Schreiben, rechnen, Arbeitsaufträge verstehen und umsetzen: Diese Fähigkeiten sind in einer Berufsausbildung elementar. Doch viele Ausbildungsbetriebe stellen bei Jugendlichen, die aus der obligatorischen Schule in eine Lehre eintreten, zunehmend Lücken bei den Grundkompetenzen fest. Dies geht aus einer Anfang September veröffentlichten Umfrage von economiesuisse, dem Schweizerischen Gewerbeverband (sgv) und dem Schweizerischen Arbeitgeberverband (SAV) hervor. «Ausbildungsbetriebe stellen seit Jahren zunehmende Kompetenzlücken bei ihren Lernenden fest, insbesondere beim Schreiben und in der Mathematik», schreiben die drei Wirtschaftsverbände.
Besonders kritisch beurteilen die befragten Unternehmen die Schreibkompetenzen sowie zentrale mathematische Fähigkeiten, die den Einstieg ins Berufsleben deutlich erschweren. Beim Schreiben beurteilen 59 Prozent der befragten Unternehmen die Fähigkeiten als eher ungenügend oder nicht erfüllt. Und mehr als zwei Drittel sehen Defizite bei Rechtschreibung und Grammatik.
Auch in Mathematik überwiegen die kritischen Einschätzungen. Schwierigkeiten stellen die Betriebe insbesondere beim Umgang mit Grössen und Einheiten sowie beim Plausibilisieren von Resultaten fest.
Dabei geht es aus Sicht der Unternehmen nicht um eine Momentaufnahme. Die Verschlechterung der Lernenden beim Schreiben, Lesen und in Mathematik ist seit etwa fünf Jahren deutlich erkennbar. Darauf weisen auch nationale und internationale Leistungserhebungen wie Pisa hin. Welche Faktoren jedoch genau dafür verantwortlich sind, ist allerdings nicht abschliessend geklärt.
Für die Lehrbetriebe hat die Entwicklung durchaus konkrete Folgen.
Am häufigsten nennen sie einen höheren Betreuungs- und Coachingaufwand. Hinzu kommen Schwierigkeiten bei der Suche nach geeigneten Lernenden, eine geringere Selbstständigkeit und mehr Fehler im Arbeitsalltag.
Zwei Drittel der Betriebe reagieren darauf mit internen Massnahmen wie engerer Begleitung, Nachhilfe, zusätzlichen Schulungen oder Coachingangeboten. Rund zwei Fünftel greifen auf externe Unterstützung zurück. Insgesamt fördern bereits rund drei Viertel ihre Lernenden mit zusätzlichen Massnahmen. Das kostet Zeit und Geld.
Die Mehrheit der betroffenen Betriebe beziffert den zusätzlichen Betreuungsaufwand auf bis zu drei Stunden pro Woche. Rund zwei Fünftel berichten zudem von direkten Mehrkosten. Gerade kleinere Unternehmen können diesen Mehraufwand nicht ohne Weiteres auffangen. «Zusätzliche Betreuung und Förderung fordern kleine Betriebe zeitlich und personell besonders heraus», schreiben die Wirtschaftsverbände.
Bereitschaft auszubilden sinkt
20 Prozent der befragten Unternehmen geben an, aufgrund der sinkenden Grundkompetenzen und des damit verbundenen Mehraufwands weniger Lernende zu rekrutieren oder dies künftig tun zu wollen. Bei Kleinstunternehmen beträgt dieser Anteil sogar 30 Prozent. Die Wirtschaftsverbände sehen in erster Linie die Volksschule in der Pflicht. «Die Vermittlung von Grundkompetenzen ist primär Aufgabe der obligatorischen Schule», heisst es.