkten Umgang mit Menschen? Und welche Berufe sind gegenüber Automatisierung vergleichsweise robust?
Das spricht nicht gegen die Berufslehre. Im Gegenteil. Gerade die duale Berufsbildung verbindet Wissen mit praktischem Können und der realen Arbeitswelt. Sie kann jungen Menschen Fähigkeiten vermitteln, die nicht einfach durch einen Algorithmus ersetzt werden.
Aber auch dieses Erfolgsmodell steht unter Druck. Viele KMU investieren bereits heute erheblich in die Ausbildung ihrer Lernenden. Gleichzeitig stellen sie fest, dass Grundkompetenzen bei Schulabgängern teilweise fehlen und der Betreuungsaufwand steigt. Wenn deshalb weniger Betriebe ausbilden, haben wir ein Problem.
Die Wirtschaftskammer will deshalb beides: Mit einem Berufsbildungsfonds wollen wir Lehrbetriebe entlasten. Und mit einer neuen, praxisnahen beruflichen Orientierung wollen wir Jugendlichen zeigen, wo ihre Chancen in der Arbeitswelt von morgen liegen.
Denn die wichtigste Frage bei der Berufswahl lautet heute nicht nur: Was interessiert mich? Sondern auch: Was muss ich können, damit ich in einer Welt mit KI gebraucht werde?