Drei neue Vorstösse im Aargau zeigen: Der Handlungsdruck reicht über Kantonsgrenzen hinaus. In ihrer Vernehmlassungsantwort zu «Verkehr ’45» fordert die Wirtschaftskammer Baselland parallele Planungen, neue Verbindungen und eine Beteiligung des Bundes. Der Lieferwagen steht, die Lohnkosten laufen weiter. Der Kunde wartet, der nächste Termin gerät ins Rutschen. Für KMU zählen deshalb verlässliche Fahrzeiten. Am 22. September reichten Mitglieder von SVP und Mitte im Aargauer Grossen Rat drei Motionen ein. Sie verlangen Verbesserungen an den Anschlüssen Rheinfelden Ost und West sowie einen zusätzlichen A3-Anschluss bei Zeiningen. Im Osten sollen bessere Zufahrten und eine längere Ausfahrtsspur Rückstaus verhindern. Im Westen geht es um eine direktere Verbindung nach Kaiseraugst. Der Anschluss bei Zeiningen soll Ortsdurchfahrten verringern. Beschlossen sind diese Massnahmen allerdings noch nicht.
Forderungen an Bundesrat Rösti
Die Wirtschaftskammer Baselland hat Ende September ihre Stellungnahme zur «Vorlage zur verkehrsträgerübergreifenden Bewältigung der Mobilitätsbedürfnisse», kurz «Verkehr ’45», an Bundesrat Albert Rösti gerichtet.
Die Vorlage begrüsst die gemeinsame Betrachtung von Strasse, Schiene und Agglomerationsverkehr. Die Priorisierung überzeugt nicht: Der Rheintunnel steht im Horizont 2045, Hagnau–Augst erst im Horizont 2055. Dabei gehören beide zusammen: Ohne den Ausbau des Tunnels Schweizerhalle bleibt dort das Nadelöhr bestehen. Der Rheintunnel allein löst das Kapazitätsproblem nicht.
Deshalb verlangt die Wirtschaftskammer, die sistierten Projektierungen sofort wieder aufzunehmen und parallel zu führen. Nacheinander bauen heisst nicht, nacheinander planen zu müssen. Kritisch sieht sie auch die Streichung des Ausbaus Augst–Rheinfelden. Die vorgesehene Pannenstreifenumnutzung kann nur eine Übergangslösung sein.
Mit zwei Initiativen aus ihrem Impulsprogramm «Wirtschaftsstandort Baselland: Zurück in die Erfolgsspur» treibt die Wirtschaftskammer Lösungen voran: die beschleunigte Realisierung des Zubringers Bachgraben–Allschwil (ZUBA), der für das Arbeitsplatzgebiet Bachgraben zentral ist, und die Umfahrung Süd. Der Regierungsrat empfiehlt beide zur Ablehnung – aus Sicht der Wirtschaftskammer angesichts des Handlungsdrucks unverständlich.
Die Umfahrung Süd ist nicht Teil der Bundesvorlage. Deshalb bringt die Wirtschaftskammer sie mit ihrer Vernehmlassungsantwort beim Bund ein: als direkte Verbindung der Wirtschaftsräume Liestal/Pratteln und Reinach/Arlesheim für Individualverkehr und Tram. Sie schafft eine Alternative bei Störungen auf der Autobahn. Laut Grobanalyse könnte sie die A2 zwischen Hagnau und Augst um rund einen Fünftel entlasten.
Für kantonal beschlossene, bau-und finanzierungsreife Projekte fordert die Wirtschaftskammer Bundesbeiträge entsprechend ihrer nachgewiesenen Entlastung des Nationalstrassennetzes. Zum Zielbild gehören auch die A98 als Nordspange und eine verlässlichere Perspektive für die N18.
Für KMU zählt die ganze Fahrt zum Kunden. Steht der Lieferwagen nach dem nächsten Anschluss wieder im Stau, ist für den Betrieb wenig gewonnen.